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Erdbeben in Nepal

27.04.2015

Opferzahl steigt auf über 4100 - Allgäuer Helfer sitzen fest

Sie hat überlebt, aber wie es weitergehen soll, weiß sie nicht: Eine alte Frau vor ihrem restlos zerstörten Haus.
Bild: Narendra Shrestha (dpa)

Die Zahl der Todesopfer nach dem Erdbeben in Nepal ist auf über 4100 gestiegen. Aus aller Welt ist Hilfe unterwegs. Das Team von Humedica aus dem Allgäu saß am Montag fest.

Mit bloßen Händen graben die Menschen in Kathmandu nach Verschütteten. Tag und Nacht und völlig verzweifelt. Schweres Gerät gibt es selbst in Nepals Hauptstadt kaum. Und wenn, dann kommen die Bagger nicht durch die engen Gassen der historischen Altstadt. Während die Zahl der Todesopfer immer weiter nach oben korrigiert werden muss, sinkt die Hoffnung stündlich: Nach 72 Stunden, sagen Experten, besteht kaum mehr die Chance, unter den Trümmern noch Überlebende zu finden.

Erdbeben in Nepal heftiger als Erdbeben in Haiti

Weite Teile Kathmandus und ein Großteil der Unesco-Weltkulturerbe-Stätten Nepals hat das Beben vom Samstag dem Erdboden gleichgemacht, das mit einer Stärke von 7,8 deutlich heftiger war als das verheerende Erdbeben in Haiti (7,0) vor fünf Jahren. Über 4100 Tote waren bis Montag gezählt, doch das ist noch lange nicht das Ende. „Wir haben zwar noch keinen endgültigen Überblick“, sagt Steffen Richter von der Kaufbeurer Hilfsorganisation Humedica, „klar ist nach bisheriger Informationslage, dass die Zerstörungen ähnliches Ausmaß haben wie auf Haiti.“ Mindestens 250.000 Menschen waren auf der Karibikinsel 2010 ums Leben gekommen, 1,8 Millionen wurden obdachlos.

Die Schäden in Nepal sind auch deshalb noch nicht absehbar, weil viele Dörfer in der Himalaja-Region von der Außenwelt abgeschnitten sind. Luftaufnahmen aus dem Gebiet um das Epizentrum – etwa 80 Kilometer von Kathmandu entfernt – zeigen, dass die Dörfer bis zu 90 Prozent zerstört sind. Auf dem Mount Everest warten hunderte Bergsteiger in eisiger Kälte auf Rettung. Der Großteil der ohnehin schlechten Infrastruktur des Landes ist kaputt, meterbreite Risse durchziehen die Straßen.

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Helfer-Team von Humedica kreiste stundenlang über Kathmandu

Die Krankenhäuser sind völlig überfüllt, die Verletzten liegen auf der Straße. Der Flughafen von Kathmandu muss wegen der Nachbeben immer wieder gesperrt werden und ist völlig überlastet. Auch das siebenköpfige Helferteam von Humedica, das am Sonntagmittag nach Nepal aufgebrochen war, saß erst einmal fest. „Der Flieger kreiste über Kathmandu und konnte nicht landen – bis das Kerosin ausging“, sagt Humedica-Sprecher Richter. Die Maschine musste nach Indien umkehren, die Allgäuer Helfer warten immer noch auf den Weiterflug.

Hilfe ist aus der ganzen Welt auf dem Weg, unter anderem vom THW und vom Deutschen Roten Kreuz. Doch es dauert, bis sie die Menschen erreicht. Die trauen sich wegen der starken Nachbeben, die viele angeknackste Häuser zum Einstürzen bringen, nicht mehr in die Gebäude. Sie schlafen auf der Straße, jede freie Fläche, jeder Gehweg ist belegt, sie haben oft nicht einmal eine Plastikplane, um sich vor den ständigen Regenschauern zu schützen. Etwa 50 deutsche Touristen campieren auf dem Gelände der deutschen Botschaft – man hat auch ihnen abgeraten, in Häusern zu übernachten.

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