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Rücktritt AKK und Altmaier: Warum an der feinen Geste Restzweifel bleiben

Kommentar Von Bernhard Junginger
10.10.2021

Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier haben ihren Rücktritt angekündigt. Die Begründung: Sie machen Platz für die Jugend. Doch hinter der feinen Geste stecken auch andere Gründe.

Es gibt Leute, die sitzen über mehrere Stationen bequem im Bus und merken scheinbar gar nicht, dass die Seniorin neben ihnen auf dem Stehplatz im Gang sich kaum mehr an die Halteschlaufe klammern kann. Plötzlich springen sie dann auf und bieten der Oma mit großer Geste ihren Sitz an. Die anerkennenden Blicke, mit denen die Mitpassagiere die noble Geste quittieren, nehmen sie gerne mit. Dass sie an der nächsten Haltestelle sowieso raus müssen, weiß ja niemand.

Rücktritt von Kramp-Karrenbauer und Altmaier: Nur eine feine Geste?

Wenn mit Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier nun zwei CDU-Minister auf ihr Bundestagsmandat verzichten, ist das so ähnlich, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Sie begründen ihren faktischen Rückzug aus der Bundespolitik damit, für jüngere Abgeordnete den Weg freizumachen. Doch der großmütige Platzverzicht für den Nachwuchs erfolgte nicht zu Beginn der Fahrt, sprich bei der Vergabe der Direktkandidaturen und der Listenplätze.

Foto: Tom Weller/dpa

Und auch nicht gleich nachdem das desaströse Wahlergebnis, durch das etliche jüngere CDU-Abgeordnete aus dem Parlament fielen, feststand. Das saarländische Duo hört zu genau dem Zeitpunkt auf, an dem endgültig klar ist, dass es die kommenden Jahre nicht auf bequemen Kabinettssesseln, sondern höchstwahrscheinlich auf der harten Oppositionsbank verbringen würde.

Hätten sich AKK und Altamaier auch  von gewichtigen Posten zurückgezogen?

Für den immer unwahrscheinlicheren Fall, dass es doch noch eine Regierung unter CDU-Beteiligung gibt, hätte allenfalls AKK noch Restchancen auf einen Ministerposten gehabt. Kramp-Karrenbauer aber, die ja einst als Merkel-Nachfolgerin aufgebaut wurde, hat den Niedergang ihrer Partei durch das eigene, glücklose Agieren an deren Spitze mitverschuldet.

Ebenso wie Altmaier, der letzte Merkel-Vertraute im Kabinett, wird sie in der völlig ermüdeten CDU eher als Teil des Problems denn als Teil der Lösung empfunden. Recht haben beide indes mit der Einschätzung, dass ihre Partei einer Erneuerung bedarf, zu der auch eine Verjüngung gehört. Ob der Rückzug zugunsten der Jugend allerdings auch erfolgt wäre, wenn weiter gewichtige Rollen in Kabinett oder Partei drin gewesen wären, darf bezweifelt werden.

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11.10.2021

Warum den Rückzug kritisch hinterfragen ? Nach Vorliegen der endgültigen Ergebnisse und dem sich verstärkenden Chaos in CDU/CSU ist der Rückzug der beiden verständlich. Was sollen sie denn noch im Bundestag als Hinterbänkler ohne Zukunftsaussichten, da ja der Jamaica Plan praktisch gestorben ist. Vielleicht haben sie auch eine Verwendung ausserhalb der Politik schon im Blick; was soll daran verwerflich sein. Schröder, Merz und Koch haben es ja vorgemacht. Man muss schon feststellen, dass AKK jedenfalls einen besseren Job im BMVg gemacht hat als Frau v.d.Leyen.

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10.10.2021

Diese beiden Abgänge sind sicher kein Verlust in der Politik, eher ein Gewinn, sowohl AKK als Altmeier haben sich sehr schwere Fehler erlaubt. Aber deren Nichtstun (wenn es so kommt) ist ja bestens abgesichert.

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10.10.2021

Außer Spesen nichts gewesen. Kein Problem, wenn einige "Festangestellte" das sinkende Schiff vorzeitig entlassen, um sich nach einer Dotierung umzusehen, bevor sie nichts mehr zu sagen haben.
Waren schon die Ministerposten in der Vergangenheit nicht erstklassig besetzt, bleibt abzuwarten, was danach kommt, denn es gilt ein altes Sprichwort: "Wie der Herr so das Gescherr"....aber auch manche Frau nimmt es nicht so genau.

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10.10.2021

Es könnte aber auch sein, dass sowohl Altmaier als auch AKK bereits attraktive Posten außerhalb des Parlaments in Aussicht
gestellt wurden. Warum sollten sie da die nächsten vier Jahre auf den vermutlich harten Oppositionssitzen im Bundestag
verbringen?!

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10.10.2021

Selbst wenn sie keine lukrativen Posten hätten - mit ihren Ruhestandsbezügen werden sie bestimmt kein HartzIV-Fall.

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10.10.2021

Herr Junginger, der mit dem Bus ist gut.
Was die Ministerposten allerdings angeht, muss man nicht Abgeordneter des Bundestages sein.
Auch kann man in Baden-Württemberg stv. Ministerpräsident werden, selbst wenn man den Einzug in den Landtag verpasst hat.
Was aber hilfreich sein kann, habe ich gestern schon geschrieben.

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10.10.2021

Auch wieder ein Journalist , der in die Köpfe von Menschen schauen kann.

Chaupeau !

Das ist seit dem Großen Houdini niemand mehr gelungen !
Bravo also !

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