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OECD-Studie zu Arbeitskosten

11.04.2019

Steuern und Abgaben in Deutschland weiter enorm hoch

Die Menschen in Deutschland schultern im internationalen Vergleich weiter eine überdurchschnittliche hohe Steuer- und Abgabenlast.
Bild: Armin Weigel (dpa)

Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag, Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung - in Deutschland werden hohe Abgaben fällig. Das gilt besonders für Singles ohne Kinder. International liegt die Bundesrepublik dabei fast an der Spitze.

Die Menschen in Deutschland schultern im internationalen Vergleich weiter eine überdurchschnittliche hohe Steuer- und Abgabenlast. Im Schnitt führen Alleinstehende mit durchschnittlichem Einkommen 49,5 Prozent der sogenannten Arbeitskosten an den Staat ab.

Das ist einschließlich des Arbeitgeberanteils an den Sozialabgaben. Das geht aus einer heute veröffentlichten Industrieländer-Organisation OECD für das Jahr 2018 hervor. Arbeitskosten definiert die OECD als Bruttolohn und Sozialabgaben der Arbeitgeber.

Unter den 36 bei der OECD vertretenen Industrieländern liegt damit bei diesem Personenkreis nur noch Belgien (52,7 Prozent) vor Deutschland. Der OECD-Schnitt liegt bei 36,1 Prozent. Am geringsten ist die Last an Steuern und Sozialabgaben in Chile (7 Prozent) und Neuseeland (18,4 Prozent). Auch bei allen anderen Haushaltstypen liegt die Belastung in Deutschland über dem OECD-Durchschnitt.

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Besser sieht es vor allem für Familien in Deutschland aus - hier gibt es Zuschüsse wie Kindergeld und Steuervorteile. Das gilt besonders, wenn nur ein Partner arbeitet. In diesem Fall werden in Deutschland 34,4 Prozent der Arbeitskosten fällig (OECD: 26,6 Prozent). Anders sieht es aus, wenn beide Partner erwerbstätig sind. Eine Familie mit zwei Verdienern und zwei Kindern führt den Experten zufolge in Deutschland 42,6 Prozent (OECD: 30,8 Prozent) der Arbeitskosten an den Staat ab. Hier wirkt sich das in Deutschland umstrittene Ehegattensplitting zugunsten verheirateter Paare aus und die beitragsfreie Mitversicherung von Familienangehörigen.

Das Ehegattensplitting wurde vor Jahrzehnten eingeführt, um die Steuerlast von Eheleuten zu senken. Das entsprach damals dem traditionellen Familienbild mit allein verdienendem Mann und einer Frau, die sich um Kinder und Haushalt kümmert. Der Besserverdienende kann einen Teil seiner Steuerlast auf den Partner abwälzen, das Ehepaar wird so entlastet. Die OECD-Experten kritisierten schon öfter, dass diese Steuerregeln die Anreize zur Jobaufnahme verringerten. Hohe Steuern und Abgaben für Zweitverdiener entmutigen vor allem Frauen, erwerbstätig zu werden.

Im Schnitt können Alleinstehende mit durchschnittlichem Einkommen in Deutschland 60,3 Prozent ihres Gehalts mit nach Hause nehmen - der durchschnittliche Steuersatz inklusive Sozialabgaben liegt also bei 39,7 Prozent. Hier ist anders als bei den Arbeitskosten der Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben nicht miteingerechnet. Der OECD-Schnitt liegt bei 25,5 Prozent. Auch hier ist Deutschland nach Belgien auf Platz zwei. (dpa)

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