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28.06.2017

Steinmeier: Antisemitismus nimmt zu

100 Jahre Synagoge Augsburg

Heute kommt der Bundespräsident zur 100-Jahr-Feier in die Augsburger Synagoge. Im Interview mit unserer Zeitung plädiert er für ein „gutes Miteinander“ in Deutschland

Der zunehmende Antisemitismus beunruhigt auch den ersten Mann im Staate. „Leider sind in Deutschland – ähnlich wie in anderen europäischen Ländern – wieder vermehrt antisemitische Ressentiments zu beobachten“, kritisiert Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem Interview mit unserer Zeitung. Dabei mische sich ein bis heute tradierter Antisemitismus mit einem neuen Antisemitismus in Teilen muslimisch geprägter Zuwanderergruppen. Vor allem die sozialen Medien dienten dabei häufig der Verbreitung von Hassbotschaften und antijüdischer Hetze.

Steinmeier, der heute zur 100-Jahr-Feier der Synagoge nach Augsburg kommt, wünscht sich ein „gutes Miteinander“ in Deutschland. „Wo gegenseitiges Verstehen wächst“, sagt er, „ist kein Platz für Hass und Ausgrenzung.“ Nach wie vor stelle sich die Mehrheit der deutschen Gesellschaft klar gegen jede Form von Antisemitismus. Umgekehrt seien Angriffe auf und Beleidigungen von Menschen aufgrund ihres Glaubens „auch Angriffe auf jeden Einzelnen von uns“.

Anders als in Frankreich, wo mehrere tausend Juden in den vergangenen Jahren vor dem wachsenden Antisemitismus nach Israel geflohen sind, gebe es in Deutschland keine Auswanderungsbewegung. „Zu unser aller Glück kann Deutschland heute wieder die Heimat sein, die den Juden durch die Nationalsozialisten geraubt wurde.“

Erst vor wenigen Tagen hatte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, in unserer Zeitung über eine neue Qualität von Anfeindungen gegenüber Juden gesprochen. Der Fall eines jüdischen Jungen, der in Berlin regelrecht von seiner Schule gemobbt worden war, sei kein Einzelfall. Mit Blick auf die hohe Zahl muslimischer Zuwanderer sagte Schuster: „Unsere Aufnahme- und Integrationsfähigkeit hat Grenzen.“

Die Israelitische Kultusgemeinde und ihr Rabbiner Henry G. Brandt empfinden Steinmeiers Besuch nach eigenen Worten als große Ehre. „Es macht zwar viel Arbeit wegen der Sicherheitsanforderungen, aber wann kommt schon der Bundespräsident in eine jüdische Gemeinde?“, sagt ihr Sprecher Josef Strzegowski. Am 4. April 1917 wurde die im Stil der neuen Sachlichkeit geplante und im Jugendstil dekorierte Synagoge eingeweiht. Sie gilt als Gipfel der Jüdischen Renaissance.

Interview Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über den Kampf gegen den Antisemitismus. Politik

Hintergrund Alois Knoller und Daniel Wirsching über die Geschichte der Augsburger Synagoge und das jüdische Leben in der Stadt. Die Dritte Seite

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