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Rundfunk
01.07.2021

Die Senderwechslerin: ARD-Journalistin Tina Hassel will ZDF-Intendantin werden

Tina Hassel leitet das ARD-Hauptstadtbüro.
Foto: Maurizio Gambarini, dpa (Archivfoto)

Tina Hassel, ausgewiesene ARD-Journalistin, will beim ZDF zur Intendantin aufsteigen. Das gefällt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk beileibe nicht jedem.

Man könnte sich als Laie ja durchaus vorstellen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF eine große Senderfamilie darstellen. Immerhin bekommen beide jede Menge Gebührengeld, immerhin sind beide einem öffentlichen Auftrag verpflichtet – und immerhin stellt sich beiden die Herausforderung, ob sie auch in fünf, zehn, zwanzig Jahren noch irgendein Mensch unter 50 einschalten wird.

In der Realität ist es natürlich zwischen den beiden Sendern so, wie es in Familien oft ist: kompliziert. Und deswegen gilt es als viel diskutierte Sensation, dass für den Top-Posten beim ZDF – das am Freitag die Nachfolge des langjährigen Intendanten Thomas Bellut klären muss – eine waschechte ARD-Frau in der Endauswahl steht: Tina Hassel, 57, derzeit Leiterin des ARD-Hauptstadtbüros, zuvor Korrespondentin etwa in Brüssel, Paris und Washington.

Einige im Fernsehrat sehen Tina Hassel kritisch

Manche im ZDF-Fernsehrat (diesem Gremium von 60 Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, das über die Intendanz entscheidet) empfinden die Kandidatur der gebürtigen Kölnerin gar als Affront. Andere sagen, Hassel sei nur eine Quotenfrau – und zwar gar nicht wegen ihres Geschlechtes, sondern weil sie Kandidatin des politisch linken Flügels im Fernsehrat sei, während dort die bürgerlichen Kräfte eher den zweiten Bewerber, ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler, favorisierten. Ungewöhnlich offen wurde also die Bewerberin Hassel kritisiert – wegen ihrer angeblich hölzernen Moderationen oder wegen eines Tweets, in dem sie vor Jahren die Aufbruchstimmung bei den Grünen nach der Wahl von Baerbock und Habeck zum neuen Führungsduo lobte. Das schien vielen ein Beleg dafür zu sein, dass die ARD zu eng mit den Grünen kuschele.

Hassel ist Journalistin durch und durch

Wer Hassel im Berufsleben erlebt hat, weiß: Sie ist vor allem Journalistin, gewiss keine Parteipolitikerin. Ihre besondere Leidenschaft gilt den USA, wo sie die Aufbruchstimmung während der Obama-Jahre beschrieb, aber auch den raschen Abbruch manches Hoffnungsprojekts. Sie war sich nicht zu schade, als rasende Reporterin auch mal nachts aufzubrechen, das brachte ihr den Spitznamen „Nachrichtenlady“ ein. Ihr Mann, ein Arzt, kümmerte sich dann oft um die drei Kinder. Bei ihrer Kandidatur betonte Hassel, sie wolle vor allem jüngere Zuschauer erreichen. In den USA konnte sie sehen, wie schwer diese noch fürs TV zu gewinnen sind. Das wird die größte Herausforderung sein für jeden ZDF-Intendanten, auch für Konkurrenten Himmler, der als Programmdirektor frische Gesichter wie Jan Böhmermann an den Sender band. Himmler gilt als Favorit bei der Abstimmung – manche munkeln, Hassel wolle nur einen Achtungserfolg erringen, um sich für die Intendanz bei ihrem Heimatsender WDR zu empfehlen. So bliebe auch alles in der Familie.

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