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Porträt
22.08.2021

Mit Mikrofon und Burka: Nun musste auch Journalistin Clarissa Ward Kabul verlassen

Clarissa Ward, internationale Chefkorrespondentin des Senders CNN, in Kabul.
Foto: Brent Swails, CNN, dpa

Als eine der letzten westlichen Journalistinnen berichtete Clarissa Ward für CNN aus Afghanistan. Wer ist die 41-Jährige?

Schüsse, Beschimpfungen, Rempeleien – Clarissa Ward lebt gefährlich. Die internationale Chef-Korrespondentin des Senders CNN berichtet seit dem Fall Kabuls an die Taliban beinahe rund um die Uhr aus Afghanistan. Sie zeigt vor laufender Kamera ihr Gesicht – als Frau in einem Land, das nun von islamischen Fundamentalisten kontrolliert wird. Die 41-Jährige war eine der letzten westlichen Journalistinnen am Hindukusch - nun musste auch sie Afghanistan verlassen. Gemeinsam mit ihrem Team wurde sie am Wochenende ausgeflogen.

Ward wirkt bei ihren Auftritten so souverän, dass sie das Risiko vergessen macht, dem sich die zweifache Mutter aussetzt. „Ich fürchte mich sehr wohl“, sagt die Reporterin über sich selbst. „Ich mag keine Situationen, in denen Kugeln durch die Luft fliegen.“ Wie etwa während einer Live-Schalte am Flughafen von Kabul. „Darf ich Ihnen eine Frage stellen?“, nähert sie sich einem bewaffneten Taliban-Kämpfer, der sie ignoriert. Er sagt ihrem Producer, sie müsse ihr Gesicht verdecken. Im Hintergrund fallen Schüsse. „Das ist ein außerordentlicher Moment, Augenzeuge zu sein“, beschreibt Ward ihre Arbeit, die Menschen rund um die Welt, vor allem aber in den USA, vermittelt, was nach der Rückkehr der Taliban an die Macht passiert. „Ich habe das Gefühl aus der ersten Reihe Geschichte zu verfolgen.“

In Kriegsgebieten kennt sich Clarissa Ward aus

Ward ist aufgewachsen in Manhattan, ihre Familie hat britisch-amerikanische Wurzeln. Die Journalistin, die seit 2015 für CNN arbeitet, hat große Erfahrung in der Berichterstattung aus Kriegs- und Konfliktgebieten. Sie sendete aus dem belagerten Aleppo in Syrien und über den Krieg in Jemen, begleitete US-Kampfeinheiten in Irak und verbrachte Zeit mit den Taliban im Norden Afghanistans. Ihr hilft ein außerordentliches Sprachtalent, sie kann sich in Spanisch, Französisch und Italienisch, aber auch in Arabisch, Russisch und Mandarin verständigen.

Ihre Berufung für den Journalismus fand sie nach den Terroranschlägen des 11. September. Über Stationen bei Fox News, ABC und CBS landete sie bei ihrem jetzigen Arbeitgeber. Auch deshalb nahm sie der rechte US-Senator Ted Cruz ins Visier, der über ihre Berichterstattung twitterte: „Gibt es einen Feind Amerika, den @CNN nicht anfeuert?“ Ward hatte vor der US-Botschaft eine Gruppe Taliban gesehen, die „Tod für Amerika“ skandierten. Ward fasste die Szene zusammen: „Gleichzeitig scheinen sie freundlich zu sein. Das ist absolut bizarr.“ Der Nachsatz fiel bei ihren Kritikern unter den Tisch. Die mit dem deutschen Grafen Philipp von Bernstorff, einem Fondsmanager, verheiratete und mehrfach ausgezeichnete Journalistin nimmt es gelassen. Die Lage vor Ort beschäftigt sie mehr.

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