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Corona-Mutation

15.01.2021

Mutiertes Coronavirus: Warum Merkel aufs Tempo drückt

Aus Sorge vor dem mutierten Corona-Virus: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will soziale Kontakte und Bewegungsfreiheit am Dienstag noch stärker beschneiden.
Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

Politik und Experten warnen vor der Verbreitung mutierter Corona-Varianten. Mit welchen Verschärfungen der Corona-Regeln ab der kommenden Woche zu rechnen ist.

Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten debattieren hinter den Kulissen über eine weitere Verschärfung des Lockdowns. Das hat zwei wesentliche Gründe: Erstens gehen die Infektionszahlen nicht so stark zurück wie erhofft. Vor allem aber soll die Ausbreitung der hochansteckenden Mutationen des Coronavirus möglichst früh gebremst werden. Mehr Menschen im Homeoffice und weniger in Bussen und Straßenbahnen könnten dabei helfen. Merkel und die Regierungschefs der Länder haben ihre Runde auf Dienstag vorgezogen, um über strengere Regeln zu entscheiden.

Der Blick nach Großbritannien und Irland hat die Kanzlerin alarmiert. Dort wütet der mutierte Erreger mit bisher ungekannter Wucht. In London sei das Virus außer Kontrolle, sagt der Bürgermeister. Rettungswagen warten teilweise Stunden vor den Kliniken, bevor die Patienten dort aufgenommen werden. Irland galt noch im Herbst wegen seiner strengen Maßnahmen als Musterschüler bei der Eindämmung der Seuche. Binnen fünf Wochen hat sich die Lage dort allerdings komplett gedreht. Das Land weist nun mit die höchsten Ansteckungszahlen weltweit auf.

Hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass mutiertes Virus auch in Deutschland zuschlägt

Die Mutation hat nach Einschätzung von Experten dazu geführt, dass die Viren zwischen 50 und 70 Prozent ansteckender sind als bisher. Sollten sie sich in Deutschland ähnlich durchsetzen, würde auch der Impfstoff wenig bringen. Denn das Virus wäre wohl schneller als alle Impfzentren zusammen. Merkel will deshalb erreichen, dass Deutschland vor die Welle kommt, wenn der England-Erreger zuschlägt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich auch hierzulande ähnlich rasend verbreitet, wird im Kanzleramt auf mehr als 50 Prozent geschätzt. Deshalb will die CDU-Politikerin so schnell wie möglich handeln und die Kontakte und die Mobilität der Deutschen noch weiter reduzieren.

 

Spekulationen über die Einschränkung oder sogar den kompletten Stopp des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) schlugen am Freitag hohe Wellen. Die CDU dementierte zwar entsprechende Medienberichte, die Verunsicherung aber blieb. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger schloss eine Einstellung des Öffentlichen Verkehrs von Bus und Bahn zur Pandemiebekämpfung aus. „Wer den ÖPNV lahmlegt, verursacht in den Städten Chaos“, sagte der Freie-Wähler-Chef unserer Redaktion.

Stände- und Gemeindebund gegen Lahmlegen des öffentlichen Nahverkehrs

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt. „Die Einstellung des ÖPNV würde gerade die in der Pandemie wichtigen systemrelevanten Berufe wie Polizisten, Müllwerker, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ordnungsämter und Altenpflegekräfte sowie das medizinische Personal insgesamt in der Erreichbarkeit ihrer Arbeitsstätte nachhaltig beeinträchtigen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg unserer Redaktion und fügte hinzu: „Das kann niemand wirklich wollen.“ Wahrscheinlicher als ein Stopp des ÖPNV ist eine Begrenzung der Fahrgäste ähnlich wie bei den Kunden im Handel.

Kommt doch noch das Recht auf Homeoffice? Vor der Runde am Dienstag mit Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten wird die Einführung des Anspruchs intensiv diskutiert
Foto: Jens Kalaene, dpa

Als ziemlich sicher gilt in Berliner Politikkreisen, dass alle Länder dem Beispiel Bayerns folgen und beim Einkaufen oder in Bussen und Bahnen das Tragen von FFP2-Masken vorschreiben werden. Diese bieten einen höheren Schutz als ein Mundschutz aus Stoff. In Bayern gilt die Pflicht ab Montag. Die Arbeitgeber müssen damit rechnen, dass der Staat einen Rechtsanspruch auf Homeoffice einführt, damit weniger Menschen in die Büros fahren. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte mit Gewerkschaftsbund und Arbeitgeberverband an die Firmen, die Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu lassen.

Unterstützung bekommt Merkel aus Sachsen, dass derzeit besonders hart von der Pandemie betroffen ist. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach sich dafür aus, Kontaktbeschränkungen für zwei bis drei Wochen drastisch zu verschärfen. Der bisherige „softe Lockdown“ mit offenen Schulen, Kindergärten, mit offenen Einkaufsmöglichkeiten bringe nichts. „Deswegen: Hart und konsequent“, verlangte Kretschmer.

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16.01.2021

Seit Wochen höre und lese ich „die Welle muss gebrochen werden, deswegen verschärfen wir und dann wird es besser“. Dieses Argument zieht spätestens nach dem dritten Mal, ohne dass es besser wird, nicht mehr. Ganz im Gegenteil, es erzeugt, ggf. wider besseren Wissens, Widerstand. Das ist total unvernünftig, aber menschlich. Und dieser wesentliche Faktor wird total unterschätzt. Was haben wir alles gehört: Weihnachten fliegt uns um die Ohren, die Silvesterexplosion kommt etc. - es ist nicht passiert. Die allermeisten Menschen sind vernünftig und halten von sich aus Abstand, reduzieren die Kontakte etc. Und die Unvernünftigen bekommt man auch nicht mit weiterer Härte in den Griff. Aber: die Vernünftigen werden oder sind mit einer Politik, die sich alle paar Tage und ohne die selbst propagierte Beobachtungszeit abzuwarten, selbst überholt, schon sauer gefahren, was sehr kritisch ist. Eines ist verlässlich in diesen düsteren Tagen: dass man sich auf das, was die Politik sagt, nicht verlassen kann. Das macht mir am allermeisten Zukunftsangst.

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16.01.2021

Zuerst zur Überschrift: Daß Viren mutieren können ist eigentlich schon länger bekannt. Auch Monate ist schon bekannt, daß Corona mutiert. Jetzt kommt plötzlich Hektik auf. Leider bröckelt die Front derer, die die Corona-Politik kritisch verfolgen viel zu langsam. Das Heer der Ahnungslosen und Mitläufer (hat ja eine gewisse Tradition) ist noch viel zu groß. Für mich war spätestens Anfang November erkennbar - das wird nix. Hätte man z.B. Mitte Nov. einen wirklichen Lockdown durchgeführt und "Heilige Kühe" wie Kitas, Schulen, ÖPNV usw. eingeschlossen - wir würden einen der letzten Inzidenzplätze auf unserem Globus einnehmen. Bei fast 0 Kontakten bräuchten wir auch keine Vermummungsglorifizierung die mit FFP2 gerade ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

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16.01.2021

Sorry.

Aber die Schulen und Kitas sind nun bereits seit Mitte Dezember zu.

Was hat es gebracht?
Nichts.

Schulen und Kitas sind NICHT die Pandemietreiber.

Und was den ÖPNV angeht.
Wenn sie, wie viele Bürger auf eben diesen angewiesen sind, dann würde eine solche Forderung gar nicht erst aufkommen.

Und auch hier gilt.
Dieser zählt ebenfalls nicht zu den Pandemietreibern.

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15.01.2021

Jetzt drehen die Damen und Herren der Regierung komplett ab.

So langsam komme ich mir vor, dass wird wahrscheinlich "Mutti Angela" nicht gerne hören, wie zu Zeiten der DDR.

Die Oberen sitzen in ihrem "abgeschirmten Areal" (Wandlitz) und haben keine Ahnung davon wie es in der "realen" Welt zu geht.

Wenn ich mir die Liste der möglichen Verschärfungen so durchlese, kann ich nur zu dieser, oben geschriebenen Meinung kommen.
Da regt sich der Herr Kretschmer, dann man immer noch Einkaufen gehen darf.
Wo lebt denn dieser Herr?

So langsam verliere ich selbst die Geduld. Einschränkungen verkünden, ein paar Tage warten (max 5),um dann zu sagen, es wird nicht besser, also müssen wir verschärfen.

Zu Anfangszeiten hat man immer davon gesprochen, so auch Anfang Dezember, dass man mind. 10 - 14 Tage warten müsse, bis man feststellenkann, ob die beschlossenen Maßnahmen Wirkung zeigen oder nicht.
Aber selbst diese Zeit ist man nicht mehr gewillt zu warten.
Für mich ein Frechheit.

Ich habe echt keine Lust mehr, all deise Maßnahmen zu befolgen.

Für mich ist das alle nur ein blindes Gestochere im Nebel. Getreu dem Motto. "Ich habe keinen Plan (meh), also verschärfe ich"

Ich bin bei weitem kein Gegner der Maßnahmen und auch kein Leuger der Pandemie, ja selbt in meiner Famile sind wir von einem Todesfall betroffen, dennoch.

Irgendwann muss auch mal Schluss sein.

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15.01.2021

Ganz meine Meinung. sollen doch bitteschön die 99,95 % der Deutschen, die es bisher überlebt haben auch leben dürfen und nicht starr vor Angst auf die nächste Hiobsbotschaft der Regierung in ihren eigenen vier Wänden warten müssen.

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15.01.2021

Ich unterschreibe das vollkommen. Es fehlt -noch- die Mehrheit in der Bevölkerung die Ihrer Meinung ist. Wir haben eine Kommunistin ( den Namen nenne ich nicht) an vorderer politischen Position. Ich bin mir nicht sicher ob wir reguläre Bundestagswahlen in diesem Jahr bekommen.

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15.01.2021

Sie haben 100% recht. Das ist nur noch Flickschusterei und nur deshalb notwendig, weil Mutti Merkel aus dem Impfstoff ein Europadesaster macht statt ihn einfach nur rechtzeitig zu bestellen. Jetzt impft Bahrain und wir machen Lockdown und Rechtsanspruch auf Homeoffice. Irgendwann zahlen wir die Rechnung für unsere Politdilettanten und die wird nicht niedrig ausfallen.

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16.01.2021

ALFRED W.

"Wir haben eine Kommunistin ( den Namen nenne ich nicht) an vorderer politischen Position."

Und in Bayern einen MP, der mit der "Kommunistin" kuschelnd auf Herrenchiemsee herumkutschiert. Das bei glänzenden Umfragewerten (für beide) in Bund und Land . . .


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16.01.2021

Minus zwanzig Prozent bei den Infizierten von KW1 zu KW2 (siehe im Artikel). Aber behaupten es wird alles schlimmer.



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16.01.2021

>>Ich bin bei weitem kein Gegner der Maßnahmen und auch kein Leuger der Pandemie,......<<

und dann:

>>Ich habe echt keine Lust mehr, all deise Maßnahmen zu befolgen.<<

In dem Fall würde ich halt mal meine Füße endlich still halten.

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16.01.2021

ALFRED W

>>Es fehlt -noch- die Mehrheit in der Bevölkerung die Ihrer Meinung ist.<<

Das wird wohl nichts weil die Mehrheit der Bevölkerung einfach schlauer ist.

>>Wir haben eine Kommunistin ( den Namen nenne ich nicht) an vorderer politischen Position.<<

Jeder darf bei uns seiner Fantasie freien Lauf lassen, auch sie lieber Alfred W.
Deswegen braucht man nicht zu feige sein den Namen zu nennen.

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