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London
01.09.2021

Britischer Außenminister muss sich für Katastrophe in Afghanistan rechtfertigen

Afghanische Flüchtlinge, die aus Kabul evakuiert wurden, stellen sich nach ihrer Ankunft auf der Air Base Ramstein zur Abfertigung auf.
Foto: Ssgt. Emma James, dpa

Die britische Regierung will afghanische Flüchtlinge langfristig unterstützten. Doch außgerechnet eine eigentlich geglückte Aktion sorgt jetzt für Wirbel.

Der britische Außenminister Dominic Raab wirkt sichtlich angespannt, als er sich den kritischen Fragen von Tom Tugendhat, dem Vorsitzendem des Auswärtigen Ausschusses im Unterhaus, stellen muss. Immer wieder blickt er nach unten, blättert nervös in seinen Unterlagen. Der Vorwurf an Raab wiegt schwer: Er hätte die Katastrophe im August in Afghanistan erahnen können und deshalb deutlich früher evakuieren müssen.

In Großbritannien rechtfertigt sich der Außenminister mit Fakten

Raab rechtfertigt sich mit Fakten. Er habe zwischen März und August 40 Telefonate geführt, die mit der Lage in Afghanistan zu tun hatten, sagt er. Das entspräche einem Anruf alle vier Tage. Und: Man habe die Evakuierung seit Juni dieses Jahres geplant. Allerdings nicht alleine, sondern immer in engem Austausch mit den Nato-Partnern.

Für Wirbel sorgt in Großbritannien jedoch auch eine eigentlich geglückte Aktion. Es geht dabei um die Rettung von rund 150 Hunden und Katzen aus Kabul. Diese wurden am Wochenende aus Afghanistan nach London geflogen. Für ihre Rettung eingesetzt hatte sich der britische Marine-Veteran und Tierschützer Paul „Pen“ Farthing mit seiner Kampagne „OperationArc“.

Der britische Vize Außenminister James Cleverly widersprach dem Vorwurf, dass die Regierung das Wohl der Tiere über das von Menschen gestellt habe. Tatsächlich haben sich die Briten – im Unterschied zu den Mitgliedsländern der EU – recht schnell auf ein Kontingent für Menschen aus Afghanistan geeinigt. Die Regierung verkündete, zunächst bis zu 5000 Afghaninnen und Afghanen aufnehmen zu wollen. Langfristig könne die Zahl auf bis zu 20.000 Personen ausgeweitet werden.

Einige Afghanen sollen langfristig in Großbritannien bleiben dürfen

Jetzt wurde außerdem klar: Afghanen, die für die Briten gearbeitet haben, sollen langfristig in Großbritannien leben dürfen. Zunächst war nur von fünf Jahren die Rede gewesen. Damit verbunden sei auch finanzielle Unterstützung – unter anderem in den Bereichen Gesundheit und Bildung. Sky News berichtet, dass Großbritannien in den vergangenen zwei Wochen rund 8300 Menschen aus Afghanistan evakuiert habe, die darauf ein Anrecht hätten. 10.000 würden noch erwartet.

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