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Kriminalität
17.08.2018

Perfider Handel mit Krebsmedikamenten

Ein Pharmaskandal verunsichert Patienten: Waren die Präparate überhaupt wirksam?

Der Skandal um gestohlene Krebsmedikamente aus Griechenland zieht immer weitere Kreise. Allein in Berlin und Brandenburg sind inzwischen mehr als 200 Patienten bekannt, die solche Präparate verschrieben bekamen. Unklar ist aber immer noch, ob diese Medikamente weniger wirksam waren.

Nach Berichten des staatlichen griechischen Rundfunks steckt ein krimineller Pharmahändler mit Verbindungen nach Ägypten, Griechenland und Deutschland dahinter. Zunächst importierte er Krebsmedikamente aus Ägypten nach Griechenland. Dem griechischen Zoll fiel auf, dass die Verpackungen halb leer waren. Ermittlungen der griechischen Polizei ergaben, dass die Schachteln in Griechenland mit Präparaten aufgefüllt wurden, die aus staatlichen Krankenhäusern gestohlen worden waren. Vor dem Auffüllen wurden die Medikamente unter anderem vorübergehend in Kühlschränken eines Fischhändlers und eines Blumenladens in Athen gelagert. Die vollen Packungen wurden in andere EU-Länder exportiert – unter anderem nach Deutschland.

Die Preisunterschiede für Medikamente in EU-Staaten sind erheblich. In Deutschland sind sie besonders teuer. Legal sind geregelte Re-Importe. Der Fall in Griechenland aber ist kriminell, weil Medikamente gestohlen wurden. Der Gewinn der Bande soll nach Angaben der griechischen Polizei bei rund 25 Millionen Euro liegen, der Deal sei seit 2013 gelaufen. Die griechische Polizei hat inzwischen 21 Menschen festgenommen, darunter Krankenschwestern, Apotheker und Ärzte.

Der brandenburgische Pharma-Großhändler Lunapharm soll nach bisherigen Erkenntnissen rund zwei Dutzend sehr teure Krebsmedikamente aus Griechenland an spezialisierte Apotheken in mehrere Bundesländer und nach Polen verkauft haben. Nach ersten Hinweisen 2016 durch polnische Behörden dauerte es aber bis Juli dieses Jahres, bis Medikamente zurückgerufen und die Betriebserlaubnis von Lunapharm widerrufen wurden. Da es um Medikamente geht, die in der Regel nicht auf Vorrat gekauft, sondern passgenau geliefert werden, dürften sie längst verbraucht sein.

Nach den bisherigen Erkenntnissen gab es bei den Medikamenten aus Griechenland keine Kühlketten-Vorschrift. Für rund die Hälfte der Präparate wurde aber eine grundsätzliche Lagerung zwischen zwei und acht Grad empfohlen. Ob das eingehalten wurde, ist unklar. Was heißt das für Patienten? In Berlin und Brandenburg sind 220 Patienten bekannt, die Medikamente aus Griechenland erhielten. Die Zahl kann nach Einschätzung der Behörden durch die laufenden Ermittlungen aber noch wachsen. Es ist weiter unklar, ob ihre Präparate weniger wirksam waren. Da sie bereits verbraucht sind, kann man sie nicht mehr testen. Pharmahändler müssen von jeder Lieferung aber Proben behalten. Vier Proben sind bereits getestet. Sie waren unbedenklich und hatten volle Wirksamkeit. (dpa)

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