1. Startseite
  2. Politik
  3. Stichwort: Die Rote Hilfe

30.11.2007

Stichwort: Die Rote Hilfe

Die neue Vorsitzende der Jungsozialisten, Franziska Drohsel, ist wegen ihrer Mitgliedschaft in dem Verein Rote Hilfe e.V. in die Kritik geraten. Näheres zu dieser Organisation finden Sie hier.

Karlsruhe (AFP) - Die neue Vorsitzende der Jungsozialisten, Franziska Drohsel, ist wegen ihrer Mitgliedschaft in dem Verein Rote Hilfe e.V. (RH) in die Kritik geraten, weil die Organisation auch ehemalige RAF-Terroristen unterstützt.

Drohsel distanzierte sich zwar von solchen Solidaritätsaufrufen. Sie beharrte aber gleichwohl auf dem Hauptanliegen des Vereins, Rechtsbeistand für Menschen zu organisieren, die etwa bei linken Demonstrationen festgenommen wurden und selbst kein Geld für eine Verteidigung haben. Der vom Staat als gemeinnützig anerkannte Verein wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet und als linksextrem eingestuft.

Die Rote Hilfe wurde 1975 in Göttingen gegründet und hat etwa 4300 Mitglieder in 35 Ortsgruppen. Das Mitgliederspektrum reicht dem Verfassungsschutzbericht 2005 zufolge von "Pazifisten bis zu gewaltbereiten Radikalen". Der Verein versteht sich laut seiner Satzung als "parteiunabhängige, strömungsübergreifende, linke Schutz- und Solidaritätsorganisation". Die RH unterstützt Angehörige des linken Spektrums politisch und finanziell, die aus "politischen Gründen" straffällig wurden oder von "staatlicher Repression" betroffen sind. Für die Unterstützung, meist 50 Prozent der Anwalts- und Prozesskosten, wendet die RH etwa die Hälfte ihrer Einnahmen auf, die überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden bestehen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ein bekanntes Beispiel für die Arbeit der Roten Hilfe ist die jahrelange Unterstützung eines linken Realschullehrers, der wegen seiner Gesinnung zunächst weder in Baden-Württemberg noch in Hessen zum Schuldienst zugelassen worden war. Dieses Berufsverbot hob der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof im vergangenen März auf und machte damit den Weg des Lehrers in den Schuldienst frei.

Nach der Wiedervereinigung hatte die Rote Hilfe auch angeklagte ehemalige SED-Funktionäre und Stasi-Mitarbeiter unterstützt. International forderte sie bislang Solidarität mit kurdischen und baskischen "Freiheitskämpfern" und "politischen Gefangenen" in den USA, Kolumbien und Togo. Rechtsbeistand leistete sie auch für Demonstranten beim G-8-Gipfeltreffen im Juni 2007 in Heiligendamm.

In ihrer Vereinzeitschrift geht die RH davon aus, dass der Staat seit den Terroranschlägen in den USA einen "gewaltigen Repressions- und Überwachungsapparat" aufgebaut hat und nun gegen alle "unter Generalverdacht stehenden Bürger" einsetzt. Mit Blick darauf heißt es in der Zeitschrift laut Verfassungsschutz: "Die Freiheit stirbt mit Sicherheit. Als Linke müssen wir um unsere Freiräume und gegen die rasende Verbreitung von Sicherheitsmaßnahmen kämpfen". Die "Antirepressionsarbeit" und die Rote Hilfe seien insoweit notwendig, "um zum Beispiel Revolution zu machen".

Die Unterstützung der RAF-Gefangenen in den 1970er Jahren bezeichnet die Rote Hilfe heute als "allenfalls mittelbar" und als "mehr oder weniger reflektiert". Wenn überhaupt, dann habe sie erst geholfen, "als deren Mitglieder allesamt inhaftiert waren".

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
dpa_5F9B1000B64ABD17.jpg
Doppelname

"An-ni-ge-lei-te Ke-lan-pu Ka-lun-bao-er": Das AKK-Ausspracheproblem

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen