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Syrien-Konflikt

30.08.2018

Offensive gegen Rebellenhochburg: Wird Idlib zur Hölle?

Die Lage in Idlib ist angespannt: Assads Trupen stehen offenbar vor einer Offensive.
Bild: George Ourfalian, AFP

Die Offensive der Assad-Truppen gegen die Rebellenhochburg steht offenbar kurz bevor. Ankara fürchtet einen Ansturm von Flüchtlingen. Der ganzen Region droht ein Chaos.

Die Warnungen sind ungewöhnlich scharf. Mitglieder des UN-Sicherheitsrats fürchten angesichts eines offensichtlich bevorstehenden Angriffs syrischer Regierungstruppen auf die letzte Rebellenhochburg Idlib mit „katastrophalen Konsequenzen“. „Die Leben von 2,2 Millionen Menschen stehen auf dem Spiel“, sagte die französische UN-Botschafterin. Die UN warnt vor bis zu 800.000 Flüchtlingen. Nicht zuletzt aus diesem Grund verstärkt ihre Truppen an der syrischen Grenze und in Syrien selbst.

Gleichzeitig baut die Türkei ihre Position im Norden Syriens gegen die von den USA unterstützten Kurden aus. Vor internationalen Gesprächen über die Zukunft Syriens kommende Woche könnte der Einfluss Russlands auf die Türkei weiter wachsen. In Idlib werden zehntausende Rebellenkämpfer vermutet, von denen viele in den vergangenen Monaten aus anderen Teilen Syriens in die nordwestliche Provinz geflohen waren.

Türkei fürchtet neue Flüchtlingswelle

In Gesprächen mit Russland, der Schutzmacht der syrischen Regierung, will die Türkei erreichen, dass die Offensive abgeblasen oder zumindest abgeschwächt wird. Russland verlangt hingegen, dass die Türkei ihren Einfluss auf die Rebellen in Idlib nutzt, um die Entwaffnung und Auflösung einiger Gruppen zu erreichen. Die Gespräche der Türken mit radikal-islamischen Milizen laufen derzeit, doch ist unklar, was mit den vielen Kämpfern – erklärten Todfeinden der syrischen Regierung – geschehen soll, wenn sie ihre Waffen abgeben.

Offensive gegen Rebellenhochburg: Wird Idlib zur Hölle?

Die Türkei schickte in den vergangenen Tagen ihren Außenminister, den Verteidigungsminister und den Geheimdienstchef zu Gesprächen nach Moskau. Außenamtschef Mevlüt Cavusoglu nannte Russland einen „strategischen Partner“ der Türkei. Eine groß angelegte Offensive in Idlib wäre eine Katastrophe, warnte er. Zugleich räumte er aber ein, dass etwas gegen die radikal-islamischen Gruppen in der Gegend getan werden müsse.

Moskau und Ankara verfolgen gegensätzliche Interessen in Idlib: Russland will die Provinz – die letzte von Rebellen gehaltene Gegend im Westen Syriens – möglichst rasch wieder unter die Kontrolle der syrischen Regierung bringen. Dagegen unterstützt die Türkei einige der dort verschanzten Rebellengruppen und fürchtet eine neue Flüchtlingswelle. Zudem unterhält die Türkei in Idlib zwölf Beobachtungsposten mit rund tausend Soldaten, die bei einem Angriff syrischer Truppen in Gefahr geraten könnten. Während Russland den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad stützt, strebt Ankara seit Jahren den Sturz des Staatschefs an.

Dreier-Gipfel: Türkei, Russland und Iran beraten über Bündnis

Dennoch sind beide Seiten entschlossen, ihr Bündnis nicht an Idlib zerbrechen zu lassen. Russland braucht die Zusammenarbeit mit der Türkei, um den Krieg in Syrien bald zu beenden. Umgekehrt ist die Türkei bei ihren Militäraktionen in Syrien auf russisches Einvernehmen angewiesen. Beide Länder streben zudem eine Rückkehr von Flüchtlingen nach Syrien an: Die Türkei will möglichst viele der drei Millionen Syrer im Land nach Hause schicken und Russland will sich als Friedensbringer profilieren. Gelegenheit zur Stärkung der türkisch-russischen Zusammenarbeit in Syrien bietet ein Dreier-Gipfel von Türkei, Russland und Iran im iranischen Tabriz kommende Woche.

Während die türkisch-russische Kooperation enger wird, bemüht sich Moskau nach Kräften, weitere Keile zwischen Ankara und Washington zu treiben. Celalettin Yavuz, Professor an der Ayvansaray-Universität in Istanbul, verwies im Gespräch mit unserer Zeitung auf jüngste russische Vorwürfe an den Westen: Laut Moskau könnten syrische Rebellen in Idlib mit britischer Unterstützung Chemiewaffen einsetzen und die Schuld dann der Regierung in Damaskus in die Schuhe schieben, um Luftangriffe der USA zu provozieren. Moskau versuche, die türkische Regierung von dieser Version zu überzeugen, sagte Yavuz. Das Vertrauen zwischen der Türkei und den USA sei so zerrüttet, dass Ankara an eine Provokation der USA glauben werde, wenn es C-Waffeneinsätze in Idlib geben sollte, sagte Yavuz. Auch neue türkische Truppenverlegungen über die Grenze nach Nord-Syrien hinein hängen mit der türkisch-amerikanischen Krise zusammen, die wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei eskaliert ist.

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