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Nach Ibiza-Affäre
27.02.2020

Strache kehrt nach Ibiza-Affäre auf die politische Bühne zurück

Heinz-Christian Strache will Bürgermeister in Wien werden.
Foto: dpa

Wie Österreichs Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache mit seiner neuen Bewegung DAÖ die Rechtspopulisten in Österreich spaltet.

Die „Prater Alm“ in Wien nennt sich selbst die „ tiefstgelegene Alm“ der Welt. Am Aschermittwoch hat der ehemalige österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache seine Fans in das rustikale Hüttenambiente geladen. 20 Euro Eintritt für Kasnockerl oder Heringsschmaus, zwei Getränke , Schlagermusik – und die Gelegenheit, die Rückkehr des langjährigen FPÖ-Chefs auf die politische Bühne zu beobachten.

Zum Mikrofon humpelt Strache wegen einer Knieverletzung auf Krücken. Doch selbst im Sitzen reißt er seine Fans von den Stühlen. Gekommen sind die treuesten Anhänger der Rechtspopulisten in Österreich – Dirndl, Lederhosen, HC-Schals inklusive. Sie verzeihen Strache offenbar alles. Von der Ibiza-Affäre will an diesem Abend jedenfalls niemand etwas hören. Seine Anhänger sehen in Strache nur einen Sündenbock. Schon einmal gab es solche Verschwörungstheorien. Damals war FPÖ-Ikone Jörg Haider das vermeintliche Opfer. Auf seinen einstigen Mentor und späteren erbitterten Rivalen spielt Strache dann auch prompt an. Haider würde noch immer Politik machen, wäre er nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen. „Aber ich lebe“, ruft Strache voller Entschlossenheit. Im Oktober will er bei der Kommunalwahl in Wien gegen Bürgermeister Michael Ludwig antreten.

Auch nach der Ibiza-Affäre will "HC" Strache nochmal von vorn anfangen

„Es lohnt sich, noch einmal ganz von vorne anzufangen“, sagt "HC" Strache trotzig. Das Publikum ist begeistert. „Ich und wir sind das Original der Freiheitlichen“, stellt er klar. „Wir“ – das ist „Die Allianz für Österreich “ (DAÖ), die gerade Unterschriften sammelt, um bei der Wien-Wahl überhaupt antreten zu dürfen. In Kürze soll sie dann einen neuen Namen bekommen: „Liste Strache “, heißt es. Auch das gab es schon einmal. Nach einem Streit mit der FPÖ-Spitze hatten Haider und einige Mitstreiter einst das „ Bündnis Zukunft Österreich “ (BZÖ) als zweite rechtspopulistische Partei gegründet. Nun wiederholt sich die Geschichte. Die FPÖ steht vor der Zerreißprobe, seit Strache aus der Partei ausgeschlossen wurde, weil er sich im Ibiza-Skandal korruptionsbereit gezeigt hatte und außerdem wegen möglicherweise illegal abgerechneter Spesen ins Kreuzfeuer geraten war.

Heinz Christian Strache hatte seine politische Karriere zwischenzeitlich für beendet erklärt.
Foto: Ronald Zak, dpa


In der „Prater Alm“ ist es, als habe es das entlarvende Ibiza-Video nie gegeben, in dem Strache einer vermeintlichen russischen Oligarchin Staatsaufträge als Gegenleistung für Wahlkampfhilfe angeboten hatte. Nur zweimal platziert er eine kleine Randbemerkung darüber, dass auch er Fehler gemacht habe und dazulernen könne, betont aber zugleich: „Ich habe ein reines Gewissen, ich sehe dem gelassen entgegen.“ Solange keine Verurteilung vorliegt, präsentiert er sich mit Hingabe als Verleumdungsopfer. „Das könnte jedem von Ihnen auch passieren“, raunt er seinen Fans zu.

Straches Wahlversprechen sind noch immer die alten

Mit einem zweistelligen Ergebnis rechnet Strache im Oktober für seine neue „Bürgerbewegung“. 2015 hatte er – noch als FPÖ-Kandidat – in Wien mehr als 30 Prozent geholt. Seine Wahlversprechen sind die alten geblieben: Strache plädiert „für soziale Fairness und Gerechtigkeit“. Es gehe „um unsere Kultur und Identität“. Er kritisiert Nichtrauchergesetze, „muslimische Parallelwelten“, Versuche, Autos aus der Stadt zu drängen, und Geschwindigkeitsbegrenzungen. „Ich werde alles dazu beitragen, dass wir beim nächsten Mal nur die Hälfte der Grünen im Rathaus sitzen haben“, dröhnt er. So etwas kommt bei seinen Leuten immer gut an.

Seinen früheren Mitstreiter und heutigen Rivalen, FPÖ-Chef Norbert Hofer , der zeitgleich am traditionellen Ort des Politischen Aschermittwochs in Ried im Innkreis seine Rede hält, streift Strache nur. Hofer dagegen gibt zu, die letzten Monate seien die schlimmsten seines Lebens gewesen. Denn sein Problem heißt nicht nur Strache. Auch intern steht er unter Druck durch den Rechtsaußen und früheren Innenminister Herbert Kickl.

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