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Neurodermitis-Salbe

22.10.2009

Streit um Haut-Medikament Regividerm eskaliert

Millionen Neurodermitis-Kranke können angeblich aufatmen: Eine "neue" Salbe namens Regividerm soll ihnen Linderung verschaffen. Doch gleichzeitig ist um das Medikament ein Streit entbrannt. Von Sascha Borowski

Millionen Neurodermitis-Kranke können angeblich aufatmen: Eine "neue" Salbe namens Regividerm soll ihnen Linderung verschaffen. Doch gleichzeitig ist um das Medikament ein Streit entbrannt. Mittendrin: ARD-Moderator Frank Plasberg.

Auslöser der Debatte war ein ARD-Bericht mit dem Titel "Heilung unerwünscht - Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern" vom Montag. Tenor der Dokumentation: Seit Jahren könnte eine Salbe namens Regividerm - bestehend vor allem aus Vitamin B12 (Cyanocobalamin ) und Avocadoöl - Opfern von Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte das Leben erleichtern. Allerdings werde die rosafarbene Salbe nicht produziert, weil die Pharmaindustrie daran kein Interesse habe - trotz vorliegender Studien, die die Wirksamkeit der Salbe bestätigten. Insgesamt 16 Konzerne hätten Karsten Klingelhöller und Thomas Hein, den Erfindern der Salbe, eine Abfuhr erteilt.

Die ARD-Sendung des Autors Klaus Martens - der zum gleichen Thema auch ein Buch herausbrachte - löste ein gewaltiges Echo aus. Schon am Mittwoch fand sich plötzlich doch ein Vertrieb für das Mittel. Das Schweizer Unternehmen Mavena Health Care kündigte an, die Creme unter dem Namen "Regividerm B12 Salbe" vertreiben zu wollen. Es handle sich um eine kurzfristige Entscheidung, erklärte Renate Kott-Roesmer, Geschäftsführerin von Mavena Health Care Deutschland, gegenüber "Spiegel Online".

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Zugleich begann aber auch eine Debatte über die Art und Weise, wie der Fall Regividerm an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Während die einen die Wirkung der angeblichen Super-Salbe sehr kritisch hinterfragten, sprachen andere gar von einem "aberwitzigen PR-Stunt erster Güte" (Stationäre Aufnahme).

Höhepunkt des Streits um Regividerm: Am Mittwochabend musste sich auch Frank Plasberg, Moderator der ARD-Sendung "Hart aber fair", den Vorwurf der Schleichwerbung für die Hautcreme gefallen lassen.

Im Rahmen einer Diskussionsrunde über die umstrittenen Schweinegrippe-Impfungen hatte Plasberg Klaus Martens zu sich eingeladen. Martens durfte in der Sendung dann erneut - von Plasberg praktisch nicht hinterfragt - schildern, wie die Pharmaindustrie die Einführung der Neurodermitis-Creme verhindert habe.

Martens' Ausführungen hatten bei mehreren der "Hart aber fair"-Diskutanten scharfen Protest zur Folge. Siegfried Throm vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller gratulierte Plasberg und Martens sarkastisch zu einem "genialen Marketingcoup". Davon könne seine Marketingabteilung noch etwas lernen. Der Immunologe Professor Beda Stadler wetterte gegen einen Film-Einspieler, der ein an Neurodermitis erkranktes Kind zeigte. "Blödes Avocadoöl" mit Vitaminen könne eine Krankheit nicht einfach verschwinden lassen.

Moderator Plasberg war angesichts der heftigen Angriffe sichtlich überrascht. Er versprach, auf der Webseite von "Hart aber fair" die Studien zu präsentieren, welche die angebliche Wirkung der Hautcreme belegen. Dies geschah dann am späten Donnerstagnachmittag.

Dem großen Interesse tat der Streit freilich keinen Abbruch. Martens' Buch "Heilung unerwünscht" ist vier Tage nach seinem Erscheinen bei Amazon unter den Top Ten der meistverkauften Bücher. Sascha Borowski

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