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Porträt
23.03.2017

Mit 73 zieht Oskar Lafontaine noch einmal ins Gefecht

Saarländer, die sich verstehen: Der frühere Spitzenpolitiker Oskar Lafontaine ist dort Spitzenkandidat der Linken – und hat seine Fans.
Foto: Oliver Dietze, dpa

Oskar Lafontaine hat eine Karriere voll Höhen und Tiefen erlebt. Nun ist der Linken-Politiker nur noch im Saarland aktiv. Dort möchte er bei der Wahl am Sonntag ein Signal setzen.

Verglichen mit dem, was Oskar Lafontaine in seinem politischen Leben schon erreicht hat, geht es jetzt um ein vergleichsweise kleines Ziel. Der Mann, der 13 Jahre lang Ministerpräsident, aber auch schon Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister war, könnte mit seiner Linkspartei nun Juniorpartner einer Koalitionsregierung im Saarland werden. Sofern das Ergebnis der Landtagswahl am Sonntag eine rot-rote oder rot-rot-grüne Mehrheit ergibt.

Der 73-Jährige legt sich noch einmal mächtig ins Zeug, auch wenn ihn seine angegriffene Gesundheit zwischendurch zu Ruhepausen zwingt. „Der Regierungswechsel ist greifbar nahe. Es scheint so, dass eine Wechselstimmung da ist“, sagte Lafontaine in der TV-Runde der Saar-Spitzenkandidaten. Doch noch ist laut Umfragen alles offen. Und SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger hat sich nicht festgelegt, ob sie das linke Bündnis wagen oder die Große Koalition mit der CDU fortführen will.

Das Saarland, über das in Bayern das Bonmot im Umlauf ist, es sei nur unwesentlich größer als der Landkreis Ansbach (was flächenmäßig stimmt), hat Lafontaine viel zu verdanken. Zum Beispiel, dass es zeitweise als eine Art Modellregion für Deutschland galt. Das war in den 80er Jahren. Ministerpräsident Lafontaine, der als Student in die SPD eingetreten und mit 33 Jahren bereits Oberbürgermeister von Saarbrücken war, strebte außerhalb seines kleinen Bundeslandes nach Höherem: Er wurde stellvertretender SPD-Chef und Leiter der Arbeitsgruppe „Fortschritt 90“, die das „Regierungsprogramm“ für die Zeit nach der Bundestagswahl 1990 erarbeiten sollte.

Lafontaines Aufstieg schien unaufhaltsam

In dieser Funktion begeisterte er 1989 mit einer geschliffenen und schwungvollen Rede das Publikum auf einem SPD-Fachkongress in Darmstadt. Ja zu neuen Techniken – aber nur, wenn sie sozial und ökologisch vertretbar sind, postulierte er. Die Gesellschaft müsse darüber demokratisch bestimmen. Aus heutiger Sicht waren es illusionäre Thesen – aber sie entsprachen dem Zeitgeist.

Lafontaines Aufstieg schien unaufhaltsam. Er wurde SPD-Spitzenkandidat für die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl 1990 und Herausforderer von CDU-Kanzler Helmut Kohl. Dann der dramatische Rückschlag: Im April 1990 verletzte ihn eine geistesgestörte Frau lebensgefährlich mit einem Stich in den Hals. Erstaunlich schnell kam Lafontaine nach dem Attentat in die politische Arena zurück, aber die Nachwirkungen belasteten ihn noch lange.

Die Karriere des Saarländers verlief in einem extremen Auf und Ab, wie es nur bei wenigen Politikern vorkommt. 1995 riss er mit einer fulminanten Rede die Delegierten auf dem SPD-Parteitag in Mannheim mit, die darauf ihn – anstelle von Rudolf Scharping – zum Parteichef wählten. Doch auch darauf folgte der Dämpfer: Vor der Bundestagswahl 1998 erklärte sich Gerhard Schröder im Alleingang zum Kanzlerkandidaten – und gewann. Lafontaine blieb nur das Bundesfinanzministerium. Dieses Amt und den Parteivorsitz warf er im März 1999 hin und tauchte drei Tage lang unter, eher er eine wenig überzeugende Erklärung für seinen Hals-über-Kopf-Rücktritt lieferte: „schlechtes Mannschaftsspiel“. Aus der Trennung von Schröder wurde eine Entfremdung von der SPD.

Lafontaine zog 2005 für die Linkspartei in den Bundestag ein

Doch, typisch Lafontaine, es ging für ihn noch einmal aufwärts. Er zog 2005 für die Linkspartei in den Bundestag ein. Er wurde sogar Fraktions- und Parteichef in einer Zeit, in der das Zusammenwachsen von Ost- und West-Linken teilweise schmerzlich verlief. 2010 zwang ihn eine Prostata-Krebserkrankung, sich ganz aus der Bundespolitik zurückzuziehen. Seither ist er nur noch im Saarland politisch aktiv, wo er bereits zum dritten Mal als Spitzenkandidat der Linken antritt.

Nur zu gerne würde Lafontaine, der sich auch als Autor politischer Bücher und als wortgewaltiger Talkshow-Gast im Fernsehen einen Namen gemacht hat, noch einmal ein Signal setzen: Rot-Rot-Grün im Saarland als Vorlauf für eine Koalition in denselben Farben auf Bundesebene. Damit könnte er auch seiner Frau Sahra Wagenknecht, mit der er in vierter Ehe verheiratet ist, den Weg ebnen: Die 47-jährige Co-Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag könnte im Falle eines Regierungswechsels ein wichtiges Amt in Berlin übernehmen.

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