Newsticker
RKI: 135.461 neue Corona-Ansteckungen, 179 Todesfälle – Inzidenz steigt auf 772,7
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Trielle von Baerbock, Laschet & Scholz: Gewinner ist das Privatfernsehen

TV-Kritik
20.09.2021

Gewinner der drei Trielle ist das Privatfernsehen

Die Moderatorinnen Claudia von Brauchitsch (links) und Linda Zervakis.
Foto: Willi Weber/Prosieben/Seven.One, dpa

ARD und ZDF versammelten mit ihrem Triell die meisten Zuschauer vor den Fernsehern. Die bessere Unterhaltung und Moderation lieferten jedoch RTL, ProSieben und Sat1.

Eine halbe Stunde dauert das Triell erst an, da steht für Jan Böhmermann ein Gewinner-Duo bereits fest. "Beste Triell-Moderation: Linda Zervakis und Claudia von Brauchitsch bei ProSieben", twittert der Entertainer.

Und tatsächlich gelingt Zervakis und von Brauchitsch, dem einzigen rein weiblichen Triell-Moderatorinnen-Team, was man nach zwei bereits absolvierten TV-Dreikämpfen nicht mehr erwartet hätte: Die Journalistinnen dirigieren die beiden Kanzlerkandidaten und die Kanzlerkandidatin durch eine Diskussionsrunde, die deutlich ausgeruhter, strukturierter und auch spannender ist als die vorangegangenen Trielle.

Linda Zervakis und Claudia von Brauchitsch moderierten das Triell

Zervakis und Brauchitsch harmonieren, treten souverän auf. Von Brauchitsch, die normalerweise die Sat1-Sendung "Akte" moderiert, übernimmt die Rolle der klassischen Fragestellerin. Zervakis, die für den neuen Job bei ProSieben die "Tagesschau" verlassen hat, tritt lockerer auf, illustriert eine Frage zum Klimawandel auch schon mal mit einer 30 Jahre alten Ausgabe der Micky Maus.

Insgesamt wirkt die Sendung frisch und originell, die Moderatorinnen eingespielter als das Duo Oliver Köhr und Maybritt Illner von ARD und ZDF, die in der vergangenen Woche vor allem dadurch aufgefallen waren, dass sie sich ständig ins Wort fielen und auch sonst sehr wenig harmonisch auftraten. Einen Fehler bei der Messung der Redezeit, der Claudia von Brauchitsch zwischendurch unterläuft, korrigiert sie ein paar Minuten später transparent.

Lesen Sie dazu auch

Triell-Moderatorin Linda Zervakis ist ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin

Damit ist ein Gewinner nach den Triellen bereits klar: Die öffentlich-rechtlichen Sender versammelten zwar die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Fernsehern – die bessere Unterhaltung bot jedoch das Privatfernsehen. Nicht nur Linda Zervakis und Claudia von Brauchitsch überzeugten als Moderatorinnen, auch das Duo aus RTL-Mann Peter Kloeppel und Ex-"Tagesthemen"-Moderatorin Pinar Atalay, die das erste Triell moderiert hatten, führten souverän durch die Fragerunde.

Dass sowohl RTL als auch ProSieben die Trielle mit ehemaligen ARD-Moderatorinnen besetzt haben, ist kein Zufall. Beide Sender haben sich mehr Seriösität verordnet, warben zuletzt mit Zervakis, Atalay und Ex-"Tagesschau"-Sprecher Jan Hofer bekannte Gesichter aus dem Ersten für eigene Sendungen ab. Im Programm der Sender, die sonst eher für Formate wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Germany's nex topmodel" bekannt sind, finden sich neuerdings mehrere politische Formate, etwa "Zervakis und Opdenhövel. Live" oder "Die ProSieben-Bundestagswahl-Show" mit Polit-Talker Louis Klamroth.

Das letzte Triell lief auf ProSieben und Sat1

ProSieben will nach eigener Aussage "informativ unterhalten". Der Sender-Slogan "We love to entertain you" wurde entsprechend erweitert: "We love to infotain you", verkünden Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel im Trailer zu ihrer Sendung. Ob der Plan aufgehen kann? Nach den drei Triellen scheint das zumindest sehr wahrscheinlich.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.