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G7-Eklat

11.06.2018

Merkel bei "Anne Will": Trump-Rückzug sei "deprimierend"

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach mit Anne Will über den G7-Gipfel, bei dem es zum Eklat gekommen war.
Bild: Rainer Jensen, dpa

Nach dem G7-Debakel war die Bundeskanzlerin zu Gast bei "Anne Will". Dort sprach sie von Ernüchterung und den Gefahren für Europa.

Der Rückzieher des US-Präsidenten Trump wenige Stunden nach seiner Zustimmung zur Abschlusserklärung des Weltwirtschaftsgipfels könnte die G7-Staaten in ihre bislang größte Krise stürzen. In der ARD-Sendung Anne Will sprach Merkel in Bezug auf Trumps Vorgehen von „Ernüchterung“, sein Rückzug per Twitter sei „ein Stück weit deprimierend“. Gleichzeitig forderte sie einen stärkeren Schulterschluss der EU-Mitglieder. In der Sprache der Kanzlerin heißt das: Die Beziehungen zu Trump sind miserabel.

Merkel spricht bei "Anne Will" über G7-Eklat

In dem Abschlusspapier hatten sich die G7-Vertreter unter anderem gegen die Benachteiligung ausländischer Anbieter auf dem Inlandsmarkt und für ein regelbasiertes Handelssystem ausgesprochen. Die Kanzlerin habe ihrer Erzählung nach mehrmals für einen Kompromiss geworben und gemeinsame Nenner gesucht. „Ich bin nicht der Meinung, dass wir uns über den Tisch ziehen lassen“, sagte die Kanzlerin über die Verhandlungen mit Trump.

Ihr gehe es darum, immer wieder Gemeinsamkeiten zu finden, die transatlantischen Beziehungen aufrecht zu erhalten und Win-Win-Situationen zu erarbeiten – trotz der beinahe bizarren Drohung des US-Präsidenten, den Handel mit anderen Staaten gleich ganz einzustellen. Für die deutsche Wirtschaft, die sich wie kaum ein anderes Land auf seine Exporte verlässt, wäre das Ende der Handelsbeziehungen mit den USA eine Katastrophe.

Merkel bei "Anne Will": Trump-Rückzug sei "deprimierend"

Merkel: "Europa muss sein Schicksal mehr in die Hand nehmen"

So unwahrscheinlich das erscheinen mag, desto realistischer ist eine weitere Eskalation des Streits um Strafzölle in den kommenden Wochen. Die Einfuhr deutscher Autos in die USA könnte mit Zöllen in Rekordhöhe belegt werden, laut der Kanzlerin arbeite man derzeit gegen dieses Szenario an. „Die Wirtschaft seines Landes stattet den US-Präsidenten mit großer Macht aus“, sagte Merkel bei Anne Will. Daher sei wichtig, dass Europa selbst wirtschaftlich stark und innovativ ist. Zwischen den USA, Russland und China drohe Europa „zerrieben“ zu werden.

Das zu verhindern, laste nicht nur auf den Schultern der Wirtschaft. Europa brauche eine gemeinsame Asylbehörde und gemeinsame Asylstandards, eine gemeinsame Grenzschutzpolizei und Entwicklungspolitik. „Dafür werde ich meine ganze Kraft einsetzen, weil Europa sonst wirklich gefährdet ist“, sagte Merkel. Europa müsse sein Schicksal mehr in die Hand nehmen und seine Werte selbst verfechten, sagte sie, auf die USA dürften sich Deutschland und Europa nicht mehr "etwas leichtfertig" verlassen.

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