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Pflege

13.02.2019

Plätze in den Heimen sind knapp - Pflegenotstand belastet auch die Region

Der Pflegenotstand hat Schwaben erreicht: Immer mehr Einrichtungen in und um Augsburg haben mit Personalmangel und anderen Problemen zu kämpfen.
Bild: Christoph Schmidt, dpa

Plus Die Plätze in den Senioren- und Pflegeheimen in und um Augsburg sind knapp. Was bedeutet das für Menschen, die dringend einen Platz benötigen?

Der Personalmangel in den Pflegeberufen stellt die Alten- und Pflegeheime vor immer größere Probleme. Nach einer Umfrage der Evangelischen Bank unter mehr als 300 Einrichtungen in ganz Deutschland mussten mehr als 70 Prozent der Heime in den vergangenen drei Monaten Interessenten abweisen, weil kein Platz mehr frei ist oder zu viele Pflegekräfte fehlen. 68 Prozent der Heime mussten Anfragen zur Kurzzeitpflege ablehnen, jede fünfte befragte Einrichtung hat wegen akuten Personalmangels sogar einen Belegungsstopp verhängt.

In unserer Region ist die Situation noch nicht ganz so kritisch – allerdings arbeiten auch hier viele Heime an der Kapazitätsgrenze oder knapp darüber. Allein in Augsburg gibt es aktuell 2976 Plätze in insgesamt 27 Senioren- und Pflegeheimen von unterschiedlichen Trägern, darunter auch der Caritasverband der Diözese Augsburg. „Wir versuchen, jeden Pflegebedürftigen aufzunehmen“, sagt Bernhard Gattner von der Caritas. Allein aus finanzieller Sicht sei das auch dringend nötig.

Um als Pflegeheim wirtschaftlich arbeiten zu können, erklärt er, müsse eine durchschnittliche Belegungsquote von mehr als 90 Prozent erreicht werden. Ein Problem sei das in den seltensten Fällen. Viel schwerer sei es, alle Anfragen tatsächlich unterzubekommen. „Unsere Einrichtungen sind ausgelastet“, betont Gattner. Man versuche zwar stets vorauszuplanen. Wenn sich durch einen Sturz oder einen Unfall aber spontane Notsituationen ergeben, könne man dem Wunsch des Betroffenen nicht immer sofort nachkommen. Die Konsequenz: Bewerber müssen sich gedulden – oder anderweitig umschauen. „Wartelisten generieren sich automatisch.“

Plätze in den Heimen sind knapp - Pflegenotstand belastet auch die Region

Belastung des Pflegepersonals nimmt auch in Augsburg zu

Etwas weniger prekär scheint die Situation in der städtischen Altenpflege. Nach Angaben der Stadt Augsburg gibt es 802 Plätze. Wartelisten gebe es in den fünf Einrichtungen grundsätzlich nicht – nur vorübergehend für ein konkretes Heim, sagt Bürgermeister Stefan Kiefer. Um dieses Problem zu umgehen, „haben wir für den Eigenbetrieb Altenhilfe der Stadt Augsburg eine Pflegeplatzbörse eingerichtet, die Plätze innerhalb der Organisation zügig weitervermittelt“.

Im Landkreis Aichach-Friedberg stehen exakt 991 Pflegeplätze zur Verfügung. Teresa Wörle vom Landratsamt bestätigt, dass die Kapazitäten auch hier weitgehend ausgereizt sind. Freie Betten gebe es kaum. „Und diejenigen, die frei werden, sind schnell wieder vergeben.“ Aufnahmestopps wie in anderen deutschen Regionen seien aber noch nicht verhängt worden. Woran es vor allem mangle, seien Kurzzeitpflegekräfte. Seit dem vergangenem Jahr fehlen hier mehr als 20 Plätze.

Ähnlich wie im Augsburger Umland sieht es in weiten Teilen der Region aus. Woran liegt das? „Viele Umstände, die sich nun verdichten“ haben nach Ansicht von Bernhard Gattner zum Pflegenotstand geführt. Zum einen, glaubt er, habe sich der Charakter der Pflege verändert. So liege das Eintrittsalter in den Heimen mittlerweile bei 84 Jahren, die Verweildauer werde damit spürbar kürzer.

„Das Heim hat sich von einer Wohngemeinschaft älterer Menschen zu einer Pflegeeinrichtung, manchmal mit Hospizcharakter, entwickelt.“ Hierdurch sei die Belastung für das Personal stärker und vor allem spezieller geworden. Ohnehin, betont Gattner, kämpfe der Beruf des Pflegers gegen ein schlechtes Renommee. Ungünstige Arbeitszeiten, Zeitdruck, körperliche Anstrengungen, eine vermeintlich schlechte Bezahlung – all das hält potenzielle Auszubildende fern. Auch in der Region.

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