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Nach Luftangriffen

13.11.2018

Palästinenser verkünden einseitig Waffenruhe mit Israel

Ein verletzter Israeli trägt sein Kind auf dem Arm, während er in seiner beschädigten Wohnung steht, die von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde.
Bild: Ilia Yefimovich, dpa (Symbolbild)

Nach Raketenbeschuss auf Israel und Luftangriffen der israelischen Armee im Gazastreifen gibt es nun eine einseitige Waffenruhe. Ägypten hatte vermittelt.

Nach massivem Raketenbeschuss auf Israel und Luftangriffen der israelischen Armee im Gazastreifen haben militante Palästinenser einseitig eine Waffenruhe verkündet. Ägypten habe die Rückkehr zu einer entsprechenden Vereinbarung vermittelt, teilten die Hamas und andere militante Palästinenserorganisationen in Gaza am Dienstag mit. Ein Sprecher von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte sich zunächst nicht dazu.

Militante Palästinenser hatten 400 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel gefeuert

Immer wieder heulten in den vergangenen Tagen im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen die Alarmsirenen. Ein wahrer Raketenhagel ging auf Wohngebiete im ganzen Umkreis nieder: Eine Rekordzahl von 400 Geschossen hätten militante Palästinenser abgefeuert, sagte ein israelischer Armeesprecher am Dienstag. "Dies sind die intensivsten Angriffe seit dem Gaza-Krieg 2014."

In der Küstenstadt Aschkelon wurde ein Haus direkt getroffen, ein Mann starb. Die israelische Luftwaffe bombardierte im Gegenzug Ziele der im Gazastreifen herrschenden Hamas, mindestens sechs militante Palästinenser wurden getötet.

Ein fehlgeschlagener Geheimeinsatz Israels sorgte für erneute Gefechte

Damit standen die Zeichen wieder einmal auf Sturm. Dabei hatte es zuletzt - dank intensiver Vermittlungsbemühungen Ägyptens und des UN-Gesandten Nikolay Mladenov - nach einer Beruhigung ausgesehen. Am Donnerstag hatte Israel es Gesandten Katars sogar erlaubt, Bargeld in Höhe von 15 Millionen Dollar (13 Millionen Euro) in das seit mehr als einem Jahrzehnt blockierte Palästinensergebiet zu bringen.

Doch dann ließ ein am Sonntag fehlgeschlagener Geheimeinsatz der israelischen Armee im Gazastreifen den Funken wieder überspringen. Die verdeckte Einheit wurde von militanten Hamas-Kämpfern enttarnt, es kam zu einem heftigen Feuergefecht. Sieben militante Palästinenser, darunter ein 37-jähriger Hamas-Kommandeur, und ein israelischer Offizier kamen ums Leben. Experten mutmaßen, es sei der Einheit vor allem um Informationsbeschaffung gegangen - die Armee betonte jedenfalls, man habe den Hamas-Kommandeur weder entführen noch gezielt töten wollen.

Droht der vierte Krieg zwischen Israel und der Hamas innerhalb eines Jahrzehnts?

Was folgte, war die gefährlichste Zuspitzung der Lage seit vier Jahren. Sollte sie weiter eskalieren, droht der vierte Krieg zwischen Israel und der radikalislamischen Terrororganisation Hamas binnen eines Jahrzehnts. Leidtragende des fortwährenden Konflikts sind vor allem die Zivilbevölkerungen auf beiden Seiten.

Israelische und palästinensische Experten sind sich allerdings einig, dass beide Seiten im Grunde gar kein Interesse an einem umfassenden Krieg haben. "Ägypten und die internationale Gemeinschaft üben Druck auf die Hamas und Israel aus, um einen vollen Krieg zu verhindern", sagt Amos Harel, Militärexperte der Zeitung Haaretz.

Die von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestufte Hamas hatte 2007 mit Gewalt die Herrschaft im Gazastreifen an sich gerissen. Israel hatte danach eine Blockade des Küstenstreifens verschärft, Ägypten trägt die Maßnahme inzwischen mit. Die Lage von rund zwei Millionen Einwohnern im Gazastreifen ist prekär, es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Strom.

Seit März hatte es immer wieder ähnliche Situationen zwischen Israel und der Hamas gegeben

Seit Beginn blutiger Proteste gegen die Blockade an der Gaza-Grenze im März hatte es immer wieder ähnlich brenzlige Situationen gegeben. Die jüngste Runde der Gewalt sei aber die schwerwiegendste, meint Harel. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu und seine rechts-religiöse Regierung stehen unter starkem Druck der Öffentlichkeit, die immer wiederkehrenden Raketenangriffe aus Gaza auf israelische Grenzorte dauerhaft zu unterbinden.

Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, sie wollten die "Spielregeln" in dem schwelenden Konflikt mit Gewalt zu ihren Gunsten verändern. Die Hamas sehe Israels verdeckten Einsatz auf dem von ihr kontrollierten Gebiet als einen solchen Versuch, sagt Naschat Aktasch, Politikprofessor an der Birzeit-Universität bei Ramallah. "Die Hamas hat gezeigt, dass dies nicht ungestraft bleiben kann."

Der israelische Sicherheitsexperte Jossi Kuperwasser sagte, Israel wolle der Hamas seinerseits die Botschaft übermitteln, dass wahllose Angriffe auf Zivilisten absolut inakzeptabel seien. "Es tobt jetzt ein Kampf darum, welche Spielregeln künftig gelten sollen", sagt der ehemalige Leiter der Forschungsabteilung in Israels Militärgeheimdienst.

Politikexperte: Zeit, eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas auszurufen

Nach Schätzungen der israelischen Armee verfügt die Hamas über rund 20.000 Raketen und Mörsergranaten verschiedener Reichweite. Ein Teil der Raketen komme aus dem Iran, andere würden im Gazastreifen selbst produziert, sagt Kuperwasser. Zu den durch Tunnel aus Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelten Waffen gehörten auch Panzerabwehrraketen des Typs Kornet, sagt der Experte. Eine solche Rakete traf am Montag einen israelischen Bus nahe der Gaza-Grenze, der dabei völlig ausbrannte. Bei dem Vorfall, für Israel eine schwere Provokation, erlitt ein Soldat lebensgefährliche Verletzungen.

Der palästinensische Politikexperte Saleh Naami in Gaza sieht die Hamas nach den massiven Raketenangriffen auf Israel in einer "Position der Stärke". Nun sei es an der Zeit, eine Waffenruhe auszurufen, meint er. Das ist nun geschehen. (dpa/AZ)

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