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Asien-Reise

14.11.2017

Trump gerät ins Schwärmen

„Rodrigo, du warst fantastisch“: Donald Trump (links) mit dem singenden Präsidenten der Philippinen, Rodrigo Duterte, in Manila.
Bild: afp

Auf den Philippinen findet der US-Präsident in dem umstrittenen Rodrigo Duterte einen Männerfreund

Man sieht es Donald Trump an, wenn ihm etwas gefällt. Wenn nicht, neigt er dazu, ins Leere zu schauen oder arge Grimassen zu schneiden. Doch jetzt, im Messezentrum von Manila, nach mehr als zehn Tagen Asien-Tour, wirkt der US-Präsident grundzufrieden.

Zum Auftakt des vorletzten Gipfels (dieses Mal: Asean, die Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten) gibt es in der Hauptstadt der Philippinen ausnahmsweise keine Reden, sondern eine zuckersüße Show. Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte präsentiert eine Art asiatisches Musical: Ballett, Streichorchester, Kinderchor. Die Disney-Leute könnten es kaum besser. „Wunderbares Talent“, schwärmt Trump. „Musik. Tanz. Großartig.“

Es ist ein Gipfel ganz nach seinem Geschmack. Am Abend zuvor, beim Galadinner der Staats- und Regierungschefs, hatte Duterte sogar selbst für ihn gesungen: „Ikaw“ („Du“), ein philippinisches Liebeslied. Nach dem letzten Ton widmet er das Lied dem „Oberkommandierenden der Vereinigten Staaten“. Kaum zu glauben, dass dies derselbe Mann ist, der sich erst letzte Woche erneut damit gebrüstet hatte, jemanden eigenhändig umgebracht zu haben. Duterte ist nicht nur Gipfel-Gastgeber, sondern auch einer der umstrittensten Staatschefs. In 16 Monaten „Drogenkrieg“ – einem brutalen Vorgehen gegen echte und vermeintliche Kriminelle – gab es schon tausende Tote.

Nach dem Wahlsieg 2016 ging Duterte auf große Distanz zu den USA, einem jahrzehntelangen Verbündeten der Philippinen. Stattdessen suchte er die Nähe zu Russland und auch zu China, obwohl Manila wegen des Streits um verschiedene Inseln mit Peking über Kreuz liegt.

Doch seit nicht mehr Barack Obama, sondern Trump im Amt ist, hat sich das geändert. Duterte hatte zwar noch keinen Termin im Weißen Haus, aber in einem Telefonat lobte Trump ihn schon vor Monaten für seine Anti-Drogen-Politik. Nun, auf Trumps Asien-Reise, waren die beiden fast gleichaltrigen Männer (Trump: 71, Duterte: 72) immer wieder zu sehen, wie sie freundlich Hände schüttelten und zusammenstanden.

Beim Zweier-Gespräch am Montag lobte Trump noch einmal Dutertes Gesangseinlage: „Rodrigo, du warst fantastisch.“ Wozu man von ihm kein Wort hörte, war dessen Umgang mit politischen Gegnern und mit Menschenrechten im Allgemeinen. Es war nicht einmal sicher in Erfahrung zu bringen, ob das Thema im Zweier-Gespräch eine Rolle spielte. Das Weiße Haus behauptete: Ja. Die Philippiner widersprachen eindeutig. (dpa)

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