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Bundestag

19.10.2020

Peter Tauber zieht sich zurück: Merkels junger General

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Tauber zieht sich aus der Politik zurück.
Bild: Maurizio Gambarini, dpa (Archiv)

Peter Tauber galt als große Nachwuchshoffnung der CDU. Seine Karriere startete schnell, er wurde CDU-Generalsekretär. Jetzt kehrt er der Politik den Rücken.

Die Personalie ist auch für Eingeweihte eine Überraschung: 2013 wird ein weithin unbekannter Abgeordneter aus Hessen plötzlich CDU-Generalsekretär. Mit gerade mal 39 Jahren zählt dieser Peter Tauber zu den jüngsten Abgeordneten im Bundestag, mit Glatze und Hornbrille wirkt er schon äußerlich wie ein Internet-Nerd. Von sich reden gemacht hat er bislang vor allem in den sozialen Medien, auf Twitter und bei Facebook hat er zahlreiche Anhänger, unter der selbstironischen Bezeichnung „der Schwarze Peter“ bloggt er zu aktuellen Themen. Genau so einen hat Bundeskanzlerin und Parteichefin Angela Merkel gesucht. Einen, der den Jüngeren in der angegrauten CDU eine Stimme gibt, der die Partei offener, weiblicher und bunter macht.

Der promovierte Historiker plädiert für ein Einwanderungsgesetz, doppelte Staatsbürgerschaft und will die CDU für Homosexuelle öffnen. Doch so wohl sich Tauber im digitalen Netz fühlt, so schwer tut er sich beim Knüpfen eines Netzwerks in der Partei. Sperrig und unnahbar, hölzern im direkten Umgang, so empfinden ihn Parteifreunde. Liberaler und Konservativer zugleich will er sein, doch damit mag er in keine der CDU-internen Strömungen so recht passen. So bleibt Tauber ohne die Hausmacht, die nötig wäre, um die nächsten Karriereziele zu erreichen.

Eine Mobbing-Affäre kostet Peter Tauber Sympathien bei den Frauen der CDU

Erschwerend kommt hinzu, dass Tauber nicht nur durch seine Positionen von sich reden macht. 2016 wird ein brisantes Papier aus seinem CDU-Kreisverband Main-Kinzing bekannt. Es enthält unter dem Titel „Operation Kaninchenjagd“ eine detaillierte Anleitung, wie die Geschäftsführerin aus dem Amt zu drängen sei. Der Text, räumt Tauber ein, ist ihm seit Jahren bekannt, es sei ein Fehler gewesen, nichts dagegen zu unternehmen. Die Mobbing-Affäre kostet Tauber viele Sympathien, gerade bei den Frauen in der Partei.

Selbst in seiner vermeintlichen Domäne, der digitalen Welt, agiert Tauber nicht immer glücklich. 2017 schreibt er bei einer Diskussion auf Twitter, in der es um Mini-Jobber geht, dass jemand der etwas „ordentliches gelernt habe, keine Minijobs anzunehmen brauche. Das wirkt arrogant und herablassend. Tauber erntet, was heute oft als „Shitstorm“ bezeichnet wird: eine riesige Welle der Empörung. Einige Parteifreunde werfen Tauber später vor, seine Äußerung habe zum schlechten Abschneiden der CDU bei der Bundestagswahl im selben Jahr beigetragen. Ob es nun an der Mini-Jobber-Äußerung liegt oder nicht: Als Generalsekretär, dessen Aufgabe es ja vor allem ist, Wahlen zu gewinnen, hat Tauber die Erwartungen der CDU nur teilweise erfüllt. Bei den Jamaika-Verhandlungen über eine schwarz-gelb-grüne Regierungskoalition spielt er schon kaum mehr eine Rolle.

Aus gesundheitlichen Gründen tritt Peter Tauber als Generalsekretär zurück

Gesundheitlich ist Tauber am Ende des Wahljahres schwer angeschlagen. Er leidet unter einer schweren Darmerkrankung, verbringt mehr als einen Monat in der Klinik. Schließlich wird die Situation lebensbedrohlich: Wegen einer Blutvergiftung und Bauchfellentzündung muss sich Tauber einer Notoperation unterziehen.

Im Februar 2018 legt Tauber das Amt des CDU-Generals nieder, seine Nachfolgering wird Annegret Kramp-Karrenbauer. Tauber wird Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Doch der Posten gilt parteiintern schon als eine Art Austrag für den ehemaligen Hoffnungsträger. Jetzt hat Tauber seinen Abschied aus der Politik verkündet, bei der Bundestagswahl 2021 will er nicht mehr kandidieren. Als Gründe nennt er seinen Gesundheitszustand, den Lebensmittelpunkt im hessischen Gelnhausen und die Hoffnung auf eine neue berufliche Herausforderung.

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