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Syrien-Konflikt
30.09.2016

Vollständiger Bruch zwischen den USA und Russland in der Syrien-Frage

Nur noch Ruinen stehen in Aleppo.
Foto: Karam Al-masri/afp

Kanzlerin Merkel und US-Präsident Obama verurteilen die "barbarischen" Angriffe auf Aleppo. Save the Children verurteilt den Angriff mit bunkerbrechenden Bomben.

Im Syrien-Konflikt droht ein endgültiger Abbruch der Gespräche zwischen den USA und Russland. US-Außenminister John Kerry sagte am Donnerstag, Washington stehe wegen der Angriffe auf Aleppo "kurz vor einem Aussetzen" der Verhandlungen. Russland erwiderte hingegen, die Angriffe auf die Metropole würden nicht gestoppt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama verurteilten die "barbarischen" Attacken der syrischen und der russischen Armee auf Aleppo.

Angesichts der anhaltenden Bombenangriffe auf Aleppo sei es "irrational", einfach herum zu sitzen und zu versuchen, die Dinge ernst zu nehmen, sagte Kerry. Er hatte seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow bereits am Mittwoch in einem Telefonat gewarnt, Washington werde die Syrien-Gespräche abbrechen, sollten die Angriffe weitergehen. Moskau müsse unverzüglich für ein Ende der Attacken sorgen.

Die syrische Armee hatte nach dem Scheitern einer Feuerpause vor einer Woche mit russischer Unterstützung eine Offensive auf den von Rebellen kontrollierten Ostteil der Metropole gestartet, um ganz Aleppo zurückzuerobern. Die Aufständischen beschießen ihrerseits die von Regierungstruppen kontrollierten Stadtteile im Westen.

Syrien-Konflikt: Russland wird die Lufteinsätze fortsetzen

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte nun am Donnerstag, Moskau werde seine Lufteinsätze fortsetzen, um den "Anti-Terror-Kampf der syrischen Truppen zu unterstützen". Russland nehme den "nicht konstruktiven Charakter der Rhetorik aus Washington" zur Kenntnis, bleibe aber an einer Zusammenarbeit im Syrien-Konflikt interessiert. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa sagte, eine Weigerung der USA zur Zusammenarbeit mit Russland sei das beste "Geschenk für die Terroristen". So bezeichnet die syrische Führung ihre Gegner.

Merkel und Obama telefonierten nach Angaben des Weißen Hauses am Donnerstag miteinander und waren sich dabei einig, dass die Regierungen in Damaskus und Moskau eine "besondere Verantwortung tragen, die Kämpfe in Syrien zu beenden". Der Osten Aleppos sei ein Gebiet, in dem hunderttausende Zivilisten lebten, beklagten Merkel und Obama nach Angaben aus Washington. Die Hälfte der Bewohner seien Kinder.

Die Bundeskanzlerin hatte wegen der Lage in Aleppo zuvor bereits mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert. Auch dabei kritisierten beide die jüngste Regierungsoffensive auf Aleppo scharf. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief Russland in einem Telefonat mit Lawrow auf, "jetzt" die Gespräche mit den USA fortzusetzen, "um endlich zu einer Einigung zu kommen, die wenigstens eine vorübergehende Feuerpause schafft und endlich humanitären Zugang ermöglicht".

Save the Childern: Kein sicherer Ort mehr für Kinder in Aleppo

Der Leiter der UN-Hilfseinsätze, Stephen O'Brien, sagte unterdessen vor dem UN-Sicherheitsrat, die Lage in Aleppo sei die "größte humanitäre Krise" in Syrien seit Beginn des Bürgerkriegs vor fünf Jahren. Das Gesundheitssystem im belagerten Ostteil der Stadt sei "kurz vor dem vollständigen Zusammenbruch".

Die Organisation Save the Children beklagte, wegen der schweren Luftangriffe auch mit sogenannten bunkerbrechenden Bomben seien Kinder in Aleppo nirgendwo mehr sicher. Durch den "grausamen Angriff" auf die Metropole könnten fast 100.000 Kinder am Schulbesuch gehindert werden. Die Schulen im Ostteil sollten demnach am Samstag eigentlich wieder öffnen, blieben nun aber geschlossen.

Die Organisation betreibt in Aleppo 13 Schulen, darunter acht, die unterirdisch und damit eigentlich angriffssicher gebaut sind. Der Einsatz sogenannter bunkerbrechender Bomben lasse aber auch diese Schulen unsicher werden, erklärte Save the Children. Die Bomben lassen mehrstöckige Gebäude zusammenfallen und zerstören selbst Keller. Damit gebe es praktisch keinen Ort in Aleppo mehr, an dem Kinder sicher seien, erklärte die Organisation. afp

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