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Merkel und Länderchefs haben zu lange an mündigen Bürger geglaubt

Kommentar Von Christian Grimm
13.12.2020

Der harte Lockdown kommt. Bund und Ländern ist die Corona-Pandemie entglitten. Dass unsere Freiheiten jetzt beschnitten werden, müssen wir uns selbst vorwerfen.

Nun also doch. Deutschland fährt herunter. Mehrere Wochen haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten zugesehen, wie ihnen die Corona-Pandemie entgleitet. Eigentlich war schon bei ihrer stundenlangen Sitzung Anfang Dezember klar, dass der sogenannte Lockdown light nicht reichen würde, um die Infektionszahlen zu senken. Fast flehentlich hatten Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer deshalb appelliert, die geplanten Lockerungen zwischen Weihnachten und Neujahr bloß nicht auszunutzen, die sie selbst gewährt hatten.

Eigentlich war ihnen seinerzeit auch schon bewusst, dass Kindergärten, Schulen und der Handel nicht offen bleiben können. Die Ansteckungszahlen sendeten eine klare Botschaft, denn sie blieben konstant hoch. Die Corona-Landkarte färbte sich überall in Deutschland dunkelrot. Und eigentlich wussten sie auch schon vor gut zwei Wochen, dass die verschiedenen Ausnahmen hier und dort an Akzeptanz kosten.

Corona-Pandemie: Im Alltag suchten zu viele das Schlupfloch

Zwar erklärt die große Mehrheit der Deutschen in Umfragen regelmäßig, dass sie die Zumutungen in der Pandemiebekämpfung mitträgt, doch im Alltag suchten zu viele eben doch das Schlupfloch oder ließen die Disziplin schleifen. Glühwein zum Mitnehmen ersetzte den Bummel über den Weihnachtsmarkt. Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei einer Pressekonferenz im Kanzleramt.
Bild: Odd Andersen/AFP/POOL/dpa

Nun muss Deutschland das Virus einfangen, das ihm davongeeilt ist. Gut zwei Wochen haben Bund- und Landesregierungen dabei verloren. Es war richtig, es im November zunächst mit leichteren Einschränkungen zu versuchen, um die zweite Welle zu brechen. Vor vier Wochen entschieden Bund und Länder, die Zügel etwas anzuziehen. Auch der Autor dieser Zeilen hatte geglaubt, dass das reichen würde. Doch weil eine eindeutige Botschaft fehlte, weil die Ansprache zwischen „eigentlich ungut, aber doch erlaubt“ schwankte, war der Ansatz schließlich zum Scheitern verurteilt.

Die Politik hat zu lange an den mündigen Bürger geglaubt

Jetzt wird Härte verordnet, weil es nicht mehr anders geht. Vorwerfen kann man den Mächtigen des Landes, dass sie zu lange an den mündigen Bürger geglaubt haben. Dass nun die Freiheit eines Jeden rigide beschnitten wird, müssen sich hierzulande Millionen selbst vorwerfen.

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15.12.2020

Wir haben es leider mit einem hochinfektiösen Virus zu tun, über dessen Gefährlichkeit sich lange Zeit auch die Viro- und Epidemiologen nicht bis ins letzte Detail einig waren.
Unter diesen Umständen von Politikern ein längerfristig gültiges einvernehmliches Konzept zu erwarten ist unrealistisch und würde hellseherische Fähigkeiten voraussetzen - über die nur Geistesgrößen wie Lindner, Weidel, v. Storch, Gauland und der oder die eine Kommentarschreiber/in hier im Forum verfügen.
Darüber hinaus bietet ja der föderalistische Aufbau der BRD den Vorteil einer flexiblen, angepassten Reaktion auf die örtlich sehr unterschiedliche Bedrohungslage. Siehe z. B. die Inzidenzwerte von Schleswig-Holstein und dem Super-Hotspot Sachsen.

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15.12.2020

Klar, jetzt ist der mündige Bürger selber schuld ...
... das von Beginn an zuwenig getestet wurde und deshalb zuviele Infizierte rumlaufen die gar nichts von ihrer Infektion wissen.
... das die Gesundheitsämter mit der Ausstattung aus Methusalems Zeiten die Kontaktverfolgung nicht geregelt kriegen.
... das die App nicht fuktioniert wie erhofft und auch nicht nachgebessert wird
Ein saublöder Kommentar Herr Grimm...

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14.12.2020

Logisch, wenn man 10 Monate lang ohne Konzept und Einigkeit die Zeit kaputt geredet hat, kann nur der unmündige Bürger der Schuldige sein.

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14.12.2020

Und ich glaube lange an den mündigen Politiker, so ungefähr bis vor 20 Jahren.

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14.12.2020

Der Kommentar von Herrn Grimm macht mich fassungslos und wütend. Er weist auf Millionen - wohl gemerkt nicht einige, sondern Millionen - die selbst an der Verschärfung schuld sein sollen. Er beschämt damit die Millionen an Menschen, die immer die Regeln eingehalten haben, die Millionen, die in den verschiedenen Branchen Geld und Aufwand in Hygienekonzepte gesteckt haben und trotzdem in der Existenz bedroht sind, die älteren Mitbürger und Pflegebedürftigen, die seit langer Zeit einsam sind und und und. Denen soll Herr Grimm am besten gegenübertreten und erklären, dass sie selbst schuld sind. Ja, es gibt Menschen, die aus vielfältigen Gründen die Regeln nicht eingehalten haben. Aber es ist die große Mehrheit, die achtsam war und ist. Und diese Mehrheit wird in diesem Kommentar in einer Art und Weise von Herrn Grimm abgewatscht, die mich - wie eingangs geschrieben - fassungslos und wütend zurück lässt.

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14.12.2020

Deutschland hat weltweit mit die höchsten Steuersätze.

Gleichzeitig sind wir auch Mitglied in Club derer, die die höchsten Lebenshaltungskosten haben.

Die Renten in Deutschland sind in

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14.12.2020

Im Vergleich zu den anderen EU Mitgliedern prozentual niedriger, während wir gleichzeitig viel länger arbeiten müssen bis zur Rente als in anderen EU Ländern.

Das einzige was uns vor einem Kollaps rettete, das war die schwarze Null und die Zinspolitik der EU, wodurch der Bund sich erhebliche Zinszahlungen auf die immensen Staatsschulden ersparte.

Bei einer weiteren Neuverschuldung fällt uns bzw. der kommenden Generation auf die Füße, spätestens wenn die Zinsen anziehen.

Wenn die BRD als Subventionierer der EU ins Wanken gerät, dann wird die EU und mit ihm der Euro stürzen.

Wir können uns mehr wirtschaftlichen Schaden und mehr Schulden gerade nicht leisten.

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14.12.2020

Egal, was "die Politik" macht, es wird immer einen geben, dem es nicht passt, vor allem, weil er selber zurückstecken muss. Dass das Vertrauen in den mündigen Bürger nicht funktioniert, sieht man beinahe täglich. Wenn jeder in seinem Bereich und nach seinen Möglichkeiten etwas zurückstecken , seinen Mitmenschen mit Abstand und Respekt begegnen, seine Feierlaune etwas einbremsen würde, Kinder nicht verrückt machen würde, nur weil sie einmal keinen ausladenden Geburtstag feiern können, dann wäre viel gewonnen. Aber nur motzen, die Schuld auf andere schieben, Risikogruppen wegsperren wollen, damit man seine eigenen Bedürfnisse ausleben kann, eine Krankheit leugnen, die täglich Menschen gefährdet – das ist schon ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, die immer den "mündigen Bürger" vor sich herschiebt. Dass viele darunter leiden müssen, dass wenige einfach nicht "mündig" sind, das ist schade. Nachdenken ist allen erlaubt, bleibt aber vielen erspart – ein alter Kalenderspruch, aber immer noch sehr zutreffend.

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14.12.2020

Try and error - die deutsche Politik. Bis jetzt im wesentlichen "error". Als ich heute morgen wieder die Ausnahmen gelesen habe ... es bleibt beim ERROR.

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14.12.2020

Das so viele Menschen sterben, ist direkt der Verweigerung der Bundeskanzlerin zu verdanken, die den besonderen Schutz von Risikopatienten vehement ausgeschlossen hat.

Merkel am 26.11 im Bundestag:
"Es sei "ethisch nicht vertretbar", 27 Millionen Menschen zu isolieren. Niemand solle so tun, als könne man eine solche Zahl an Menschen schützen, indem man sie aus dem öffentlichen Bereich fernhalte: "Das wird nicht gehen und ich halte das auch nicht für ethisch vertretbar."

und weiter

"Die Antwort auf das Ansteckungsrisiko dürfe nicht „Abschottung“ heißen."

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/merkel-sieht-abschottung-von-pflegeheimen-als-falschen-weg

Was bitte machen wir jetzt? Dieses Versäumnis und andere der Bevölkerung in die Schuhe zu schieben ist schäbig.

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14.12.2020

Die haben keinen einzigen Moment an den mündigen Bürger geglaubt.

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13.12.2020

Kommentar?????????????????????????????

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13.12.2020

Ein entsetzlicher Kommentar!
Wünschen sie sich eine Politik wie sie in der DDR oder etwas früher üblich war?

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13.12.2020

"Der Glaube an den mündigen Bürger", schön formuliert von ihrer Seite, jetzt wird der kleine Mann wieder zum Sündenbock gemacht, da werden wieder alle Bürger in einen Topf geworfen....und in der Suppe des Einheitsbreies gar gekocht. Das durch die Politik der Länder und des Bundes bei dem Verordnungs u. Weisungschaos, der mündige Bürger erstens den Überblick und auch die Lust am Durchhalten verliert versteht keiner. Ich bin hier in Donau-Ries im ländlichen Raum wohnhaft, und da halten sich sehr viele Leute sprich Bürger an die Anordnungen....Es war auch abzusehen, das es eine Fortsetzung der Pandemie nach dem Sommer gibt, und was nach meiner Meinung auch nicht berücksichtigt wird, ist das die Zahlen der Infektionen höher sind liegt auch daran das mehr getestet werden kann, als im Frühjahr bei der ersten Welle und so mehr Nachweise von Infektionen vorliegen. Die Zahl der Toten spricht in dem Fall der zweiten Welle eine klare Sprache, und der "mündige Bürger" weiß sehr wohl was...da gerade passiert. Es sollte aber kein Schuldiger ob in der Politik auf allen Ebenen, oder den Bürgern des Landes gesucht werden. Ziel aller muss es sein diese Pandemie in den Griff zu bekommen, damit alle wieder zu einem geregelten Alltag, und einem Leben mit allen Freiheiten wo wir in der BRD kennen und genießen zurückkehren zu können.

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13.12.2020

Stimme Ihnen weitgehend zu, kann den Regierenden jedoch einen Vorwurf nicht ersparen: Die Naivität, zu glauben, dass mit Appellen an Vernunft und Einsicht der Bürger die Pandemie in Schach zu halten ist, hat sich einmal mehr als grob fahrlässig erwiesen. Klare Ansagen, scharfe Kontrollen und deftige Strafen bei Verstößen, statt bitten und betteln. Darüber hinaus wurde den Umtrieben von Querdenkern, AfD-Funktionären und -Anhängern, Reichsbürgern, rechtsradikalen Trittbrettfahrern und dgl. viel zu lange tatenlos zugesehen, ihren verqueren Lügengeschichten zu große mediale Aufmerksamkeit zuteil. Wer sich an die AHA-Regel hielt, brav der Maskenpflicht nachkam, fühlte sich mit der Zeit vergackeiert.
Der Vernunft und verantwortungsvollem Verhalten den Mitmenschen gegenüber muß offenbar bei so 15-20% der Bürger deutlich auf die Sprünge geholfen werden. Dass Appelle allein ohne Überwachung und Strafbewehrung nichts bringen sollte unseren Politikern eigentlich bewusst sein. Die irre Raserei auf deutschen Autobahnen wird auch vom Fond ihrer Dienstlimousinen aus nicht ganz zu übersehen sein . . .


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13.12.2020

Immer schön die Schuld auf andere schieben. So geht Politik.

Die Politik hat über ein halbes Jahr verpennt sich auf die Situation vorzubereiten. Man würdigt sich lieber gegenseitig.

Ich habe auch Zweifel, dass wirklich ganz offen mit der Bevölkerung kommuniziert wurde und wird.

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13.12.2020

So ist die Realität. Hätte man die Bürger von Anfang an richtig aufgeklärt und nicht wie kleine Kinder mit Verboten behandelt und ebenso viele Unsinnige und unverständliche Entscheidungen getroffen, wäre auch der mündige Bürger bereit gewesen, sich an die Regeln zu halten. Z.B. gibt es nach wie vor in den offenen Supermärkten kein klares Hygienekonzept. Gerade dort werden die meisten Viren übertragen. Keine Temp.Kontrolle, Händedesinfektion oder auch nur die Reingung der Einkaufswagengriffe, welche nachweislich seit Jahren die Viren und Bakterienschleudern sind. Gerade dort bewegen sich die meisten Menschen pro Tag.

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13.12.2020

Der Lebensmittelhandel wird systemrelevant behandelt dort stecken sich statistisch mehr Menschen an wie im Textil- oder Möbelladen. Kontakte vermeiden ist das Schlagwort. Aber man fischt im Trüben. Totalversagen einer politischen Ebene die ohne Information Steuergelder verschleudert. Die Menschen, die sich infiziert haben können doch sagen wo sie sich die letzten Tage aufgehalten haben. Die Hoffnung treibt die Politik der Einschränkungen, aber nicht das Wissen ist der Faktor.

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