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Russland
24.08.2020

Berliner Charité: Hinweise auf Vergiftung von Alexej Nawalny

Alexej Nawalny wird in der Charité in Berlin behandelt.
Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

Der Kremlkritiker Alexej Nawalny wird in der Berliner Charité behandelt. Bundeskanzerlin Merkel und Außenminister Maas fordern lückenlose Aufklärung des Falls von Russland.

Ärzte der Berliner Charité gehen davon aus, dass der Kremlkritiker Alexej Nawalny vergiftet wurde. Darauf wiesen klinische Befunde hin, teilte die Klinik am Montag in Berlin mit. Der Gesundheitszustand Nawalnys sei ernst, es bestehe aber keine akute Lebensgefahr.

Giftanschlag auf Alexej Nawalny? Charité kann Spätfolgen für das Nervensystem nicht ausschließen

Der Ausgang der Erkrankung bleibe unsicher und Spätfolgen, insbesondere im Bereich des Nervensystems, könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, so die Sprecherin.

Nawalny ist seit Jahren einer der bekanntesten Widersacher von Kremlchef Wladimir Putin und der führende Kopf der liberalen Opposition. Auf den Regierungskritiker hatte es schon mehrfach Anschläge gegeben. Der Aktivist hat sich mit seinen Recherchen zu Korruption und Machtmissbrauch viele Feinde gemacht. Nawalny spricht dieses Thema so deutlich an wie kaum jemand sonst in Russland.

Fall Nawalny: Angela Merkel fordert Russland auf, die Tat aufzuklären

Die Bundesregierung rief Moskau erneut eindringlich zur Aufklärung auf. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) forderten am Montag in einer gemeinsamen Erklärung in Berlin: "Angesichts der herausgehobenen Rolle von Herrn Nawalny in der politischen Opposition in Russland sind die dortigen Behörden nun dringlich aufgerufen, diese Tat bis ins Letzte aufzuklären - und das in voller Transparenz." Die Verantwortlichen "müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden". "Wir hoffen, dass Herr Nawalny wieder ganz genesen kann. Unsere guten Wünsche gelten auch seiner Familie, die eine schwere Prüfung durchmacht", schrieben Merkel und Maas weiter. Der Name von Russlands Präsident Wladimir Putin wird in der Erklärung nicht erwähnt.

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch bestätigte bei Twitter die Diagnose. "Sein Zustand ist stabil, aber er liegt noch im Koma." Nawalnys persönliche Ärztin Anastassija Wassiljewa twitterte: "Alexej ist stark, er kommt durch. Ich habe keine Zweifel."

Womit wurde Alexey Nawalny vergiftet? Ärzte suchen noch

Die konkrete Substanz sei bisher nicht bekannt. Die ersten  Untersuchungen deuteten aber auf eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer hin, hieß es von der Charité. Nawalny werde nun mit dem Gegenmittel Atropin behandelt. Die Wirkung des Giftstoffs sei mehrfach und in unabhängigen Laboren nachgewiesen worden. Der Ausgang der Erkrankung bleibe unsicher und Spätfolgen, insbesondere im Bereich des Nervensystems, könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, so die Sprecherin.

Cholinesterasen sind körpereigene Enzyme, sie sind im Stoffwechsel unverzichtbar für den Abbau bestimmter Stoffe, insbesondere des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn. Sogenannte Cholinesterase-Hemmer hemmen dieses Enzym. Sie sind als Medikamente auch in Deutschland auf dem Markt. Sie werden etwa bei Alzheimer-Demenz eingesetzt und sollen bei den Patienten die Kommunikation zwischen Nervenzellen anregen und so den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit zumindest leicht verzögern.

Hemmend auf das Enzym wirkende Substanzen können aber auch in Pflanzenschutzmitteln oder chemischen Waffen enthalten sein. Alkylphosphate in Pflanzenschutzmitteln etwa hemmen die Acetylcholinesterase. Als Sofortmaßnahme bei einer Alkylphosphatvergiftung gilt die Gabe von Atropin als Gegengift. Die Erholung des Enzyms dauert mehrere Wochen.

Alexej Nawalni liegt seit Donnerstag im Koma

Der prominente russische Oppositionelle liegt bereits seit Donnerstag im Koma. Zunächst wurde er in einem Krankenhaus in Sibirien versorgt, am Wochenende aber in die Charité überstellt. Erst nach stundenlangem Hin und Her hatten die Mediziner in Omsk am Freitag ihre Bedenken gegen einen Transport nach Deutschland fallen gelassen.

Einer der behandelnden Ärzte in Omsk sagte der Agentur Interfax zufolge, die Tests bei Nawalny auf Cholinesterasen seien negativ ausgefallen. Er sei auf verschiedene Betäubungsmittel und andere synthetische Substanzen hin untersucht worden.

Die russischen Ärzte hatten zunächst von Stoffwechselproblemen gesprochen. Für eine Vergiftung, wie sie sein engster Kreis bereits vermutet hatte, gebe es keine ausreichenden Belege, hieß es. Die Klinik in Omsk erklärte am Montag, dass sie die Ergebnisse der Labortests und anderer Proben ihren deutschen Kollegen zur Verfügung stellen wolle. MRT-Aufnahmen seien bereits an die Charité überreicht worden. Aus Berlin sei im Gegenzug ein Brief eingetroffen, in dem sich die Mediziner für die Zusammenarbeit bedankt hätten, teilten die Gesundheitsbehörden mit.

Alexej Nawalny bricht im Flugzeug zusammen - jetzt bewacht ihn das BKA

Noch immer sind die genauen Umstände des Falls unklar. Nawalny hatte bei einer Reise in Sibirien in einem Flugzeug unter Schmerzen das Bewusstsein verloren. Zudem wurde bekannt, dass er bei dem Aufenthalt in Sibirien von Sicherheitskräften beschattet worden sein soll.

In der Klinik wird er von Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) bewacht. "Schließlich handelt es sich um einen Patienten, auf den mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein Giftanschlag verübt worden ist", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin, noch bevor die Charité ihre Untersuchungsergebnisse bekannt gab.

Nawalnys Team warf den russischen Ärzten vor, unter Druck der Behörden agiert zu haben. Sie hätten "lange auf Zeit gespielt, bis das Gift wohl nicht mehr in Nawalnys Körper nachweisbar war", sagte Nawalnys Mitarbeiterin Ljubow Sobol dem Spiegel.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sagte dem Spiegel: "Obwohl ein starker Verdacht schon bestand, ist die Gewissheit der Vergiftung schockierend und eine abstoßende Politik der russischen Führung." Die Politik der Vergiftung bestehe darin, Oppositionelle heimtückisch auszuschalten. "Jede Naivität und Verharmlosung, die immer wieder gerade auch in Deutschland gegenüber Russland empfohlen wird, ist deplatziert." (dpa)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Fall Nawalny: Putin verspielt letzten Rest an Vertrauen bei Merkel

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24.08.2020

Jetzt geht schon wieder das Geheule los, dass die Ergebnisse nicht richtig sind, die Ärzte Vorgaben bekommen und in Russland alles neutral und transparent geschieht. So wie die Todesfälle zahlreicher Opposotioneller und kremlkritischen Journalisten natürlich und ganz normal waren. Was wäre los würde nur ein Herr Gauöand bei einemVerkehrsunfall mit Fahrerflucht ums Lebenkommem .... und das ist sogar noch wenig mysteriös im Vergleich zu Todesfällen in Russland.

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24.08.2020

Cholinesterase-Hemmer werden zur Behandlung einer Demenz eingesetzt.
Quelle: https://www.alzheimer.de/alzheimer/behandlung/cholinesterasehemmer.html
Es gibt bestimmt wirksamere "Medizin" um jemand( gewollt) um die "Ecke" zu bringen.

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24.08.2020

Ein Wirkstoff kann so oder so eingesetzt werden. Der verdächtige Wirkstoff wird auch in Kampfmittel eingesetzt.
Gifte können in geringer Dosierung Medizin sein. Etwas mehr tödlich. Oder nehmen Sie bei Kopfschmerzen 30 Aspirin? Fragen Sie mal Ihren Apotheker welche Wirkstoffe höher dosiert tödlich sind. Sie werden staunen.
Übrigens das als Gegenmittel im Artikel erwähnte Atropin gilt als sehr giftig .... übrigens gehört bei der Bundeswehr zur Anti-ABC-Ausrüstung eines Soldaten Atropinspritzen.

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24.08.2020

Die mögliche Vergiftung wird bis jetzt nur vom Umfeld des Herrn Nawalny als Fakt dargestellt. Und von den Medien
mantraartig verbreitet.
Warten wir einfach die Fakten ab; wobei ich so meine Zweifel habe, diese unvoreingenommen zu bekommen. So lässt sich das Anti-Russland und Anti-Putin-Pferdchen besser reiten.

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24.08.2020

Nawalny wird in einer „humanitären“ Aktion eines privaten Unternehmen nach Deutschland überstellt. Dort wird er dann plötzlich von der Bundeswehr in Empfang genommen und vom Zoll durchgewunken (Einreise!).
Wenige Stunden später wird er zum „Gast des Kanzlers“ deklariert und mit massiven Polizeiaufgebot bewacht.

Russische Ärzte fanden keinen Verdacht auf Vergiftung in Analysen und haben die Überstellung nach Deutschland frei.
Noch bevor Ärzte der Charité mit Untersuchungen begannen war der BPK bereits klar, dass es sich um Vergiftung handle.
Abgesehen davon, dass noch keine Vergiftung festgestellt ist, ist auch überhaupt nicht nachgewiesen, wer dafür verantwortlich ist.

Trotzt all dem und dem noch fehlen jeglicher Information ist sich die Regierung bereits sicher und schreit nach Sanktionen.

Da werde ich doch sehr stutzig bei solche einer voreiligen Vorgehensweise „nach Skript“. Neutral, unvoreingenommen und objektiv ist das ja sicher nicht!

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24.08.2020

"Russische Ärzte fanden keinen Verdacht auf Vergiftung"

Natürlich nicht. Schließlich haben sie wenig Lust darauf, als Opfer auf ihren eigenen Tischen zu liegen.

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24.08.2020

@ Robert M.

Das ist jetzt aber keine Grundlage um Gegenteiliges anzunehmen, oder?

Ich darf daran erinnern, dass bei uns auch Kronzeugen vom VW-Skandal mysteriös im Auto verbrennen, oder Nestlé Gewerkschaftler Tot in der Wohnung aufgefunden werden. Bevor wir also den Finger heben, bin ich dafür, dass wir vor der eigenen Türe kehren.
Momentan habe ich den Eindruck, dass wir uns mit innenpolitischen Themen anderer Staaten befassen, um die eigenen Probleme - von denen dieses Land reichlich hat - nicht sehen zu müssen.

Um das nochmal klar zu stellen: ich habe in meinem Kommentar in keinem Satz die russisch Regierung verteidigt oder mir irgend ein Urteil zur Sache erlaubt.
Ich habe nur kritisiert, dass hier - OHNE Beweise, OHNE Daten, OHNE Objektivität - "Fakten" geschaffen werden.
Oder wie erklären Sie sich, dass der Ruf nach Sanktionen noch vor der Landung in Deutschland ertönte? Wie erklären Sie sich, dass die Bundesregierung noch vor Untersuchungen durch die Charite bereits von einer Vergiftung ausging?

Bezugnehmend auf Ihren Kommentar möchte ich doch mal Stark bezweifeln, ob die Erklärungen, die folgen werden, der Wahrheit entsprechen, wenn Sie doch aus einem Haus kommen, welches von duzenden Spezialkräften umstellt ist, die Bundeswehr interveniert, und die Chefetage der Regierung persönlich einschritt? Für mich stinkt das zum Himmel!

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24.08.2020

"Neutral, unvoreingenommen und objektiv ist das ja sicher nicht!"
Da haben Sie völlig Recht. Aber diesem Anspruch wird kein Land, nicht die Modien oder sonstwer gerecht.
Wie können in Deutschland (meist) recht frei leben. Die Wahrheit und die Hintergründe erfahren werden wir nie.

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24.08.2020

@Michael G.
Sind schon Sanktionen verhängt worden. Das einige gleich danach schreien ist ein Anzeichen für freie Meinungsäußerung.
Aufgrund der Vorfälle der letzten Jahre ist die Wahrscheinlichkeit einer Vergiftung halt deutlich höher als eine plötzlich auftretende Stoffwechselkrankheit.

Das war so klar, dass nun unterstellt wird, dass die Ärzte um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie nicht von einer Vergiftung berichten würden ..., vermutlich sindfür die Morde der letzten Jahre in Russland der BND verantwortlich um Putin in ein schlechtes Licht zu rücken.
Wieso können bei uns Querdenken jedes WE hier demonstrieren? Die AfD ohne Angst die Regierung kritisieren. Teilweise mir Volksgerichten drohen. Ohne das jemand plötzlich verstirbt?

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