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26.08.2012

Neil Armstrong: Der stille Held der Raumfahrt

Neil Alden Armstrong scheute zunehmend die Öffentlichkeit.
Bild: dpa

Neil Armstrong mied die Öffentlichkeit, wo er konnte. Seine Landung auf dem Mond war viel schwieriger als der Geschichte gewordene erste Schritt auf den Boden des Erdtrabanten.

Angeblich war ihm der Satz – „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit“ – erst unterwegs eingefallen. Als der US-Astronaut Neil Armstrong im Juli 1969 als erster Mensch den Mond betrat, schrieb er Geschichte. Eine halbe Milliarde Menschen verfolgte auf der Erde das haarsträubende Landemanöver und die ersten unbeholfenen Schritte, die Kommandant Armstrong und sein Kollege Edwin („Buzz“) Aldrin unternahmen. „Es war besonders und einprägsam“, sollte der Weltraumpionier 2012 in einem seiner wenigen Interviews mit dem australischen Fernsehen sagen, „aber es war nur für einen Moment, weil wir arbeiten mussten.“

Im Wettlauf mit den Sowjets einen Schritt voraus

Zwölf Jahre zuvor hatten die Russen die USA mit dem erfolgreichen Start ihres Satelliten Sputnik schockiert. 1961 war Yuri Gagarin der erste bemannte Flug ins All gelungen, wieder waren die Sowjets die Ersten gewesen. Noch im selben Jahr hatte US-Präsident John F. Kennedy es zur nationalen Aufgabe erhoben, bis Ende der Sechziger einen Amerikaner zum Mond und zurück zu bringen. Es war eine tollkühne Aufgabe in einem ehrgeizigen Zeitplan.

Bis heute werden die ersten Mondbesucher vor allem mit Armstrongs Satz und Aldrins Fußabdruck in Verbindung gebracht, von dem eine Nahaufnahme um die Welt ging. Den Aufenthalt auf dem fremden Himmelskörper selbst aber hatten die Astronauten im Vorfeld als sicher eingeschätzt. Auch der Flug der Apollo 11 von der Erde zum Mond war nicht die größte Herausforderung. Der schwierigste und gefährlichste Teil der Reise war die Landung.

Neil Armstrong: Der stille Held der Raumfahrt
epa03369943 (FILE) A file handout photo dated 20 July 1969 provided by NASA shows Apollo 11 astronaut Neil Armstrong inside the lunar module after his historic walk on the surface of the moon. Neil Armstrong, the 1st man on the moon, has died at age 82 . EPA/NASA / HO EDITORIAL USE ONLY *** Local Caption *** 00000401797783 +++(c) dpa - Bildfunk+++
14 Bilder
Neil Armstrong - der erste Mann auf dem Mond
Bild: Nasa

Es dauerte lang, länger als geplant. Der Treibstoff reichte nur noch für Sekunden. Amstrong blieb ruhig. Um 22.17 Uhr europäischer Zeit meldete der 38-Jährige in die USA: „Houston, Tranquility Base hier. Die Eagle ist gelandet.“ Die Antwort der Nasa sprach Bände: „Euretwegen sind eine Reihe Männer hier dabei, blau anzulaufen. Wir atmen wieder. Vielen Dank!“

Sechseinhalb Stunden später, in den USA war noch der 20. Juli, übertrug eine am Landemodul montierte Kamera die Öffnung einer Luke und Armstrongs erste tastende Schritte auf der kleinen Leiter, an deren Fuß er historische Worte sprechen sollte.

Bis heute wird gestritten, ob er sich dabei vertan hatte: Auf den historischen Tondokumenten ist kein Artikel zu hören, Armstrong spricht von einem kleinen Schritt für „man“, nicht „a man“, was im Englischen dasselbe wäre wie Menschheit. Er beteuerte lang, er habe „a man“ gesagt, musste dann aber einräumen, er höre den Artikel im Nachhinein selber nicht. Neuere Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass die Technik schuld sein könnte, aber da an der Intention des Satzes kein Zweifel besteht, ist das ein Streit für Spezialisten.

Geschäfte mit Autogrammen und dem Haar des Mondfahrers

Nach der triumphalen Rückkehr der drei Mondreisenden hat Armstrong sich mit seiner Rolle in der Öffentlichkeit nie leichtgetan. Nach unvermeidbaren Auftritten rund um den Globus arbeitete er noch zwei Jahre für die Nasa, dann zog sich der gelernte Ingenieur auf einen Lehrstuhl und seine Farm in Ohio zurück. Bekannten zufolge trug er schwer daran, den Ruhm für eine Leistung zu ernten, die er tausenden ungenannter Mitarbeiter verdankte. Er fürchtete außerdem, dass der Erfolg der Apollo-Mission in zunehmender Kommerzialisierung erstickt würde: Das Autogrammeschreiben stellte er ein, als er merkte, welche Summen mit seiner Unterschrift erzielt wurden; mit seinem langjährigen Friseur lieferte er sich einen Prozess, weil der Armstrongs Haare verkauft hatte.

Insgesamt haben in den Jahren von 1969 bis 1972 zwölf Amerikaner den Mond betreten. Dass Armstrong der erste war und nicht etwa Aldrin, entschied die Nasa auch aufgrund seines Naturells: Der schweigsame, stoische Mann mit der zurückhaltenden Art sei der ideale Repräsentant gewesen, enthüllte ein ehemaliger Vorgesetzter vor wenigen Jahren. Für Armstrong blieb die eigentliche Leistung nicht das Foto vom Betreten des Mondes, sondern der Landeanflug, und auch darin blieb er sich treu: Fliegen war die Liebe seines Lebens.

Neil Alden Armstrong wurde am 5. August 1930 im Westen Ohios geboren, wo sein Vater als Rechnungsprüfer arbeitete und ihn schon als Zweijährigen zu Pilotenwettkämpfen mitnahm. Als Neil sechs war, unternahmen die beiden ihren ersten Flug in einer Propellermaschine. Noch vor dem Autoführerschein legte der Teenager schließlich seine Pilotenprüfung ab. Er begann eine Ausbildung zum Flugzeugingenieur, wurde dann aber bei der Navy zum Kampfpiloten ausgebildet und in den Korea-Krieg entsandt. Nach insgesamt 78 Einsätzen kehrte er in die USA zurück, wo er seine Ausbildung beendete.

Nach dem Krebstod der Tochter wurde der Pilot zum Astronauten

1956 heiratete er Janet Shearon, die er im Studium kennengelernt hatte; 1955 wurde er Testpilot beim National Advisory Commitee for Aeronautics, dem Vorläufer der Nasa. Es soll der Krebstod seiner zweijährigen Tochter Karen gewesen sein, der ihn dazu brachte, von der Forschung auf ein neues Feld umzusatteln: Armstrong bewarb sich als Astronaut, der Rest ist Geschichte.

Mit Janet Shearon hatte Armstrong außer Karen noch zwei Söhne. Die Ehe zerbrach 1994, und Armstrong heiratete ein zweites Mal. Mit der verwitweten Carol Knight, die zwei Kinder in die Ehe brachte, führte er nach seiner Uni-Karriere ein zurückgezogenes Leben als Geschäftsmann, das er nur selten für öffentliche Auftritte unterbrach. Den aktuellen Präsidenten Barack Obama kritisierte er 2010 für seine Pläne, die Rolle der Nasa zugunsten privater Unternehmen zu ändern.

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