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Kriminalität
24.11.2021

Gewalt in Partnerschaften nimmt zu: Jede dritte Frau erlebt körperlichen Missbrauch

Ob häusliche Gewalt in der Corona-Krise zugenommen hat, lässt sich (noch) nicht abschließend sagen.
Foto: Bernd Hohlen (Symbolbild)

In Deutschland und auf der ganzen Welt leiden Frauen immer häufiger unter Gewalt – ausgeübt durch ihre Partner. Was Corona damit zu tun hat.

Die Zahl der angezeigten Gewalttaten in Partnerschaften wächst. Laut der aktuellen Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) wurden 2020 fast 147.000 Fälle registriert – das ist ein Anstieg von knapp fünf Prozent im Vergleich zum Jahr davor.

Auch die Zahl der Todesopfer durch Partnerschaftsgewalt erhöhte sich um 20 auf 169. Weiterhin sind im weitaus größten Teil der Fälle die Tatverdächtigen Männer. Doch der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen und beträgt inzwischen 20,9 Prozent.

Gewalt gegen Frauen hat zugenommen.
Foto: Bernhard Weizenegger

Erfasst werden Fälle von versuchten oder vollendeten Körperverletzungs- und Tötungsdelikten, Vergewaltigung, Stalking oder Bedrohung in Partnerschaften, die noch bestehen oder bereits beendet sind. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), die kommissarisch auch das Frauen- und Familienministerium leitet, sagte: „In jeder Stunde werden in Deutschland durchschnittlich 13 Frauen Opfer einer Gewalttat. Jeden dritten Tag stirbt eine Frau an den Folgen einer Gewalttat.“

Noch immer sei das Thema mit gesellschaftlichen Tabus behaftet, dies verhindere, dass die Betroffenen Hilfe erhalten. „Ihr seid nicht allein“, appellierte sie an Gewaltopfer, sich an die Polizei oder Beratungsstellen wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ zu wenden.

Das Dunkelfeld der Gewalttaten ist groß

Dass eine hohe Zahl von Fällen unentdeckt bleibt, glaubt BKA-Präsident Holger Münch: „Wir sehen nur, was bekannt geworden ist. Wir müssen aber von einem sehr erheblichen Dunkelfeld ausgehen.“ Die Kriminalstatistik sei also „kein getreues Spiegelbild der Situation“.

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Frauen- und Familienministerin Christine Lambrecht (rechts) Petra Söchting, Leiterin des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen", und BK-Präsident Holger Münch bei der Vorstellung der Studie.
Foto: Michael Kappeler, dpa

Aus diesem Grund ist es laut Münch auch schwer nachzuweisen, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf den Anstieg der Partnerschaftsgewalt hatte. Im Vergleich zu den entsprechenden Vorjahreszeiträumen falle der Anstieg der Zahlen während der Phasen des Lockdowns nur gering aus. Das könne aber auch daran liegen, dass in Zeiten von Kontaktbeschränkungen etwa Blutergüsse oder andere Zeichen von Misshandlung seltener durch Dritte erkannt würden. Für die Betroffenen sei es auch schwieriger, sich an die Behörden zu wenden, wenn der gewalttätige Partner dauernd in der Nähe sei, so Münch weiter.

Mehr Anrufe beim Hilfetelefon während des Lockdowns

Deutliche Anzeichen, dass sich die Lage während der Pandemie verschlimmert hat, sieht Petra Söchting, die Leiterin des bundesweiten Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“. Ihren Angaben zufolge hat die Zahl der Beratungsgespräche 2020 im Vergleich zu 2019 um rund 15 Prozent zugenommen. „In ohnehin konfliktbehafteten Beziehungen kann räumliche Enge zu einer Verschärfung führen. Man kann sich dann schlichtweg nicht mehr aus dem Weg gehen“, sagte Söchting.

Sie berichtete zudem von einer gestiegenen Zahl von Anrufen aus akuten Notsituationen heraus, „bei denen dann gleich die Polizei dazugeschaltet werden musste“. Wie Söchting ruft auch BKA-Chef Münch die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, die Behörden zu informieren, wenn sie einen Verdacht haben. „Partnerschaftsgewalt geht uns alle an“, sagte er.

Entwicklungsminister Müller sagt Hilfe zu

Vor dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, der an diesem Donnerstag begangen wird, verstärkt die Bundesregierung ihre Anstrengungen zum Schutz von Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt. Für mehrere Projekte werden insgesamt 15 Millionen Euro neu bereitgestellt. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte unserer Redaktion: „Weltweit erlebt jede dritte Frau in ihrem Leben mindestens einmal körperliche oder sexualisierte Gewalt.“

Die Corona-Krise habe die Lage dramatisch verschärft: „Durch die Lockdowns ist häusliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen angestiegen. Experten rechnen mit bis zu 30 Millionen weiteren Fällen.“ Infolge der weltweiten Hunger- und Wirtschaftskrise würden zudem geschätzt 13 Millionen Mädchen zu Früh- oder Zwangsheiraten gedrängt. „Das können wir nicht einfach so hinnehmen“, sagte Müller. Deutschland werde deshalb den Kampf gegen Gewalt an Frauen mit weiteren 15 Millionen Euro unterstützen. Das Geld gehe an den UN-Treuhandfonds zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen, an zwei afrikanische Regionalinitiativen zur Prävention von Gewalttaten gegen Frauen sowie eine internationale Mädchenbildungsinitiative.

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24.11.2021

Das ist leider sehr traurig. Aber man muss auch darauf hinweisen, dass es für Betroffene immer noch zu schwierig ist, Hilfe zu erhalten. Die Polizei zu rufen ist eine Sache. Aber etwa einen Platz im Frauenhaus zu bekommen und erst einmal jemand zu finden, der hierbei hilft ist immer noch viel zu schwierig.

Es sollte dringend eine zentrale Anlaufstelle geben!

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24.11.2021

(edit/mod/Verstoß NUB 7.2/7.3)

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24.11.2021

Wie viele der Täter haben einen Migrationshintergrund? Darf man hoffentlich noch fragen, oder?

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24.11.2021

Das hab ich mir gedacht, dass diese Frage sofort auftaucht. Aber bitte denken Sie daran: auch deutsche Männer schlagen, misshandeln, missbrauchen. Auch deutsche Männer bringen Frauen um. Und das Schlimmste daran: sie tun es mit einem sogenannten "christlich-abendländischen" Hintergrund, sie sind also nicht in einem Land aufgewachsen, wo andere Gesetze Realität sind. Also fragen dürfen Sie, aber nachdenken auch.

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24.11.2021

Oh, oh, ganz übel.
Der deutsche Mann ist nicht gewalttätig, oder?

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24.11.2021

Sie dürfen schon fragen, aber ist das wirklich wichtig.
Leidet eine Frau weniger, wenn sie von einem deutschen Mann geschlagen wird?
Übrigens brauchen Sie nur die Statistik des Bundes Kriminal Amtes lesen.
2020 war ein Drittel der Täter aus einem fremden Kulturkreis.

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24.11.2021

Lässt sich relativ leicht beantworten:

https://www.migazin.de/2020/12/11/statistik-zwei-frauen-frauenhaeusern-migrantinnen/

>> Zwei von drei Frauen in Frauenhäusern sind Migrantinnen <<

Unter "Asien" wird üblicherweise Afghanistan versteckt; was mit den seit 2015 stark angestiegenen Zahlen korrespondiert.

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24.11.2021

Es wäre wirklich zu einfach, nun alles auf Corona zu schieben. Man muss sich schon fragen, was dies für eine Gesellschaft ist, die sich in diese Gewaltspirale hineinentwickelt. Statt ständig herumzuschwadronieren, was dies mit Corona zu tun hat (das nehmen Täter ja noch als Entschuldigung), wären Experten (nicht sog. Fachleute, die sich nur profilieren wollen) gefragt, die analysieren, woher diese Entwicklung kommt und die auch Lösungen anbieten, was dagegen getan werden kann. Es ist ja nicht nur Gewalt gegen Frauen, es sind überall Gewaltausbrüche zu sehen, auf Parkplätzen, im Supermarkt usw. Was macht eine Gesellschaft so krank, dass man sich nur noch mit Gewalt durchsetzen will? Was macht Menschen so aggressiv, dass sie sich um Parkplätze prügeln, dass das Ende einer Beziehung nur mit Gewalt zu quittieren ist, dass man um jede Position in einer Warteschlange zumindest verbal, aber auch mit den Fäusten kämpft?
Ist es Stress, Überforderung, Druck von allen Seiten? Trichtert man den Kindern vom Babyalter an ein, dass sie sich um jeden Preis durchsetzen müssen? Das Verhaltensmuster, sich notfalls mit Gewalt Gehör zu verschaffen, fängt ja schonsehr früh an und wird bereits in Kita und Schule sichtbar. Nicht erst seit dieser Pandemie. Sie hat vieles entlarvt, aber man kann nicht alles darauf schieben. Wie gesagt, man gibt den "Schlägern" damit noch ein Argument zu ihrer Entschuldigung. Es ist zu wenig, in der Berichterstattung nur den Finger auf diese Wunde zu legen, sie war schon vorher da, sie ist nur tiefer geworden.

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