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Auch Minderjährige dabei

21.06.2019

UN appellieren an Europa: Sea-Watch-Migranten an Land lassen

Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch hatte die Migranten am 12. Juni an Bord genommen. Foto: Chris Grodotzki/Sea-Watch.org/Archiv
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Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch hatte die Migranten am 12. Juni an Bord genommen.
Bild: Chris Grodotzki/Sea-Watch.org/Archiv (dpa)

Mehr als eine Woche dauert die Blockade des Schiffs der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch nun. Während für die Geretteten seit Tagen kein Land in Sicht ist, kommen andere fast unbemerkt in Italien an.

Hilfsorganisationen drängen im Fall des blockierten Rettungsschiffs "Sea-Watch 3" auf eine sofortige Lösung.

Nach dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) appellierte auch die UN-Organisation für Migration (IOM) an die europäischen Staaten, die 43 Migranten an Land zu lassen.

Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch hatte die Migranten am 12. Juni an Bord genommen. Die "Sea-Watch 3" darf aber weder in einen italienischen Hafen noch in die Hoheitsgewässer des Landes fahren und harrt im Mittelmeer unweit von Lampedusa aus. Die Organisation riskiert hohe Strafen, wenn sie das Verbot der populistischen Regierung in Rom missachtet. Zehn Migranten durften das Schiff am Samstag unter anderem aus medizinischen Gründen verlassen. Unter den 43 Verbliebenen sind drei unbegleitete Minderjährige.

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Vorschläge, die Migranten zurück nach Libyen zu bringen, seien inakzeptabel, sagte IOM-Sprecher Joel Millman in Genf. "Die Situation (in Libyen) ist wegen der fortgesetzten und schweren Militärzusammenstöße um die Hauptstadt Tripolis weiterhin extrem gefährlich." Migranten, die in das Bürgerkriegsland zurückgebracht werden, kommen der IOM zufolge in Auffanglager, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten werden.

Unterdessen erreichten 80 Migranten Lampedusa. Einsatzkräfte der italienischen Küstenwache und Finanzpolizei hatten sie gerettet und auf die Insel gebracht, wie IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo am Freitag auf Twitter erklärte. Seinen Angaben zufolge waren die Migranten am Mittwoch im libyschen Zuwara aufgebrochen.

Auf der Fluchtroute über das zentrale Mittelmeer zwischen Libyen und Italien sind nach IOM-Angaben in den zwölf Monaten bis 11. Juni mehr als 1150 Menschen ums Leben gekommen. In diesem Jahr seien es bereits mehr als 340 gewesen. Die Route gilt als die gefährlichste der Welt.

Das UNHCR erinnerte daran, dass die Rettung auf See eine seit Jahrhunderten geltende Pflicht sei. Das beinhalte nicht nur die unmittelbare Rettung aus dem Meer, sondern auch, dass die Menschen sicher an Land gebracht würden.

Die Regierung in Rom hat seit ihrem Amtsantritt vor einem Jahr Hilfsorganisationen allerdings immer wieder die Einfahrt in Häfen verwehrt. Vergangene Woche hatte das Kabinett zudem ein Dekret verabschiedet, wonach Hilfsorganisationen bei unerlaubter Einfahrt in einen Hafen Strafen zwischen 10.000 und 50.000 Euro riskieren. (dpa)

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