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Corona-Infektionen

19.07.2020

Tönnies will Lohnerstattung durchsetzen

Firmenchef Clemens Tönnies drängt auf eine Lohnkostenerstattung. Der Fleischproduzent musste sein Hauptwerk schließen, weil es dort zu einem massiven Ausbruch des Corona-Virus kam.
Bild: David Inderlied, dpa

Nach dem Corona-Ausbruch im Hauptwerk steht Fleischproduzent Tönnies unter Beschuss - ist sich aber keiner Schuld bewusst.

Trotz heftiger Kritik will Fleischproduzent Clemens Tönnies eine Lohnkostenerstattung wegen der behördlichen Schließung seines Hauptwerks durchsetzen.

Notfalls will der Chef des größten deutschen Schlachtkonzerns das juristisch durchfechten. "Darüber wird im Zweifelsfall auch Recht gesprochen werden", sagte er dem Westfalen-Blatt. Bei einem Gemüsehof in Nordrhein-Westfalen sowie einem niedersächsischen Schlachthof des Unternehmens PHW mit der Marke Wiesenhof gibt es derweil neue Corona-Probleme.

Tönnies und mehrere Subunternehmer hatten bereits vor einiger Zeit Anträge auf Erstattung von Lohnkosten durch das Land Nordrhein-Westfalen gestellt. Unter anderem hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ( CDU) dieses Vorgehen kritisiert. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) geht davon aus, dass Tönnies keinen Regress für die vierwöchige Zwangspause nach massenhaften Corona-Infektionen im Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück geltend machen kann.

SPD-Bundestagsfraktionsvize Katja Mast zum Fall Tönnies: "Gesetzesverschärfungen sind dringend nötig"

Die SPD-Bundestagsfraktionsvize Katja Mast sagte der dpa, Tönnies fehlten Einsicht und Gespür für Anstand und Verantwortung. "Was Tönnies macht, unterstreicht einmal mehr: Gesetzesverschärfungen sind dringend nötig und müssen kommen. Und das werden sie."

Tönnies hielt im Interview dagegen, er wolle verhindern, dass seine Mitarbeiter und Dienstleister bei der Verteilung von Quarantänehilfen "stigmatisiert" würden. "Manch einer hat einen politischen Feldzug gegen Tönnies geführt und dagegen wehren wir uns jetzt auch."

Bei Tönnies hatten sich rund 1400 Arbeiter nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Vorübergehend waren deshalb, neben der inzwischen aufgehobenen Betriebsschließung in Rheda-Wiedenbrück,  weitgehende Corona-Einschränkungen in den nordrhein-westfälischen Kreisen Gütersloh und Warendorf verhängt worden.

Neuer Corona-Ausbruch bei Wiesenhof in Niedersachsen: 66 Menschen infiziert

In Niedersachsen gibt es derweil einen neuen Corona-Ausbruch bei einem Schlachthof. In Lohne sind 66 Menschen in einem Wiesenhof-Hähnchenschlachthof positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden, wie der Landkreis Vechta am Samstagabend mitteilte. Das Unternehmen PHW mit der Marke Wiesenhof war am Sonntag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

In der Vergangenheit war es bereits im nahe gelegenen Wildeshausen in Niedersachsen zu Ansteckungen in einem Wiesenhof-Unternehmen gekommen. Dort wurden bei "Geestland Putenspezialitäten" unter 1183 vorliegenden Ergebnissen 46 Corona-Fälle registriert. Auch bei dem Zerlegebetrieb von Westcrown im niedersächsischen Dissen, einem Gemeinschaftsunternehmen von Westfleisch und Danish Crown, waren im Mai insgesamt 146 Mitarbeiter positiv auf das Virus Sars-Cov-2 getestet worden.

Im nordrhein-westfälischen Kreis Borken steht derweil ein Gemüsehof nach einem Corona-Ausbruch im Fokus der örtlichen Behörden. Dort arbeiten den Angaben zufolge vorwiegend rumänische Beschäftigte. Derzeit seien aber erst 88 von 148 Abstrichproben ausgewertet - mit zunächst 8 positiven Ergebnissen.

Firmenchef Tönnies ist sich keiner Schuld bewusst: Infektionen kommen wohl von Umluftkühlung

Bei Tönnies sieht der Konzernchef keine schuldhaften Versäumnisse für die Lage in seinem Betrieb. "Wir haben uns immer an Recht und Gesetz gehalten", versicherte Tönnies. "Wir wissen bis heute nicht, welchen Rechtsbruch wir begangen haben sollen", sagte er dem Westfalen-Blatt. Der massenhafte Corona-Ausbruch in seinem Werk habe "nichts mit Werkvertragsarbeit oder den Wohnverhältnissen zu tun", sondern vor allem mit der "Umluftkühlung, die eigentlich jeder Betrieb hat".

Dennoch wolle er sich künftig um die Lage seiner osteuropäischen Beschäftigten kümmern: "Wir wollen, dass 30 Prozent der Mitarbeiter, die heute nicht privat wohnen, zu einem vorgegebenen Standard wohnen können." Bis September werde er zudem "in einem ersten Schritt" 1000 bisherige Werkvertragsarbeitnehmer fest anstellen. (dpa)

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