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Schloss Bellevue
21.10.2018

Der Bundespräsident muss bald umziehen

Erst 20 Jahre alt, aber schon sanierungsbedürftig: Das „Präsidenten-Ei“ neben dem Schloss Bellevue.
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Erst 20 Jahre alt, aber schon sanierungsbedürftig: Das „Präsidenten-Ei“ neben dem Schloss Bellevue.
Foto: Stephanie Pilik, dpa

Exklusiv Der Amtssitz von Frank-Walter Steinmeier muss komplett saniert werden. Die Erneuerung von Schloss Bellevue wird einen dreistelligen Millionenbetrag kosten.

Obdachlos wird der erste Mann im Staate sicherlich nicht werden. Notfalls kann Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem zweiten Amtssitz am Rhein in Bonn residieren, in der noblen Villa Hammerschmidt, in der von 1950 bis 1994 seine Vorgänger wohnten und arbeiteten. Gleichwohl läuft derzeit die Suche nach einer ebenso repräsentativen wie geeigneten Immobilie in Berlin auf Hochtouren, wo er seiner Arbeit nachgehen und auch Staatsgäste empfangen kann – und wo auch der Großteil seiner rund 180 Mitarbeiter untergebracht werden kann.

Denn sowohl das klassizistische Schloss Bellevue im Großen Tiergarten an der Spree als auch der erst 20 Jahre alte Neubau des Bundespräsidialamtes im Park des Schlosses, wegen seiner elliptischen Form auch „Präsidenten-Ei“ genannt, müssen nach Informationen unserer Zeitung in den kommenden Jahren umfassend saniert und modernisiert werden. Es droht eine jahrelange Großbaustelle. Das für alle Baumaßnahmen des Bundes zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) bestätigte auf Anfrage die Informationen unserer Redaktion.

Beim Verwaltungsgebäude des Bundespräsidialamtes, das 1998 nach Plänen der Frankfurter Architekten Martin Gruber und Helmut Kleine-Kraneburg für rund 46 Millionen Euro als erstes Gebäude des Bundes im Rahmen des Regierungsumzuges von Bonn nach Berlin fertiggestellt wurde, bestehe „bei der technischen Gebäudeausrüstung Sanierungs- und Erneuerungsbedarf, nicht zuletzt im Bereich des Brandschutzes“, sagte eine Sprecherin des Amtes.

Schloss Bellevue: Technik stammt aus den 80er-Jahren

Das unter Denkmalschutz stehende Schloss Bellevue wurde zwischen 2004 und 2005 „aufgrund des geringen zur Verfügung stehenden Zeitfensters nur in Teilen instandgesetzt“. Nun stünden weitere Restaurierungen sowie die Erneuerung der Technik an, „die zum Teil aus den 1980-er Jahren stammt“. Das Verwaltungsgebäude und das Schloss Bellevue seien technisch eng miteinander verbunden, so die Sprecherin weiter. „Das eine Gebäude kann nicht ohne das andere betrieben werden. Deswegen werden beide Gebäude in die künftigen Planungen miteinbezogen.“

Nach Angaben des Bundesamtes laufen derzeit „erste Vorüberlegungen“, unter anderem Machbarkeitsstudien. „Art und Umfang der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen werden erst im Zuge der 2019 beginnenden Planungsphase erarbeitet.“ Aus diesem Grund seien auch noch keine Aussagen über Umfang, Kosten und den terminlichen Rahmen der Sanierungsmaßnahmen möglich.

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Im Haushaltsausschuss des Bundestags schätzt man dagegen, dass die Sanierungsarbeiten mindestens drei Jahre dauern werden und einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag kosten werden. Denn im Präsidialamt entspreche der gesamte Brandschutz nicht mehr dem heutigen Standard, er müsse komplett erneuert werden. Zudem sei das Amt nach gerade einmal 20 Jahren „zu klein“ und „unfunktional“, kritisieren Abgeordnete. Es gebe zu wenig Büros, die Küche sei nicht für größere Empfänge ausgerichtet. Daher gebe es Überlegungen, im Rahmen der Sanierung das Amt um ein Stockwerk zu erhöhen, um weitere Büros zu schaffen.

Mitarbeiter bei Veranstaltungen „eingesperrt“

In Schloss Bellevue muss wohl nicht nur das Dach saniert werden, sondern auch die gesamte Technik. So gebe es bis heute keine funktionierende Klimaanlage, was bei größeren Empfängen oder Staatsbanketten spürbare Auswirkungen habe, außerdem müsste auch die Heizung umfassend erneuert werden, heißt es weiter in den Unterlagen des Haushaltsausschusses. Und die Mitarbeiter, die im rechten Seitenflügel des Schlosses ihre Büros hätten, seien bei offiziellen Veranstaltungen in ihrem Trakt regelrecht „eingesperrt“ und könnten nicht einmal auf die Toilette gehen, da es in diesem Bereich keine gebe.

„Das Schloss wurde nur in den Grundzügen funktionstüchtig gemacht“, sagt ein Abgeordneter unserer Redaktion, „jetzt versagt die Technik nach und nach.“ Roman Herzog, Bundespräsident von 1994 bis 1999, der als bislang einziges Staatsoberhaupt auch in dem Schloss wohnte, nannte Bellevue einmal respektlos eine „Bruchbude“, in der ständig der Strom ausfalle. „Und stinken tut’s immer.“ Unter seinem Nach-Nachfolger Horst Köhler wurde es 2004/05 für rund 24 Millionen Euro umgebaut und modernisiert.

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