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Türkei
22.07.2016

Türkei-Diskussion: Durcheinander bei Maybrit Illner

Die Diskussion bei Maybrit Illner am Donnerstagabend drehte sich um das Thema "Erdogans Rache – ist die Türkei noch unser Partner?"
Foto: Müller-Stauffenberg/Imago

Wenn die Türkei bei "Maybrit Illner" auf dem Programm steht und ein AKP-Abgeordneter geladen ist, ist eine leidenschaftliche Debatte sicher. Und genau so kam es.

Mustafa Yeneroglu hatte es wahrlich nicht leicht bei Maybrit Illner am Donnerstagabend. Der Abgeordnete der türkischen Regierungspartei AKP sah sich vier Gesprächspartnern gegenüber, die klar Erdogan-kritisch waren. Dennoch schoss er über das Ziel hinaus. Doch auch andere Teilnehmer der Runde gaben ein schlechtes Bild ab.

Von Beginn der Sendung an benannte Yeneroglu die Unterstützer des im Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen als Drahtzieher hinter dem gescheiterten Putsch von vergangener Woche. Dass diese Erklärung zumindest zutreffen könnte, bestritt keiner der Gäste. Darunter befanden sich Deniz Yücel, Journalist der Welt, Historiker Michael Wolffsohn, Sevim Dagdelen, Abgeordnete der Partei Die Linke, sowie Andreas Scheuer, Generalsekretär der CSU.

Was bleibt nach der Sendung? Inhaltlich kam wenig Überraschendes. Dass Yeneroglu seinen Präsidenten einen "lupenreinen Demokraten" nennt und die türkischstämmige Linken-Abgeordnete der PKK-Unterstützung bezichtigt, war vorherzusehen. Ebenso, dass der AKP-Abgeordnete in der Entwicklung der ürkei nah dem Putschversuch allein die Verteidigung der Demokratie sieht.

Nicht nur der AKP-Abgeordnete Yeneroglu fällt bei Maybrit Illner anderen ins Wort

Was allerdings bleibt, ist der Eindruck von einem türkischen AKP-Politiker, der Gesprächspartnern mit anderer Meinung ständig ins Wort fällt und dafür von Andreas Scheuer gemaßregelt wird mit den Worten "Halten Sie sich mal an die Gepflogenheiten der deutschen Gesellschaft". Auffällig, wie gerade Scheuer nur wenige Minuten später fast 30 Sekunden lang spricht, während die Moderatorin Maybrit Illner versucht, den nächsten Beitrag anzumoderieren.

Überhaupt passiert es oft während der Sendung, dass die Gäste sich ins Wort fallen, durcheinanderreden und der Zuschauer kaum mehr etwas versteht. "Es ist tatsächlich ein wenig schwer, zu folgen", gesteht schließlich die Moderatorin - "Ja, kein Wunder", antwortet prompt der AKP-Mann: "Bei der Konstellation, wie Sie sie hier eingeladen haben." Darauf überschlägt sich fast Illners Stimme, doch sie scheint das Ruder wieder an sich genommen zu haben. Bis Yeneroglu ihr einen "Machtdiskurs" vorwirft und der Moderatorin mehrere Sekunden lang das Wort im Halse stecken bleibt. Das Durcheinandergemurmle beendet erst Anderas Scheuer mit der Frage an Yeneroglu, wie die Türkei mit den nach dem Putsch Inhaftierten umzugehen gedenke. Dieser antwortet wie zu erwarten mit einem Vortrag über rechtsstaatliche Grundsätze.

Immerhin beziehen die Gäste von Maybrit Illner deutlich Stellung zu der Entwicklung in der Türkei

Bis dahin blieb allein der Historiker Michael Wolffsohn von den Unterbrechungen Yeneroglus verschont. Doch als er die aktuellen Geschehnisse unter Erdogan als lehrbuchhaft für Machtergreifungen bezeichnet, fällt ihm der AKPler so lange ins Wort, bis der Wissenschaftler sich verzweifelt nach hinten in den Stuhl fallen lässt mit den Worten "das ist ja furchtbar."

Die Sendung als Ganzes war am Ende nicht so furchtbar. Zwar konnten viele Argumente nicht gehört werden, weil sie - meist von Yeneroglu - übertönt wurden. Jedoch entwickelte sich eine wahrlich leidenschaftliche Diskussion, die man sich in dieser Deutlichkeit auch auf offiziellen Ebenen wünscht.

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