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Energiekonzerne

17.07.2013

Stromkonzerne machen Druck auf Regierung

Bild: Marius Becker (dpa)

Energieunternehmen wie Eon und RWE prüfen die Stilllegung von Kohle- und Gaskraftwerken. Laut Bayerns Umweltminister wird in Bayern keine Stromnot befürchtet.

Aufgrund der zunehmenden Produktion von Merkels Strompreis-Irrtum wollen Deutschlands Stromkonzerne die Stilllegung vor allem alter Kohle- und Gaskraftwerke prüfen. Das bestätigten Energieunternehmen wie Eon und RWE am Dienstag. Von etwa 90 000 Megawatt Erzeugungskapazitäten für Atom- oder Kohlestrom in Deutschland könnten bis zu 20 Prozent wegfallen, hieß es.

Aus für Kohle- und Gaskraftwerke?

Damit drohe Dutzenden von Kohle- und Gaskraftwerken das vorübergehende oder endgültige Aus. Selbst Atomkraftwerke könnten vorzeitig vom Netz gehen. Um die öffentliche Wirkung der Botschaft zu erhöhen, hatten die Stromkonzerne ihre Pläne nicht einfach öffentlich bekannt gegeben, sondern sie gezielt durchsickern lassen.

Bei der Bundesnetzagentur liegen bislang allerdings nur rund 15 entsprechende Anträge vor. Eine Sprecherin sagte, eine ganze Reihe beantragter Stilllegungen sei „unproblematisch“. Schwierigkeiten könnte es aber in Süddeutschland geben. Der vor allem im Norden produzierte Windstrom gelange aufgrund fehlender Leitungen nicht immer in ausreichender Menge in den Süden.

Stromkonzerne machen Druck auf Regierung

Keine Stromnot in Bayern befürchtet

Laut Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) wird es im Freistaat zu keiner Stromnot kommen: „Das Bundeskabinett hat eine Rechtsgrundlage geschaffen, um die Abschaltung wichtiger Kraftwerke zu verhindern und bei Bedarf auch neue Kraftwerke bauen zu können“, sagte er unserer Zeitung. Damit sollen Engpässe vermieden werden, die durch die Abschaltung der Kernkraftwerke Grafenrheinfeld Ende 2015 und Gundremmingen B Ende 2017 drohen könnten. Diese haben eine Gesamtleistung von 2,7 Gigawatt. Dies entspricht etwa 1500 Windenergieanlagen.

Huber fordert zudem neue Rahmenbedingungen, damit künftig in Bayern benötigte konventionelle Kraftwerke wirtschaftlich betrieben werden können: „Den bundesgesetzlichen Rahmen dafür brauchen wir bis spätestens 2014.“ Der Aufbau einer Netzreserve kann nach Ansicht des CSU-Politikers „nur eine Brückenlösung sein“.

Expertin: Drohung der Versorger ist wenig glaubhaft

Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, die Konzerne wollten schlichtweg Druck auf die deutsche Politik machen, um nach den Bundestagswahlen neue Subventionen zu erhalten. Einem möglichen Stromengpass sieht die Professorin gelassen entgegen: „In Deutschland werden nicht die Lichter ausgehen.“

Im Gegenteil: Aufgrund der Marktsituation müsste Strom derzeit sogar deutlich günstiger angeboten werden, als es der Fall ist, erklärte die DIW-Expertin. Die Drohung der großen Energieversorger, schon bald jede Menge Kraftwerke vom Netz zu nehmen, sei nicht glaubhaft. Im Übrigen sei es im Sinne der angekündigten Energiewende, wenn künftig die alten Kohle- und Gaskraftwerke abgeschaltet werden.

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