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US-Wahl 2020

08.10.2020

Nach Vizepräsidenten-Debatte: Trump lehnt virtuelles Duell ab

Kamala Harris und Mike Pence bestreiten ihr TV-Duell mit 3,7 Metern Distanz.
Bild: Julio Cortez, AP/dpa

Normalerweise spielt das TV-Duell der Vizepräsidentschafts-Kandidaten kaum eine Rolle. Doch diesmal blickten die US-Wähler gebannt auf die Debatte – und werden überrascht.

Die Stimme klang etwas matt, aber die Botschaft war so konfrontativ wie eh. „Nein, ich werde nicht an einer virtuellen Debatte teilnehmen“, verkündete Donald Trump. Auf Nachfrage wiederholte er die Absage: „Das ist lächerlich. Da sitzt du hinter einem Computer, und dann schneiden sie dir den Ton ab. Nein, das tue ich nicht.“

Kaum acht Stunden zuvor hatte Vizepräsident Mike Pence bei einer vergleichsweise ruhigen Debatte mit  seiner Herausforderin Kamala Harris den Eindruck erweckt, es gebe eine zivilisiertere Variante der Trumpschen Politik. Da zeigte der an Covid-19 erkrankte Präsident überdeutlich, wer tatsächlich das Sagen hat. Die unabhängige Kommission für Präsidentschaftsdebatten hatte gerade bekannt gegeben, dass das nächste TV-Duell zwischen dem Amtsinhaber und dem Kontrahenten Joe Biden aus gesundheitlichen Gründen virtuell stattfinden solle, als er bei seinem Lieblingssender Fox anrief. „Ich fühle mich perfekt. Ich werde wieder Kundgebungen machen. Ich glaube nicht, dass ich ansteckend bin“, tönte Trump.

Mike Pence im US-Wahlkampf: Er gibt den erfahrenen Staatsmann

Der angekündigte Boykott der für den nächsten Donnerstag geplanten Debatte verstärkt nicht nur das Bild eines undisziplinierten Politikers, der beim ersten TV-Duell keinerlei Regeln akzeptiert hatte und Biden permanent ins Wort gefallen war. Er illustriert vor allem den gleichgültig-laxen Umgang des Weißen Hauses mit der Pandemie, der auch Thema der Vizepräsidenten-Debatte gewesen war. „Das amerikanische Volk ist Zeuge des größten Versagens einer Regierung in der Geschichte unseres Landes geworden“, hatte Harris da zu einer bitteren Abrechnung ausgeholt. Anders als Trump redete Pence das Risiko zwar nicht klein, behauptete aber, die Regierung habe optimal reagiert. Und dann zeigte er zumindest für die Kameras jene Empathie, die seinem Chef grundsätzlich fehlt: „Es gibt nicht einen Tag, an dem ich nicht an die Menschen denke, die ihr Leben verloren haben“, versicherte er.

Nach dem Willen der Demokraten soll die Präsidentschaftswahl am 3. November vor allem ein Referendum über Trumps Corona-Politik sein, die angesichts von 210.000 Toten in Amerika und der Verwandlung des Weißen Hauses in einen regelrechten Hotspot mit mehr als 30 Infektionen höchst angreifbar ist. Zwei eher symbolische Plexiglas-Scheiben zwischen den Pulten der beiden Diskutanten erinnerten an die realen Gefahren selbst bei einer solchen Fernsehsendung. Harris zählte die Versäumnisse der Trump-Regierung auf, enthielt sich aber schärferer persönlicher Attacken auf Pence, der die Corona-Taskforce des Weißen Hauses leitet.

Kamala Harris, Vize-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten.
Bild: Julio Cortez, AP/dpa

Ganz offensichtlich wollte die 55-Jährige vor allem den Vorsprung, den Biden in den Umfragen derzeit genießt, halten und nicht von Trump ablenken. Eher zurückhaltend spielte sie ihre Rolle als erste schwarze Frau in dieser Rolle aus. „Menschen im ganzen Land jeder Ethnie, jedes Alters, jedes Geschlechts“ gingen gegen Polizeigewalt auf die Straße, betonte die Tochter einer indischen Mutter und eines jamaikanischen Vaters den Unterschied zu Trumps Amerika der weißen Männer. Pence’ wiederholte Versuche, ihr ins Wort zu fallen, konterte die einstige Staatsanwältin kühl: „Herr Vizepräsident, ich rede gerade.“ Allerdings verpasste sie an anderen Stellen die Möglichkeit, ihrer Botschaft Nachdruck zu verleihen.

Pence verteidigt immer wieder Trumps Äußerungen

Die Republikaner hingegen setzen im Wahlkampf ganz auf das Thema Wirtschaft. Pence malte in düstersten Farben die Wirkung einer angeblich drohenden massiven Steuererhöhung durch die Demokraten aus. Er verteidigte Trumps Aktionen: Der Präsident sei ein Geschäftsmann und habe tausende Arbeitsplätze geschaffen, erklärte er dessen eigene Steuervermeidung. Die Berichte zu despektierlichen Auslassungen über gefallene Soldaten wischte er als „absurd“ beiseite und leugnete rundweg Trumps Sympathiebekundungen für Rassisten und rechtsextreme Milizen: „Trump hat jüdische Enkelkinder.“

Trotz aller Kontroversen blieb die Debatte fair. „Am auffälligsten war einfach (...), wie normal sich das anfühlte. Es fühlte sich an wie eine normale traditionelle Debatte, trotz der sehr ungewöhnlichen Umstände“, sagte die Reporterin von ABC News, Mary Bruce, im Anschluss.

Mike Pence, Vizepräsident der USA.
Bild: Julio Cortez, AP/dpa

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