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Schule
08.07.2015

Soll die Schule erst um 9 Uhr beginnen?

Soll Schule erst um 9 Uhr beginnen? Darüber wird heftig diskutiert.
Foto: Symbolbild, Julian Stratenschulte (dpa)

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) schlägt einen späteren Unterrichtsbeginn in Bayern vor. Nicht alle können sich mit dem Modellversuch anfreunden.

Schulbeginn um 9 Uhr statt wie bisher um 8 Uhr ist in bayerischen Schulen in Zukunft vorstellbar. Zumindest, wenn es nach Simone Fleischmann, der Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), geht. Sie hat einen Modellversuch ins Gespräch gebracht, der einen späteren Unterrichtsbeginn erproben soll.

Hinter ihrem Vorschlag steht eine Debatte, die Familienministerin Manuela Schwesig angestoßen hat. Im Gespräch mit dem Magazin Spiegel sagte die SPD-Politikerin, dass sich viele Familien morgens eine Entschleunigung wünschten. Auch wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Schüler von einem späteren Unterrichtsbeginn profitieren würden.

In der Pubertät können Schüler morgens nicht so viel leisten

Fleischmann weiß das aus eigener Erfahrung: „Morgens sind viele Jugendliche nicht auf der Höhe ihrer Leistungskurve.“ Gerade in der Pubertät merke man deutlich, dass sie morgens nicht so viel leisten können. Deshalb kann sie sich vorstellen, den späteren Schulbeginn in einem Pilotprojekt zu testen. „Das Wichtigste ist, dass alle an einem Strang ziehen“, sagt sie und meint die Eltern genauso wie die Schüler und Lehrer. Der Unterrichtsbeginn dürfe nicht von oben herab verordnet werden. „Man müsste es ausprobieren und nach zwei, drei Jahren sagt man: Das hat funktioniert oder nicht und entscheidet neu“, sagt Fleischmann.

In Bayern gibt es keinen gesetzlich festgeschriebenen Schulbeginn

Theoretisch möglich wäre ein solches Pilotprojekt, denn in Bayern gibt es keinen gesetzlich festgeschriebenen Schulbeginn. „Die Schulordnung legt lediglich fest, dass Grund- und Mittelschulen in der Regel um 8 Uhr beginnen sollten“, sagt Henning Gießen, Sprecher des bayerischen Kultusministeriums. In allen anderen Schularten liegt es am Schulleiter, darüber zu entscheiden. „Es ist natürlich wichtig, dass alle Betroffenen gleich über das Thema denken“, sagt Gießen.

Und genau da liegt der Knackpunkt. Susanne Arndt, Vorsitzende der Landeselternvereinigung, vertritt die Meinung, dass ein späterer Unterrichtsbeginn Eltern vor Probleme stellt. „Ich kann mir vorstellen, dass es im Alltag schwieriger werden würde. Weil die Arbeit ja nicht später anfängt“ , sagt sie. Wie schwer es immer noch ist, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren, zeigt auch eine aktuelle Studie, die Familienministerin Manuela Schwesig gestern präsentierte.

Kultusministerium sieht im Nahverkehr ein weiteres Problem

Auch die Schüler sehen zwar Vorteile, wenn der Unterricht später anfängt, sie sind aber auch besorgt: „Wir können nicht unterstützen, dass Schüler vor allem beim Nachmittagsunterricht noch später aus der Schule kommen“, sagt Landesschülersprecher Benjamin Brown. So bleibe weniger Zeit für Hobbys.

Aus Sicht des Kultusministeriums gibt es ein weiteres Problem: den Nahverkehr. Viele Schüler kommen mit dem Bus zur Schule, die Fahrpläne müssten also geändert werden. Die Verkehrsunternehmen sehen das als Chance. Gerrit Poel, Geschäftsführer des Landesverbandes der Verkehrsunternehmen, sagt: „Einen gestaffelten Unterrichtsbeginn würden wir begrüßen. Damit wäre der Verkehr am Morgen entzerrt.“

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