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Thüringen-Wahl

28.10.2019

Presse: "Auch letzter Protestwähler muss kapieren, was Höcke will"

Björn Höcke und die AfD haben in Thüringen 23 Prozent der Stimmen geholt. Welche Rolle die Partei nun einnimmt, auch dazu gibt es Pressestimmen.
Bild: Martin Schutt, dpa

Pressestimmen zur Thüringen-Wahl: Nach dem Wahlsieg der Linken blicken Kommentatoren auf mögliche Koalitionen - und schreiben auch, welche Rolle der AfD zukommt.

"Der amtierende Ministerpräsident Bodo Ramelow könnte im Amt bleiben, wenn ihn ein neuer Partner wie die CDU unterstützt. Das scheint aber noch völlig aussichtslos. Obwohl, die Thüringen-Wahl mit dem Ergebnis, dass die "Parteien der Mitte" keine komfortable Mehrheit mehr haben, zwingt die CDU, jetzt über ihr Verhältnis zu einer pragmatisch agierenden Linkspartei wie in Thüringen neu nachzudenken." Mitteldeutsche Zeitung (Halle)

"Ramelow ist Wahlsieger mit dem bisher besten Ergebnis für die Linke bundesweit und steckt trotzdem in der Klemme, weil er keine Koalition zusammenkriegt. Mohring ist Wahlverlierer und steckt auch in der Klemme, weil er das bisher schlechteste Ergebnis für seine Partei in Thüringen eingefahren hat. Da sind zwei in der Bredouille, aber Ramelow dürfte den längeren Atem haben. Nach jetzigem Stand gibt es eigentlich nur zwei Optionen: Entweder es rauft sich zusammen, was (bislang) nicht zusammengehört oder es gibt irgendwann Neuwahlen. Letzteres scheint am wahrscheinlichsten." Leipziger Volkszeitung

Presse zur Thüringen-Wahl: "Gleichsetzung von Linken und AfD ist absurd"

"Der beinahe historische Wahlsieg der Linken geht nahezu komplett auf das Konto von Bodo Ramelow. Sachorientiert, undogmatisch, für einen Roten ziemlich bürgerlich. Dennoch reicht es nicht für die Fortführung der bisherigen Koalition mit SPD und Grünen. Die Sitzverteilungs-Arithmetik im Erfurter Landtag macht es schwierig, eine stabile, arbeitsfähige Regierung zu bilden. Am solidesten unter den machbaren Optionen wäre sicher die Zusammenarbeit mit der CDU. Dafür müssen jedoch auf beiden Seiten massive Vorbehalte aus dem Weg geräumt werden." Magdeburger Volksstimme

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"Linke und CDU müssten über eigene Schatten springen, aber unüberwindlich wären die politischen Widersprüche nicht. Auch die Thüringer würden sich mit einem solchen Bündnis arrangieren. Allein: Die CDU hat sich festgelegt und will weder mit der AfD noch mit den Linken regieren. Das könnte zur Krise führen. Ohne Not. Denn die Gleichsetzung von Linken und AfD ist absurd." Märkische Oderzeitung

"Gut, dass sich alle Parteien klar von der AfD distanziert haben. Schlecht, dass das dem Wähler in Thüringen egal ist. Unfassbar, dass sich mehr als 23 Prozent für Björn Höckes völkischen Kurs entschieden haben. Dabei müsste auch der letzte Protestwähler kapiert haben, was Höcke will: eine andere Republik." Der Neue Tag (Weiden)

"Bodo Ramelow als beliebter Ministerpräsident hat von seinem Amtsbonus profitiert. Das wird die Linke stärken, das ostdeutsche Wählerverhalten vom westdeutschen weiter abkoppeln. Ramelows Erfolg macht aber auch deutlich, welch große Bedeutung ein Spitzenkandidat hat." Frankfurter Neue Presse

Kommentar zur Thüringen-Wahl: "Die CDU muss sehen, wo sie bleibt"

"Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der AfD in Thüringen, Björn Höcke, vertritt rechtsextremes und rassistisches Gedankengut. Dies ist kein Geheimnis, im Gegenteil. Und dennoch konnte die AfD am Sonntag ihre Abgeordnetenzahl im thüringischen Landtag verdoppeln. Eine offen verfassungsfeindliche Haltung ist im heutigen Deutschland kein hinreichender Grund mehr, nicht von einer großen Zahl gewählt zu werden." Stuttgarter Nachrichten

"Die CDU könnte es noch einmal bedauern, dass sie ihren Unvereinbarkeitsbeschluss für Koalitionen kategorisch sowohl für die AfD als auch für die Linke gefasst hat. Denn in Erfurt hat Ministerpräsident Bodo Ramelow die Partei mit Abstand zur stärksten Kraft gemacht und das Land keineswegs wirtschaftlich ruiniert oder gespalten. Im Gegenteil. Skandale, große Krisen gab es keine." Rhein-Zeitung

"CDU und FDP haben sich auch gegen ein Bündnis mit der Linkspartei ausgesprochen. Vor allem bei den Christdemokraten schlägt da ein schon fast automatischer Abneigungs-Reflex durch: Mit den „roten Socken“, der „SED-Nachfolgepartei“ wollen die Schwarzen nichts zu tun. Kann man so halten, nur dann muss die Mohring-Truppe nun sehen, wo sie bleibt." Augsburger Allgemeine (zian)

Lesen Sie hier den ausführlichen Kommentar: Thüringen-Wahl: Parteien müssen sich von ihren Feindbildern lösen

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