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Damit hat er so viel verdient

08.10.2012

Peer Steinbrück: Ein Vortrag pro Woche

Was Peer Steinbrück außerhalb des Bundestags leistete, damit kann kein Bundestagsabgeordneter mithalten. Unterm Strich kam er auf über eine halbe Million Euro, mindestens.
Bild: dpa

Was Peer Steinbrück außerhalb des Bundestags leistete, damit kann kein Bundestagsabgeordneter mithalten. Unterm Strich kam er auf über eine halbe Million Euro, mindestens.

Kaum war er im November 2009 aus dem Amt des Bundesfinanzministers ausgeschieden, suchte Peer Steinbrück die Nähe zu den Banken, den Finanzdienstleistern und den Lobbyisten der Branche. 2010, in seinem ersten Jahr als einfacher SPD-Abgeordneter im Bundestag für den nordrhein-westfälischen Wahlkreis Mettmann I hielt er 43 bezahlte Vorträge im Umfeld der Banken- und Finanzbranche, also praktisch einen pro Woche.

Die Liste von Steinbrücks Kunden liest sich wie ein Who-is-Who der Branche

2011 waren es noch 27. Dafür erhielt er jedes Mal mindestens 7000 Euro, meistens dürfte die Summe aber deutlich höher ausgefallen sein. Unterm Strich kam er auf über eine halbe Million Euro, mindestens. Kein Bundestagsabgeordneter kann da mithalten. Selbst der frühere FDP-Partei- und Fraktionschef Guido Westerwelle, einstmals ebenfalls ein gefragter und oft gebuchter Redner, kam in den Jahren 2005 bis 2009, als er noch Oppositionsführer war, nur auf 36 bezahlte Vorträge.

Peer Steinbrück genoss seine Rolle als Vortragsreisender in eigener Sache. Und die Liste seiner „Kunden“ auf der Homepage des Deutschen Bundestages liest sich wie ein Who-is-Who der Branche: BNP Paribas, Bausparkasse Schwäbisch Hall, Crédit Agricole Cheuvreux, Deutsche Bank, Dortmunder Volksbank, Ernst & Young, J.P. Morgan Asset Management, KPMG, Landesbank Hessen-Thüringen, Union Investment Privatfonds, Volksbank Geest. Und auch zahlreiche Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben, prominente Redner für ordentliche Honorare anzuwerben, führten Steinbrück in ihrer Kartei, so die Hamburger „Agentur für Helden“ oder das in Karlsruhe ansässige „The London Speaker Bureau“, das 2010 und 2011 allein acht Vorträge vermittelte, wofür Steinbrück ebenfalls jeweils mehr als 7000 Euro erhielt. Sogar von der Automatenwirtschaft, die Lobbyarbeit für Spielkasinos betreibt, ließ er sich engagieren.

Die Kritik an seinen Nebentätigkeiten wies Steinbrück am Wochenende entschieden zurück. Er habe kein schlechtes Gewissen, zudem könne er nichts „Ehrenrühriges“ daran finden, dass er von Unternehmen, Banken, Versicherungen und Kanzleien, die gewinnorientiert seien, für eine erbrachte Leistung ein Honorar genommen habe, sagte er in einem Rundfunkinterview. Bei Schulen, Vereinen oder ehrenamtlichen Institutionen habe er kein Geld für seine Auftritte verlangt. Zudem habe er sich auch vor den Banken für Bankenregulierung und gegen Steuerhinterziehung eingesetzt. Seine Zuhörer könnten bestätigen, dass er „alles andere als ein Knecht des Kapitals“ gewesen sei. Er werde die Auftraggeber, den Ort und das Thema jedes einzelnen Vortrags ebenso veröffentlichen wie das Durchschnittshonorar vor und nach Steuern, bestätigte Steinbrück.

SPD fordert Döring auf, seine Einkünfte offenzulegen

Auch die SPD verteidigte ihren Kanzlerkandidaten. Generalsekretärin Andrea Nahles und andere führende Sozialdemokraten nannten die Kritik von Union und FDP an Steinbrück „verlogen“ und forderten die Abgeordneten der Koalition auf, ihre eigenen Nebentätigkeiten offenzulegen. „Schwarz-Gelb ist eine verlogene Bande“, schimpfte Johannes Kahrs, der Sprecher des konservativen Kreises. So hätten sich Union und FDP in der Vergangenheit gegen jede Form von Transparenz bei den Nebenjobs von Abgeordneten gesträubt, sagte er. Ihre Angriffe auf Steinbrück seien daher „absurd“. Nahles forderte FDP-Generalsekretär Patrick Döring, der Steinbrück frontal angegangen hatte, auf, seine eigenen Nebentätigkeiten offenzulegen.

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