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Porträt
23.07.2018

Kann dieser Mann US-Präsident Trump im Handelsstreit umstimmen?

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker: Kann er Donald Trump im Handelsstreit umstimmen?
Foto: Olivier Matthys/AP, dpa

Jean-Claude Juncker ist eines der bekanntesten Gesichter der EU und heute auch eines der umstrittensten. Nun geht er auf eine besonders knifflige Reise.

Wenn Jean-Claude Juncker am Mittwoch in Washington landet, wird er vermutlich an einen legendären Besuch Ende der neunziger Jahre zurückdenken. Damals war der heute 63-Jährige noch Finanzminister des Großherzogtums Luxemburg und der Start des Euro lag in der Luft.

Treffen mit Trump: Juncker kann ein Erfolgserlebnis gebrauchen

An einem Sonntagmorgen erhielt er, noch im Hotel, einen Anruf aus dem amerikanischen Finanzministerium. „Als ich hörte, dass der US-Finanzminister den Kollegen aus dem kleinen Luxemburg sprechen wollte“, erzählte Juncker später, „da wusste ich, dass der Euro ein Erfolgsprojekt werden würde.“

Ein Erfolgserlebnis könnte der inzwischen zum Präsidenten der EU-Kommission avancierte Juncker auch heute gut gebrauchen. Zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und der EU droht ein Handelsstreit die einstige Freundschaft endgültig zu zerstören. Der Präsident ist erbost über europäische Autos, EU-Importüberschüsse und Geldbußen für US-Konzerne wie Google. Juncker will ihn davon überzeugen, anstatt auf Strafzölle auf ein gemeinsames Regelwerk für fairen Handel zu setzen.

Eine Mammutaufgabe, von der in Brüssel nicht wenige befürchten, dass er ihr nicht mehr gewachsen sein könnte. Zwar galt der studierte Jurist mit seiner europäischen Erfahrung, unter anderem als langjähriger Chef der Euro-Gruppe, bei seiner Amtsübernahme 2014 als gelungene Wahl. Doch es sind Auftritte wie der beim Nato-Gipfel vor wenigen Wochen, die Zweifel an seiner Belastbarkeit aufkommen lassen.

Alkoholismus-Gerüchte belasten Jean-Claude Juncker

Juncker schwankte beim Betreten des Podiums und musste vom portugiesischen und niederländischen Ministerpräsidenten gestützt werden. Eine Ischias-Attacke nannte die Kommission als Grund. Juncker lag vor 30 Jahren nach einem Unfall mehrere Wochen im Koma und leidet seither unter Schmerzanfällen im Rücken. Zum Fest-Diner der Allianz wurde er in einem Rollstuhl geschoben. Sofort tauchten wieder Spekulationen auf, der Kommissionspräsident sei nicht erkrankt, sondern betrunken gewesen.

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Solche Gerüchte gibt es seit Jahren, sie werden nicht zuletzt durch Auftritte wie beim EU-Gipfel in Riga vor wenigen Jahren gestützt, wo Juncker mehrere Staats- und Regierungschefs unkontrolliert mit Küssen herzte und ihnen durch das Haar fuhr. Er selbst stellte bei seinem Amtsantritt klar, dass er keineswegs alkoholkrank sei. Zuvor hatte der damalige niederländischen Finanzminister Jeroen Dijsselbloem gesagt: „Er ist ein starker Raucher und Trinker.“

Dass Juncker, der die Europa-Wahl 2014 als christdemokratischer Spitzenkandidat gewann, am Ende auch auf dem Chefsessel der Kommission Platz nehmen konnte, hatten auch eine Reihe befreundeter Staats- und Regierungschefs verhindern wollen. Doch seine große Stärke, die Dinge an sich zu ziehen und dabei auch Zuständigkeiten zu übergehen, ist zugleich seine Schwäche. 2019 stellt er sich nicht mehr zur Wahl.

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