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Pandemie
06.11.2021

So viele Corona-Fälle wie nie: Werden Tests jetzt wieder kostenlos?

Am 11. Oktober endete das kostenlose Corona-Testangebot. Nicht alle sind heute glücklich mit dieser Entscheidung.
Foto: Ralf Lienert

Die Ansteckungszahlen erreichen einen Rekord. Gesundheitsminister wollen Booster für alle. Außerdem spielen Tests wieder eine wichtigere Rolle – nicht nur in Alten- und Pflegeheimen.

Nie haben sich mehr Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert als in diesen Tagen. Am Freitag meldete das Robert-Koch-Institut 37.120 neue Fälle. Damit die Lage nicht außer Kontrolle gerät, wollen die Gesundheitsminister der Länder die sogenannte Booster-Impfung nach sechs Monaten nicht mehr nur für ältere oder vorerkrankte Menschen, sondern für alle ermöglichen. Das haben sie bei ihrem Treffen mit Bundesminister Jens Spahn in Lindau beschlossen. Außerdem soll wieder mehr getestet werden.

Testpflicht in Altenheimen auch für geimpfte Besucher

Die Testpflicht in Alten- und Pflegeheimen wird ausgeweitet. Auch geimpfte oder genesene Besucher, die das Virus ja trotzdem weitertragen können, müssen sich zusätzlich beim Betreten in einer „Sicherheitsschleuse“ testen lassen. Das soll kostenlos bleiben.

Und: Die 3G-Regel soll nun bundesweit gelten. Das bedeutet, dass man etwa nur noch in Restaurants oder ins Kino darf, wenn man genesen, geimpft oder getestet ist. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, aktuell Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz, bezeichnete die Entwicklung der vergangenen Tage als „teilweise dramatisch, besorgniserregend und alles andere als entwarnend“.

Sachsen führt bereits am Montag die 2G-Regel ein

Das besonders stark betroffene Sachsen will schon ab Montag die 2G-Regel einführen. Das bedeutet, dass Ungeimpfte zu bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens wie Gaststätten keinen Zutritt mehr haben.

Um Ansteckungsrisiken zu verringern, mehren sich auch die Forderungen, Corona-Schnelltests wieder kostenlos zu machen. Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes, sagte im Gespräch mit unserer Redaktion, im Lichte der aktuellen Lage sei es sinnvoll, wieder kostenfreie Tests für Geimpfte und Ungeimpfte zur Verfügung zu stellen. „Trotz der laufenden Regierungsbildung muss Deutschland handlungsfähig bleiben. Einen Lockdown darf es nicht mehr geben“, sagte sie.

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Auch Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes, forderte eine Kurskorrektur: „Corona-Tests müssen wieder kostenlos möglich sein. Ansonsten ist das Risiko einfach zu hoch, dass viele die Kosten scheuen und mit unerkannten Infektionen andere Menschen anstecken.“

Der Staat hatte das Gratis-Testangebot am 11. Oktober auslaufen lassen. Angesichts der damals noch niedrigeren Infektionszahlen und einer zumindest langsam steigenden Impfquote schien das Testen an Bedeutung zu verlieren. Bayerns Gesundheitsminister Holetschek hatte zudem argumentiert, es könne nicht sein, dass die Freiheit des Einzelnen, sich nicht impfen zu lassen, von allen Steuerzahlern finanziert werden müsse.

Man hatte auch gehofft, Bürgerinnen und Bürger, die noch zögern, ließen sich lieber impfen lassen, als ihre Tests selbst zu bezahlen. Diese Strategie ist allerdings nicht aufgegangen.

FDP und Grüne bezeichnen das Aus für kostenlose Tests als Fehler

Sollen Tests angesichts der stark steigenden Ansteckungszahlen also doch wieder kostenlos werden? Grünen-Chef Robert Habeck findet, die Aussetzung des Angebots sei von Anfang an ein Fehler gewesen.

Auch bei der FDP sieht man akuten Handlungsbedarf. „Ausgerechnet zum Beginn der kalten Jahreszeit die kostenlosen Tests abzuschaffen, war ein Riesenfehler. Die Staatsregierung sollte ihn schnell korrigieren. Der Versuch, durch finanziellen Druck die Impfquote zu erhöhen, ist gescheitert“, sagte Martin Hagen, der am Wochenende zum neuen Chef der bayerischen FDP gewählt werden soll, unserer Redaktion.

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Die Diskussion ist geschlossen.

07.11.2021

Genau! Stimme absolut zu!
Warum immer der Steuerzahler?

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06.11.2021

Frau Hartges und Herr Genth könnten über ihren Verband doch ebenso einen kostenfreien Test anbieten.
Die Kosten dafür könnten die Verbänden doch auch selbst tragen.

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