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Hilfsorganisationen

10.02.2018

Orgien im Katastrophengebiet

Oxfam-Mitarbeiter haben sich offensichtlich in Haiti Partys mit Prostituierten bezahlen lassen

Als Haiti im Jahr 2010 von einem schweren Erdbeben getroffen wurde, blickte die Welt voller Anteilnahme auf den armen Karibikstaat, der durch das Desaster noch tiefer ins Elend stürzte. 220000 Menschen starben, 330000 wurden verletzt und Millionen Überlebende in bittere Armut gestürzt.

Hilfsorganisationen sammelten Spenden und sandten Einsatzkräfte – darunter auch die britische Nichtregierungsorganisation Oxfam. Doch einige von ihnen haben nicht nur geholfen, sondern vor allem die Armut der Bevölkerung ausgenutzt, berichtet nun die Tageszeitung The Times. Die Enthüllungen klingen unfassbar: Mitarbeiter hätten Orgien mit Prostituierten veranstaltet, unter anderem in einem Gästehaus, das die Gruppe von Männern nur als „Hurenhaus“ bezeichnete. Die Zeitung beruft sich auf eine ungenannte Person als Quelle, die Videos von den Sexpartys gesehen haben soll. Dort seien halb nackte Frauen in Oxfam-T-Shirts zu sehen. Die Szenerie soll „unglaublich“ und „verrückt“ gewesen sein. Sowohl die Prostituierten als auch Hotelzimmer und Unterkünfte, wo die Orgien stattfanden, wurden demnach von Oxfam bezahlt – und damit indirekt ja auch von privaten Spendern.

Pro Jahr erhält die Hilfsorganisation etwa 300 Millionen Pfund, umgerechnet 340 Millionen Euro, von privaten Spendern und der britischen Regierung. Auch wenn die überwältigende Mehrheit der Mitarbeiter unermüdlich unter schwierigsten Bedingungen arbeitete, ist ein Detail besonders pikant: Die Organisation, die mit 230 Einsatzkräften vor Ort war, wusste von den Vorfällen. Im Jahr 2011 leitete sie eine interne Untersuchung ein, die eine „Kultur der Straflosigkeit“ unter den Mitarbeitern in Haiti offenbarte, schreibt The Times.

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Wollte Oxfam den Skandal vertuschen? Die internationale Organisation mit Sitz im englischen Oxford weist solche Vorwürfe zurück. Und nennt Anschuldigungen, wonach auch minderjährige Prostituierte engagiert wurden, „nicht bewiesen“. Dennoch heißt es laut der Zeitung in dem internen Report von 2011, dass es nicht ausgeschlossen werden könne, dass unter den anwesenden Haitianerinnen junge Frauen unter 18 Jahren gewesen sind.

Der belgische Büroleiter von Oxfam in Haiti, Roland van Hauwermeiren, trat dem Medienbericht zufolge damals von seinem Posten zurück. Doch Disziplinarmaßnahmen wurden nicht eingeleitet, obwohl er zugegeben hatte, Prostituierte in seiner Residenz empfangen und mit dem Geld der Organisation bezahlt zu haben. Es bestehe jedoch kein Zusammenhang zu den angeblichen Orgien. Laut einer Sprecherin von Oxfam habe van Hauwermeiren „die gesamte Verantwortung für die Ereignisse, die unter seiner Führung geschehen sind, übernommen“, zudem die Untersuchung unterstützt und uneingeschränkt kooperiert. Zwei weitere Mitarbeiter hätten gekündigt, vier seien versetzt worden. Gegen sie werde wegen groben Fehlverhaltens ermittelt.

Prostitution ist in Haiti illegal und verstößt noch dazu gegen den Kodex von Oxfam. Die fünftgrößte britische Hilfsorganisation beschäftigt mehr als 5000 Mitarbeiter und arbeitet mit rund 22000 Freiwilligen zusammen.

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