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FDP

09.09.2019

Lindner gegen Kubicki: Der FDP-Männerbund bröckelt

FDP-Chef Christian Lindner (lins) und sein Vize Wolfgang Kubicki.
Bild: Britta Pedersen, dpa

Exklusiv Einst schworen sie sich, zusammenzuhalten. Doch die Wahlergebnisse belasten das Verhältnis des FDP-Chefs zu seinem Vize. Kubicki äußert sich zu Lindners Tweet.

Es geschieht am Tiefpunkt der FDP-Geschichte. Herbst 2013, die Liberalen sind gerade aus dem Bundestag geflogen. Christian Lindner und Wolfgang Kubicki treffen sich noch am Wahlabend in der Bar eines Berliner Hotels zu einem, oder vermutlich mehreren Gläsern Wein – und schließen einen Pakt unter Männern. Gemeinsam wollen sie die am Boden zerstörte FDP zurück ins Parlament führen. Obwohl der smarte Unternehmensberater-Typ Lindner und der machohafte Klare-Kante-Kubicki im wahren Leben wohl kaum Freunde geworden wären, hält das Duo fortan zusammen. Doch nach den ernüchternden FDP-Wahlergebnissen seit der Jamaika-Verweigerung scheint das Bündnis der beiden Mega-Egos zu bröckeln. Inzwischen tragen sie ihre langsame Entfremdung auch öffentlich aus.

Kubicki kritisiert, Lindner revanchiert sich via Twitter

Schon direkt nach den Landtagswahlen im Osten vor gut einer Woche stellt Kubicki die provokante Frage, wie es sein kann, dass die Liberalen plötzlich so viele ältere Wähler verlieren. Ein Angriff auf den hippen, modernen Herrn Lindner? Zumindest wird seither gemunkelt, dass der Parteichef und sein Vize nicht mehr ganz auf derselben Wellenlänge funken. Dann legt Kubicki noch einmal nach. „Der sehr juvenile Auftritt der Freien Demokraten hat die über 60-Jährigen verstört. Die Kampagnen, die wir fahren, sind sehr bunt, sehr knallig“, sagt er dem Sender RTL. „Wir reden von einem neuen Deutschland, von der digitalen Zukunft und gebrauchen sehr viele Anglizismen“ fügt der 67-Jährige hinzu und kündigt an, sich künftig verstärkt selbst um die Außendarstellung der Partei zu kümmern.

 

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Es dauert nicht lange, bis Lindner antwortet. Natürlich via Twitter, wie es sich im digitalen Zeitalter gehört. „Anders als Wolfgang Kubicki glaube ich nicht, dass bunte Farben Wähler von der FDP abhalten, sondern Inhalte. Bei Klima und Migration werden wir nicht als Alternative zu CDU, SPD und Grünen wahrgenommen – ändern wir das“, schreibt der 40-Jährige und fügt hinzu: „Gut ist, wenn Wolfgang wieder stärker mitmacht.“ Soll schließlich keiner auf die Idee kommen, es gäbe einen Dissens zwischen den FDP-Bossen. Wie auch immer: Die Zeiten, in denen sich beide öffentlich jedes kritische Wort über den anderen verkniffen hatten, sind vorbei.

Unsere Prognose: Fortsetzung folgt

Im Gespräch mit unserer Redaktion bemüht sich am Sonntag zwar auch Kubicki darum, die Sache nicht weiter anzuheizen. „Zwischen den Äußerungen von Christian Lindner und mir gibt es keinen Widerspruch. Klar ist, dass wir bei den vergangenen Wahlen die Wählergruppe ab 60 Jahren zu wenig für uns gewinnen konnten. Wir müssen uns fragen, warum das so ist“, sagt Kubicki. Schließlich sei das bei der Bundestagswahl noch nicht der Fall gewesen. Dass es durchaus unterschiedliche Ansichten darüber gibt, wie die enttäuschenden Wahlergebnisse – sowohl in Brandenburg, als auch in Sachsen schaffte es die FDP nicht in den Landtag – zu erklären sind, verhehlt der Parteivize aber nicht: „Dass es für dieses Phänomen keine monokausale Erklärung gibt, versteht sich von selbst.“

Unsere Prognose: Fortsetzung folgt.

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