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Politiker müssen endlich mehr Klimaschutz wagen

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Kommentar Von Stefan Lange
14.09.2019

Weltweit ringen Spitzenpolitiker darum, wie das gehen soll mit der Rettung des Planeten. Sie sollten mutiger sein und ihren Kuschelkurs aufgeben.

Es ist ein weiterer Versuch, der Erderwärmung auf politischer Ebene Einhalt zu gebieten. Im Klimakabinett in Berlin, das am 20. September tagt, und beim UN-Klimagipfel in New York wenige Tage später geht es allerdings schon gar nicht mehr darum, bereits angerichtete Schäden zu reparieren. Alle Politiker dieser Welt können den Golfstrom nicht in seine alte Bahn zurücklenken und damit dafür sorgen, dass auch die ergiebigen Regengebiete Europa wieder erreichen. Sie können auch das geschmolzene Gletschereis nicht zurückholen. Die Volksvertreter in der deutschen Hauptstadt wie in New York suchen lediglich nach praktikablen Wegen, den Heizofen Erde nicht noch weiter anzufeuern.

Die Bemühungen, E-Autos attraktiver zu machen, scheiterten bisher

In Deutschland fokussiert sich der Blick der Politik auf den CO2-Ausstoß und da wiederum auf eine Verkehrswende. Allein für diesen Bereich gehen die geplanten Maßnahmen in die Milliarden. Mit dem einen Förderprogramm soll der Verkauf von Elektroautos angekurbelt werden, ein anderes die Menschen dazu bewegen, mehr Bahn zu fahren.

Statt den ohnehin schon dicken Katalog an staatlichen Fördermaßnahmen der reinen Klimashow wegen noch zu erweitern, wäre Innehalten die schlauere Idee. So wurde schon mehrfach versucht, die wachsende Beliebtheit bei E-Autos mit Steuermillionen zu beschleunigen. Gebracht hat das nur wenig. Die Regierung zieht daraus jedoch keine Schlüsse, sondern bastelt an weiteren Förderprogrammen. Branchenkenner unken darüber hinaus, dass Schwarz-Rot die Elektromobilität, inklusive der Batteriezellproduktion, völlig zu Unrecht in den Himmel hebt. China als einer der größten Konkurrenten habe schon längst die Brennstoffzelle als Antrieb der Zukunft ins Visier genommen.

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Mehr Güter müssen auf die Schiene

Ein anderes Beispiel: Seit Jahren will Deutschland mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern. Das könnte viel CO2 einsparen, funktioniert aber mangels nachdrücklicher Regierungspolitik nicht. Der Anteil des Straßenverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen lag 2017 wie schon im Jahr 2000 knapp unter 84 Prozent, haben Analysten der Deutschen Bank gerade ausgerechnet. Die Schiene hat in diesem Zeitraum zwar um einen Punkt auf neun Prozent zugelegt, dieser Zuwachs ging aber zulasten der Binnenschifffahrt.

Auf internationaler Ebene könnte eine Bestandsaufnahme ebenfalls nicht schaden. Klimagipfel werden seit 40 Jahren abgehalten. Zahlreiche Vereinbarungen wurden unterzeichnet, beispielsweise das sogenannte Kyoto-Protokoll zur Senkung der Treibhausgase. Zwar waren nicht alle Abkommen derart folgenlos. Das Montreal-Protokoll beispielsweise leitete 1987 die internationale Ächtung von FCKW ein und trug messbar zur Stabilisierung der Ozonschicht bei. Die Erderwärmung wurde durch die zahlreichen Gipfel in Städten wie Rio de Janeiro, Durban, Kopenhagen, Cancun oder Marrakesch aber nicht gestoppt.

Die Verursacher müssen an die Kette

Die Erkenntnis daraus ist, dass ständige neue Klima-Ideen der Politik nicht viel bewirken. Förderprogramme kommen beim Wahlvolk zwar besser an als Verbote. Sie sind aber nur ungedeckte Schecks auf die Zukunft und bringen offenbar nicht genügend Fortschritte. Die wird es nur geben, wenn die Verursacher des Klimawandels stärker an die Kette genommen werden.

Wo Appelle nichts bringen, wo die Menschen nicht reagieren, da müssen eben Verbote her, die notfalls mit Strafen durchgesetzt werden. Mit einem Kuschelkurs, neuen Versprechungen und der weiteren Verschiebung von Klimazielen ist niemandem geholfen.

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14.09.2019

Zur neuen Bahn des Golfstroms schweigen unsere Aktivisten ;-)

Für mich ist sehr wahrscheinlich, dass der Autor den Golfstrom mit dem Jetstream verwechselt hat.

Aber die Links sollte man auch mal nach unten scrollen:

https://www.dwd.de/DE/leistungen/besondereereignisse/duerre/20190712_trockenheit_juni_juli_2019.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Gesamt Süd-Ost Europa und Türkei nässer als im Durchschnitt; im Gegensatz zu Spanien und Italien.

Das ist Wetter; es gibt keinen Anspruch auf das langjährige Mittel.

Und natürlich kein Anlass für überhastete Aktionen, die ohnehin keine demokratische Mehrheit finden werden.

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14.09.2019

>>Die Niederschlagsmenge nimmt in Deutschland zu, da ändert ein trockenes Jahr 2018 nichts daran.<<

Es ist doch immer wieder aufschlussreich, die von Ihnen zitierten Quellen auch nachzulesen. Sie interpretieren da ja gerne, was Ihnen gerade genehm ist. Aus der verlinkten Quelle des Umweltbundesamtes:

>>Vielmehr sind insbesondere die Winter deutlich nasser geworden, während die Niederschläge im Sommer geringfügig zurückgegangen sind.<<

>>Deutlich stärker noch als bei der Temperatur ist dieser Trend nicht gleichmäßig in allen Jahreszeiten ausgeprägt. Er beruht im Wesentlichen darauf, dass die Winterniederschläge um über 25 % zugenommen haben. Frühling und Herbst zeigen ebenfalls eine leichte, aber im Gegensatz zum Winter nicht signifikante Zunahme, während die Niederschläge im Sommer geringfügig zurückgegangen sind.<<

>>Im Vergleich zum vieljährigen Zeitraum 1961-1990 waren 10 Monate trockener und entsprechend 2 Monate nasser als normal. Besonders auffällig war die extrem niederschlagsarme Periode von Februar bis November. Im Sommer und im Herbst wurden nur etwa 50 % der sonst üblichen Niederschlagsmenge registriert.<<

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14.09.2019

@ Peter P.
Der Artikel bezieht sich übrigens nicht auf Deutschland, sondern auf Europa. Was klimatechnisch auch eher Sinn macht.
Oder hat Deutschland für Sie ein Klima, welches unabhängig vom Rest dieses Kontinents ist, an den Deutschen Grenzen halt macht?

Natürlich können einzelne, kleinere Gebiete, höhere Regenmengen aufweisen, aber im Gesamten steigt die Trockenheit!

Aber das wissen Sie sicher auch. Nur passts halt nicht in Ihr Schema, oder?

Zur Faktenlage und zwar umfassend:

https://www.dwd.de/DE/leistungen/besondereereignisse/duerre/20190712_trockenheit_juni_juli_2019.pdf?__blob=publicationFile&v=1

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14.09.2019

>> Alle Politiker dieser Welt können den Golfstrom nicht in seine alte Bahn zurücklenken und damit dafür sorgen, dass auch die ergiebigen Regengebiete Europa wieder erreichen. <<

??? Der Golfstrom hat eine neue Bahn ???

Und welche ergiebigen Regengebiete soll es bitte in Europa (vielleicht etwas großflächig allgemein?) wieder geben?

Die Niederschlagsmenge nimmt in Deutschland zu, da ändert ein trockenes Jahr 2018 nichts daran.

Ist das Umweltbundesamt als Quelle angenehm?

https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/trends-der-niederschlagshoehe

>> Seit 1881 hat die mittlere jährliche Niederschlagsmenge in Deutschland um rund 10 Prozent zugenommen. <<



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14.09.2019

Da werden jetzt aber viele aufschreien, ob Ihrer "rot-grün-linken" Verbotserkenntnis. Dabei schauen Sie offensichtlich einfach überparteilich hin.

Aber Sie haben natürlich recht. Wer die Menschen kennt und sich ein bisschen mit der jüngeren Geschichte auskennt, weiß, dass eben ein "Kuschelkurs", ein setzen auf Freiwilligkeit, keinen Effekt haben wird.
Und ich möchte mich auch nicht mit jedem "Scheiß", jeden Tag auseinadersetzen müssen. Ich möcht gerne eine klare Regelung, um die sich gefälligst eine gute Regierung zu kümmern hat.
Das, was wir die letzten Jahre von CSU, CDU, SPD bekommen haben, war kein Regieren, sondern ein Reagieren....

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