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12.03.2009

Trittbrettfahrer drohen mit Amok

Nach der Katastrophe in Winnenden halten sieben Trittbrettfahrer die Polizei in Atem. Sie müssen mit Haftstrafen rechnen.

Freiburg (dpa) - Einen Tag nach dem Amoklauf in einer Schule in Winnenden haben mehrere Trittbrettfahrer die Polizei in Atem gehalten. In Baden-Württemberg gab es sechs Amokdrohungen. Landespolizeipräsident Erwin Hetger nannte den Bereich Stuttgart sowie die Städte Pforzheim, Ulm, Freiburg, Metzingen und Esslingen. Die Schulen würden verstärkt von der Polizei beobachtet.

Eine Schule in Freiburg ist am Donnerstag nach einer Bombendrohung geräumt worden. Nach Angaben der Polizei ging die Drohung am frühen Morgen auf dem Tonband in der Karlschule ein. Die Polizei durchsuchte die Schule mit Hilfe von Sprengstoffspürhunden, wurde aber nicht fündig. Die 400 Schüler kamen derweil in benachbarten Gebäuden unter. Gegen 10.30 Uhr konnte der Unterricht fortgesetzt werden.

Auch in Pforzheim versetzte ein Trittbrettfahrer die Polizei in Alarmbereitschaft. Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate kündigte ein Unbekannter einen Amoklauf an der Alfons-Kern-Schule an. Wurde die Berufsschule im vergangenen November noch geräumt, so sicherten Polizisten und Zivilbeamte am Donnerstag das Gebäude. "Wir sind wachsam", versicherte ein Sprecher.

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Die schwedische Polizei hat einen 17-jährigen Trittbrettfahrer gefasst. Der Jugendliche sei am Donnerstagmorgen um 06.00 Uhr festgenommen worden und werde verhört, teilte ein Polizeisprecher der südschwedischen Region Skaane mit. Er stehe im Verdacht, im Internet ein Gymnasium der Stadt Lund bedroht zu haben. In der Botschaft habe er deutlich auf den Amoklauf in Winnenden Bezug genommen, sagte der Sprecher weiter. Begleitet war die Drohung demnach von einem Foto des 17-Jährigen, auf dem er mit einer Waffe posiert. In seinem Besitz sei eine Softair-Pistole gefunden worden.

Trittbrettfahrern drohen Haftstrafen

Die Drohung mit einem Amoklauf an einer Schule kann ernste strafrechtliche Konsequenzen für den Verursacher haben. Denn sie fällt juristisch in die gleiche Kategorie wie eine Bombendrohung. Zu erwarten sind dann hohe Geldstrafen oder sogar eine Haftstrafe.

Das sieht der Straftatbestand der "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten" vor. Im Paragraf 126 des Strafgesetzbuches heißt es: "Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, einen Mord, Totschlag (...), eine schwere Körperverletzung, einen Raub oder eine räuberische Erpressung androht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

In Baden-Württemberg etwa verurteilte das Amtsgericht Rastatt im Dezember 2006 einen "Trittbrettfahrer" zu vier Wochen Dauerarrest. Der 19-jährige Mann aus Kappelrodeck im Ortenaukreis hatte einen Überfall auf die berufliche Schule Achern angekündigt.

Die strafrechtliche Verurteilung ist bei einer Drohung mit einer Gewalttat jedoch nur die eine Seite der Medaille. Denn oft folgen hohe zivilrechtliche Forderungen für den Polizeieinsatz.

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