Newsticker
Wiederaufbau-Konferenz einigt sich auf sieben Punkte für Ukraine-Unterstützung
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Studie: Was sich Rentner in 25 Jahren leisten können

Studie
12.11.2015

Was sich Rentner in 25 Jahren leisten können

Genüsslich zurücklehnen und auf die Rente warten? Das reicht künftig wohl nicht mehr.
Foto: Stephan Scheuer/Archiv (dpa)

Experten haben in einer Studie ausgerechnet, was die Rentner des Jahrgangs 1973 im Jahre 2040 erwartet. Es kommt auf den Beruf an. Aber auch stark darauf, wo man lebt.

Jobwechsel, Arbeitslosigkeit und Kindererziehung unterbrechen die Berufsbiografien von Millionen Arbeitnehmern – und wirken sich auf die Rente aus. Auch die regionalen Unterschiede sind groß. Eine neue Studie nimmt für sich in Anspruch, all das zu berücksichtigen – und wartet mit Beispielen für den Jahrgang 1973 auf. Die heute 42-Jährigen gehen 2040 regulär mit dann 67 Lebensjahren in Rente.

Wie stellt sich laut der Studie die Rente heute dar?

Im Schnitt werden in Ostdeutschland 1020 Euro gezahlt, im Westen 833 Euro. Hauptgrund für das Gefälle ist, dass zu DDR-Zeiten mehr Frauen im Osten gearbeitet haben. Ruheständler können sich im Osten in der Regel laut Studie auch mehr leisten als im Westen. Die höchste Rentenkaufkraft gebe es im Oberspreewald-Lausitz-Kreis, die niedrigste in Nordfriesland.

Wie könnte sich die Rente entwickeln?

Die Studienautoren der Prognos AG erwarten zunächst einmal einen von 18,7 auf 24 Prozent steigenden Beitragssatz bis 2040. Doch im Verhältnis zum Einkommen werde die Rente sinken. Das Bruttorentenniveau, also eine Standardrente gemessen am Durchschnittseinkommen, sinke um rund 7 Punkte auf 39 Prozent.

Wie zuverlässig ist eine solche Prognose?

Die Deutsche Rentenversicherung erinnert daran, dass die Prognos AG Ende der 80er Jahre in einer Vorausschau auf das Jahr 2015 mit einem Beitragssatz von 25 Prozent gerechnet hat. Zwischenzeitliche Rentenreformen haben dies verhindert.

Wie entwickeln sich die Renten in den Regionen?

Wo die Wirtschaft brummt, steigen sie über dem Durchschnitt – etwa in weiten Teilen Bayerns und Baden-Württembergs oder in Hamburg, wie die Forscher annehmen. Am meisten leisten kann man sich von der Rente dann aber wohl dort, wo die Durchschnittsgehälter bis dahin, etwa auch wegen gut verdienenden Pendlern, zwar wachsen, die Lebenshaltungskosten aber moderat bleiben – etwa in der Oberpfalz. Höhere Kaufkraft kann auch verstärkt niedrige Renten ausgleichen. So kann sich ein Rentner in Schwerin im Schnitt der Studie zufolge in 25 Jahren genauso viel leisten wie einer in Hamburg, der über 400 Euro mehr Rente bekommt.

Was erwarten die Forscher für Fachkräfte?

Wer sein Leben lang im Durchschnitt verdient, dürfte in 25 Jahren 1680 Euro Rente pro Monat bekommen. Doch realistisch sei die Betrachtung so eines Eckrentners kaum, meint Prognos-Chefvolkswirt Michael Böhmer. Eine 1973 geborene Verkäuferin mit zwei Kindern, die zwischendurch auch mal arbeitslos ist, kann laut der Studie dann zum Beispiel eine Rente von 1090 Euro erwarten – mit einem Rentenniveau von 51 Prozent bekommt sie aber gemessen an ihrem Lohn der letzten Berufsjahre mehr als der Durchschnitt. Ein Elektroinstallateur kann der Untersuchung zufolge im Jahr 2040 typischerweise mit 1460 Euro Rente rechnen.

Wie hoch könnte die Rente für Spezialisten künftig liegen?

Ein Entwicklungsingenieur mit gut vierjährigem Studium kann demnach 2040 eine Rente von 2600 Euro erwarten, eine 1973 geborene Sozialpädagogin mit zwei Kindern 1600 Euro. Die Angaben sind um eine erwartete Inflationsrate preisbereinigt.

Wie entwickelt sich die Kaufkraft am Beispiel Elektroinstallateur?

Für den Elektroinstallateur mit 1460 Euro Rente im Bundesdurchschnitt gehen die Forscher zunächst von regionalen Unterschieden der ausgezahlten Rente aus – so komme er in Weimar auf 1260 Euro, in Erlangen aber auf 1580 Euro. Dazwischen liegen beispielsweise die Kollegen in Augsburg (1450 Euro) oder Oberallgäu (1468 Euro). Als Spanne für die reale Kaufkraft gehen sie von 1100 Euro in München bis knapp 1800 Euro im bayerischen Tirschenreuth aus. Auch hier der regionale Vergleich: In Augsburg wäre reale Kaufkraft der Rente 1377 Euro und im Oberallgäu 1456 Euro wert.

Was ist das Ziel der Studie?

Laut Studienautor Böhmer geht es vor allem darum, darauf hinzuweisen, wie sich Rente und Kaufkraft bis 2040 tatsächlich entwickeln könnten. In Auftrag gegeben hat die Erhebung der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Ihr Präsident, Alexander Erdland, sagt, mit der Erhebung sollten Anstöße gegeben werden, an was die Betroffenen denken sollten – auch hinsichtlich privater oder betrieblicher Vorsorge. dpa, bom

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.