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23.02.2018

Russlands dunkle Rolle in Syrien

Oft trifft es Kinder. Brutaler Bombenkrieg gegen Ost-Ghuta.

Wie Moskau die Eskalation beschleunigt

Die Bomben und Granaten auf Ost-Ghuta schlagen täglich ein, oft über Stunden. Auch am Donnerstagmorgen sind Explosionen zu hören, als der Aktivist Masen al-Schami über Telefon die Lage in dem eingeschlossenen Rebellengebiet nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus beschreibt. „Dutzende Granaten fallen jede Minute“, sagt al-Schami. Wegen der Angriffe könne sich niemand auf die Straße wagen, nicht einmal die Helfer, um Verletzte zu versorgen.

Dann schreit Masen al-Schami plötzlich nach einer der Explosionen. Erst Stunden später ist der Aktivist wieder zu erreichen. Seit Tagen erlebt Ost-Ghuta die schlimmste Angriffswelle der Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Aktivisten sprechen von einem „Massaker“, „Völkermord“ und „Holocaust“. Mehr als 300 Zivilisten wurden Aktivisten zufolge seit Sonntag getötet, mehr als 1700 verletzt.

Seit 2013 belagern syrische Regierungstruppen das Gebiet, Güter kommen nur über Schmugglertunnel hinein. Rund 400000 Menschen sind in Ost-Ghuta fast vollständig von der Außenwelt abgeschlossen. Wegen der Blockade sind Nahrungsmittel knapp, Strom gibt es ohnehin nicht. Vor rund einer Woche erreichte ein Konvoi die Region, der erste nach mehr als zwei Monaten. An Bord der Lastwagen waren Güter für gerade einmal 7200 der Männer, Frauen und Kinder in dem Gebiet. Oppositionelle werfen der Regierung in Damaskus vor, die Hilfe absichtlich zu blockieren. Syriens Regierung verweist ihrerseits auf Granaten, mit denen Rebellen Viertel in Damaskus beschießen. Die Strategie der Assad-Anhänger: Sie bombardiert ein belagertes Gebiet so lange, bis die Rebellen zur Aufgabe bereit sind.

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Die Opposition gibt auch Russland, Syriens Schutzmacht, eine Schuld an der Eskalation. Moskau habe 2017 ein Abkommen über den Abzug der 240 in Ost-Ghuta aktiven Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida nicht umgesetzt, sagte der Sprecher der islamistischen Miliz, Failak Al-Rahman, Wail Olwan, in einem TV-Interview. Demnach wollte Russland die Dschihadisten in dem Gebiet lassen, um einen Vorwand für Angriffe zu haben. „Eine politische Lösung heißt nach russischer Lesart Bombardierung von Zivilisten, Zerstörung der Infrastruktur, Blockade und Aushungern bis zur Kapitulation gegenüber Assad.“ Nicht nur Aktivisten aus Ost-Ghuta, sondern auch regierungstreue syrische Medien berichten, russische Jets seien an den Angriffen beteiligt. Eine Quelle im Moskauer Verteidigungsministerium bestätigte der Zeitung RBK, russische Kampfflugzeuge seien im Einsatz. Ob diese auch Bomben werfen, ließ der Informant aber offen. „Das ist haltlos, völlig unklar, auf was die Vorwürfe basieren“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dazu. Thomas Körbel

und Jan Kuhlmann, dpa

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