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Österreich
05.08.2019

Ex-Herausgeber des „Kurier“ sieht Pressefreiheit in Österreich in Gefahr

„ Kurz hat einen unglaublichen Machtanspruch und setzt diesen mit wenig Skrupel durch.“Helmut Brandstätter gehört zu den prominentesten Journalisten Österreichs. Doch nun will er die Seiten wechseln und als Politiker für die liberalen NEOs antreten – aus Sorge um die Demokratie in seinem Land, wie er sagt.
Foto: Robert Jäger, dpa

Der Journalist Helmut Brandstätter erklärt, wie während der Amtszeit der ÖVP/FPÖ-Koalition ein Klima der Angst entstand und warum er sich um die Pressefreiheit sorgt.

Der ehemalige Herausgeber der österreichischen Tageszeitung „Kurier“, Helmut Brandstätter, beklagt, dass Journalisten in Österreich zunehmend unter Druck gesetzt würden. „ÖVP und FPÖ wenden unterschiedliche Methoden an, haben aber dasselbe Ziel: Sie wollen bestimmen, worüber berichtet und was geschrieben wird“, sagte er unserer Redaktion. „Während die FPÖ zu brachialer Gewalt neigt und Journalisten unter Druck setzt, geht die ÖVP subtiler vor“, erläutert der Journalist und nennt ein Beispiel: „Die FPÖ hat versucht zu behaupten, dass ich mit einem SS-Mann verwandt bin. Als Quelle haben sie eine Neo-Nazi-Website angegeben. Sie wollten mich so unter Druck setzen.“

Ex-Herausgeber des "Kurier" spricht von Klima der Angst in Österreich

Brandstätter, der vor zehn Tagen seinen Rückzug von der Spitze der Tageszeitung „Kurier“ und einen Wechsel in die Politik bekanntgab, erlebt in der österreichischen Medienbranche nach eigener Aussage ein Klima der Angst. „Es herrscht zu viel Angst bei uns, und dagegen aufzustehen führt dazu, dass man kritisiert wird“, betont der Journalist. In Deutschland habe er andere Erfahrungen gemacht. „Deutschland ist nicht das Paradies, aber ich habe niemals diese Abhängigkeit und die Angststimmung erlebt, die in den letzten Jahren hier herrscht.“

Brandstätter will bei der Nationalratswahl in Österreich im September für die liberalen Neos kandidieren. Eine Kandidatur für die ÖVP sei für ihn nie in Frage gekommen – auch wegen Sebastian Kurz. „Mich hat an Sebastian Kurz von Anfang an die Mischung aus autoritärem Gehabe und relativ wenig Verständnis für komplexe Themen gestört“, sagt Brandstätter. „Sebastian Kurz hat einen unglaublichen Machtanspruch und setzt diesen mit wenig Skrupel auch nach innen durch. Das ist das Gegenteil von dem, mit dem ich aufgewachsen bin.“

Der Journalist glaubt, dass es eben dieser Machtanspruch ist, der Kurz im Falle eines Wahlsiegs von einer erneuten Zusammenarbeit mit der FPÖ abrücken lassen könnte. „Was ihn von einer FPÖ-Koalition abhalten könnte, ist die Erkenntnis, dass ein nochmaliges Scheitern das Ende seiner Macht ist“, betont Brandstätter. „Kurz kann nicht noch einmal sagen, ich habe es nicht gewusst. Und der nächste Nazi-Skandal kommt. Er ist nicht aufzuhalten.“

Lesen Sie auch das gesamte Interview im Wortlaut: Helmut Brandstätter ist sich sicher: "Der nächste Nazi-Skandal kommt"

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