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Auswanderung

06.01.2014

Rumänien und Bulgarien bluten aus: Geistige Eliten im Ausland

Die Fahnen von Rumänien und Bulgarien neben Flaggen der EU.
Bild: Vassil Donev (dpa)

Immer mehr gebildete Menschen zieht es weg aus Rumänien und Bulgarien. Die Auswanderung fällt ihnen mit der europaweiten Freizügigkeit leichter - den Ländern fehlen Fachkräfte.

In Deutschland wird hitzig debattiert, ob etwa zu viele Bulgaren und Rumänen dank der europaweiten Freizügigkeit ins Land kommen, auf der Suche nach Arbeit und Sozialleistungen, als "Armutseinwanderer". In Sofia und Bukarest wird über das Problem mit einem ganz anderen Tonfall geklagt: Schon seit Jahren bluten Wissenschaft, Wirtschaft und Gesundheitssystem aus, weil allzu viele der schlauen und gut ausgebildeten Köpfe ihr Glück im Ausland suchen.

Wissenschaftler suchen Glück im Ausland

"Zwei von drei Wissenschaftlern am Institut für Mathematik von Sofia sind in den vergangenen 15 Jahren abgewandert", sagt Michail Konstantinow, Professor an der Technischen Universität der bulgarischen Hauptstadt. "Und dass nun die letzten Hürden in der EU gefallen sind, macht es noch leichter."

Seit dem 1. Januar haben die Bürger beider Länder das Recht, in allen anderen 26 EU-Ländern zu arbeiten. Zuvor gab es in Deutschland und acht anderen Staaten noch Beschränkungen. Das verhinderte aber nicht, dass seit dem Fall des Eisernen Vorhangs schon drei Millionen Rumänen und eine Millionen Bulgaren ihrer Heimat adieu gesagt haben.

Rumänien und Bulgarien bluten aus: Geistige Eliten im Ausland

Hellste Köpfe studieren in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der Niederlande

Und dem Exodus schließen sich nicht nur gut ausgebildete Experten an. Viele junge Menschen zieht es in die Ferne, sobald sie ihre Hochschulreife in der Tasche haben. Ein Großteil der heimischen Studenten habe ein beklagenswert schlechtes Niveau, sagt Konstantinow. Denn ein Großteil der hellsten Köpfe studiert längst im Ausland.

Und wer zum Studieren in der Heimat bleibt, der geht dann spätestens nach der Zwischenprüfung. Die beliebtesten Zielländer seien neben Deutschland und Frankreich Großbritannien und die Niederlande, sagt Gergana Krastewa, Vizedirektorin der angesehenen französischsprachigen Oberschule in Sofia. Und die meisten gingen "mit dem Ziel, zu bleiben".

Denn die heimischen Unis könnten den jungen Leuten nicht die Qualifikationen vermitteln, die sie bräuchten, um bei internationalen Unternehmen zu punkten. Oder die Studenten fürchten, dass es nach dem Studium schlicht keine interessanten Jobs in der Heimat gibt. Der 21-jährige Swilen Maltschew, Absolvent eines Mathematik-Gymnasiums in Sofia, träumt deswegen von Deutschland. Er möchte Ingenieur in der Automobilindustrie werden und dafür zunächst einmal in ein Austauschprogramm mit einer Hochschule in Karlsruhe einsteigen.

Rumänien: Seit 1990 sind 21.000 Ärzte ausgewandert

Katastrophal sind die Auswirkungen des "brain drain" im Gesundheitssystem. "21.000 rumänische Ärzte sind seit 1990 ins Ausland gegangen", sagt der Vorsitzende des rumänischen Ärztebundes, Vasile Astarastoae. 2000 hätten sich in Deutschland niedergelassen, 4300 in Frankreich, 4500 in Großbritannien.

Alleine in den vergangenen zwei Jahren sei die Zahl der Ärzte in Rumänien um 30 Prozent eingebrochen. "Einige Krankenhäuser haben nur noch einen einzigen Anästhesisten, das hält die Arbeit erheblich auf." Auch Krankenschwestern und Pfleger seien in Scharen abgewandert.

Die Gründe liegen auf der Hand, bemerkt Mariana Kirilowa, die den Rettungsdienst im bulgarischen Bezirk Weliko Tarnowo leitet und auf 28 Arbeitsjahre zurückblickt. "Ich verdiene im Monat 940 Lew (480 Euro)." Wer in Deutschland als junger Arzt in den Beruf starte, bekomme 2.200 Euro. afp/AZ

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