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USA

06.05.2020

Präsident Donald Trump und die Corona-Todeskurve

Am Lincoln-Memorial gab US-Präsident Trump ein TV-Interview.
Bild: Evan Vucci, dpa

Der Präsident will die Corona-Maßnahmen lockern, doch die Spitze der Pandemie wird in den USA erst erwartet.

Die rote Kurve auf der Grafik weist nach oben – und steuert auf einen exorbitanten Spitzenwert zu. Doch der sonst rekordsüchtige US-Präsident wird sich damit nicht brüsten: Die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in den USA droht bis Anfang Juni von 30.000 auf 200.000 hochschießen. Während in Deutschland der Trend nach unten weist, haben die mit fast 70.000 Toten von der Pandemie ohnehin am stärksten betroffenen USA das Schlimmste offenbar erst vor sich.

Prognosen stammen aus vertraulichem Bericht der Regierungsexperten

Die Modellrechnungen in dem vertraulichen Regierungsbericht, an dem das Heimatschutzministerium und die Gesundheitsbehörde CDC mitgearbeitet haben, stehen im Kontrast zur Erfolgsrhetorik Donald Trumps. „Wir sind auf der richtigen Seite. Praktisch jeder marschiert in die richtige Richtung“, verkündete der Präsident in einer Show seines Haussenders Fox im Lincoln-Memorial auf der Washingtoner Gedenkmeile. Auch dabei stachelte Trump die Gouverneure an, möglichst bald Strände, Parks und Geschäfte zu öffnen.

Trumps eigene Vorgaben für Lockerungen sind bisher nicht erfüllt

Doch nach Einschätzung der Experten sind die von Trumps Regierung selbst formulierten Voraussetzungen für Lockerungen nicht erfüllt. Die Zahl der Neuinfektionen pro Tag schwankt um 30.000. Anfang April lag die tägliche Covid-Todeszahl konstant über 1000, derzeit kommen täglich fast 2000 Tote dazu. Die neuen Schätzungen unterstellen, dass die Todeszahl durch die überstürzte Rücknahme des Lockdowns bis 1. Juni auf 3000 steigt. „Die Kosten des Kurswechsels können an der Zahl der Beerdigungen gemessen werden“, formuliert die New York Times sarkastisch.

Das Weiße Haus wiegelt ab: Die veröffentlichte Prognose spiegele nicht die Analysen der Corona-Taskforce der Regierung wider. Überprüfbar ist das nicht, denn zeitgleich hat die Regierung den Mitgliedern dieses Arbeitsstabs einen Maulkorb verpasst. Nur mit Genehmigung von Trumps Stabschefs sollen sie dem Kongress Rede und Antwort stehen dürfen. Tatsächlich hatte sich Immunologe Anthony Fauci wiederholt kritisch zu einer verfrühten Abkehr von der Stay-At-Home-Politik geäußert.

Steigt die Zahl der Toten bis August auf 134.000?

Doch selbst Trump kommt nicht umhin, seine schönfärberischen Erklärungen gelegentlich der Realität anzunähern. „Es geht in Richtung 50.000 oder 60.000“, hatte er am 20. April die Todeszahl prognostiziert. „Unser Todeszoll pro Millionen Einwohner ist wirklich sehr, sehr solide“, brüstete er sich vorige Woche. Inzwischen sind mehr als 69.000 Menschen ums Leben gekommen. Nun erklärt Trump: „Wir werden irgendetwas zwischen 75.000 und 100.000 Menschen verlieren.“ Das sei zwar furchtbar, doch ohne sein entschlossenes Handeln würde die Zahl viel höher liegen. Das wird sie wohl: Das Institut für Gesundheitsökonomie der Universität des Bundesstaates Washington erwartet inzwischen 134.000 Tote bis August. Dann hätten doppelt so viele Amerikaner wie im Vietnam-Krieg ihr Leben verloren.

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