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Porträt

03.02.2020

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist der Ausnahme-Linke

Bodo Ramelow will sich im Erfurter Landtag zur Wiederwahl stellen.
Bild: Martin Schutt, dpa

In seine Partei will Bodo Ramelow nicht so recht passen, doch das stört die Thüringer wenig. Am Ministerpräsidenten kommt keiner vorbei. Oder doch?

Er ist aus dem Westen, bekennender evangelischer Christ, gelernter Kaufmann und mit einer italienischen Adeligen verheiratet. Bodo Ramelow ist ein Exot, in seiner Linkspartei, aber auch als Linker in der Riege der deutschen Ministerpräsidenten.

Nach der Landtagswahl 2014 zitterte er sich mit einer rot-rot-grünen Koalition an die Regierung, nur eine Stimme mehr als nötig erreichte sein Bündnis im Erfurter Landtag. Ramelow wurde der erste und bislang einzige Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes, der der Linkspartei angehört. Mit seiner denkbar knappen Mehrheit werde er sich keine 100 Tage im Amt halten können, unkten Beobachter. Doch der heute 63-Jährige mauserte sich zum beliebten Landesvater, an dem sich die politische Konkurrenz auch bei den Landtagswahlen im vergangenen Oktober die Zähne ausbiss. Seine Linkspartei wurde mit 31 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Doch weil Grüne und SPD schwach abschnitten, muss Ramelow nun abermals zittern.

Bodo Ramelow ist nicht der typische Vertreter der Linkspartei

Der Koalitionsvertrag für eine Neuauflage seines rot-rot-grünen Bündnisses ist zwar schon unterschrieben, doch fehlen vier Stimmen zur Mehrheit. Ohne Unterstützung aus CDU oder FDP geht es bei der Ministerpräsidenten-Wahl am Mittwoch also nicht. Das Problem ist nur: In der Berliner Bundeszentrale der Christdemokraten gilt jedes Entgegenkommen gegenüber der Linken als Nachfolgerin der DDR–Einheitspartei bis heute als Sakrileg. Thüringen ist aber nicht der Bund und Ramelow eben nicht der typische Vertreter der Linkspartei, sagen nicht wenige CDU-Leute aus dem gut zwei Millionen Einwohner zählenden Freistaat. Sie verweisen darauf, dass der im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck geborene Ramelow in Sachen DDR-Unrecht als unbelastet gilt. Ebenso räumen selbst politische Gegner immer wieder ein, dass der Ministerpräsident in den vergangenen Jahren viel für die heimische Wirtschaft getan habe.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist der Ausnahme-Linke

Ramelow hat es geschafft, den Thüringern, die nach der Wiedervereinigung schwierige Zeiten erlebt haben, neues Selbstbewusstsein zu geben. Unermüdlich reist er durchs Land, sucht den Kontakt zu den Bürgern. Preist einerseits die Stärken des Landes, etwa im Motorenbau, kritisiert andererseits aber auch, dass die fleißigen Thüringer länger arbeiten müssten und weniger verdienten als anderswo. Die im Freistaat besonders radikale AfD geht er hart an, setzt aber auch auf staatliche Konsequenz gegenüber straffälligen Asylbewerbern.

Mehr als 60 Prozent der Thüringer sind mit Ramelow zufrieden

Das Erfolgsrezept geht auf, mehr als 60 Prozent der Thüringer zeigen sich mit der Arbeit des Mannes, der nach der Wende als Gewerkschafter nach Erfurt kam, zufrieden. Selbst bundesweit zählt Ramelow regelmäßig zu den beliebtesten Politikern. Ob er allerdings in seinem herrschaftlich-barocken Amtssitz in der ehemaligen Kurmainzischen Statthalterei bleiben kann, hängt davon ab, ob sich die fehlenden Stimmen finden. Es wird noch spannender als 2014.

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