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Türkei
12.10.2018

Wurde der Kaschoggi-Mord gefilmt?

Dschemal Kaschoggi: Wurden die Stimme des Opfers und Schläge abgehört?
Foto: Mohammed Al-Shaikh, afp (Archiv)

Im mysteriösen Mord an Kaschoggi soll der türkische Geheimdienst über Aufnahmen aus dem Inneren des saudischen Konsulats verfügen.

Türkische Sicherheitsbehörden wollen bei einer Abhöraktion im Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul eindeutige Beweise für den mutmaßlichen Mord an dem regierungskritischen saudischen Journalisten Dschemal Kaschoggi gesammelt haben. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen gebe es Ton- und Videoaufnahmen der entscheidenden Stunden nach Kaschoggis Verschwinden vorige Woche, berichteten die Washington Post und die New York Times übereinstimmend. Auch ein regierungsnaher türkischer Journalist sprach von Videoaufnahmen aus dem Konsulat.

Stimmen von Kaschoggi und anderer Männer sowie Schläge zu hören

Auf Tonaufnahmen aus dem Konsulat sind Zeitungsberichten zufolge die Stimmen von Kaschoggi und anderer Arabisch sprechender Männer sowie Schläge zu hören. Auch Kemal Öztürk, ein Kolumnist der regierungsnahen Zeitung Yeni Safak, erklärte vor einigen Tagen, es gebe Videoaufnahmen vom mutmaßlichen Mord an Kaschoggi.

Hinter verschlossenen Türen könnten die Abhörergebnisse auch der US-Regierung vorgelegt worden sein. Trotz der Erkenntnisse äußerte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan aber bisher betont zurückhaltend. Die Türkei wolle offenbar nicht selbst den Beweis dafür liefern, dass sie ausländische Vertretungen abhöre oder Informanten dort einschleuse, vermutet die Washington Post.

Offiziell ist die Türkei bereit, zusammen mit Saudi-Arabien zu ermitteln. Eine Delegation aus Riad traf dafür am Freitag in Ankara ein. Zugleich treibt die türkische Polizei ihre eigenen Mordermittlungen voran. Yeni Safak zufolge wollen die Fahnder in den kommenden Tagen auf dem Gelände der Residenz des saudischen Konsuls in Istanbul nach Kaschoggis Leiche suchen.

Saudi-Arabien spricht von "schwarzer Propaganda"

In Saudi-Arabien selbst werden die Vorwürfe als „schwarze Propaganda“ abgetan, wie es in der englischsprachigen Zeitung Riyadh Daily hieß. Die Türkei ist ein enger Partner des Emirats Katar, das mit Saudi-Arabien im Streit liegt. Die saudische Regierung betont, Kaschoggi habe das Konsulat lebend verlassen. Beweise dafür gibt es bisher aber nicht.

Veröffentlicht die Türkei ihre angeblichen Beweise, dürfte es mit dem vermeintlichen Reformer-Image von Kronprinz Mohammed bin Salman, der beispielsweise das Autofahrverbot für Frauen aufhob, endgültig vorbei sein. Salman gerät in die Isolation: Der britische Milliardär Richard Branson sagte geplante Projekte in dem Land mit Hinweis auf den mutmaßlichen Mord ab. Auch im US-Kongress mehren sich die Rufe nach einem schärferen Kurs gegenüber Riad.

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