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US-Wahl 2020
05.11.2020

Warum Trump ausgerechnet bei den Latinos punkten kann

Wenn Amerika wählt, fasziniert das die gesamte Welt.
Foto: Sean Simmers, dpa

Überraschend viele Latinos, Schwarze und Frauen haben Donald Trump ihre Stimme gegeben. Woran liegt das? Eine Analyse.

Gespannt schaut die Welt auf die Wahl in den USA – und erlebt dabei so manche Überraschung. Nicht nur das Kopf-an-Kopf-Rennen der Kandidaten ist spannend, sondern auch die Verteilung der Wähler. Ein Überblick:

Wahlbeteiligung: Die Wahlbeteiligung in den USA ist traditionell eher niedrig. Umso erstaunlicher war ein Trend dieser Präsidentschaftswahl: 66,9 Prozent der Menschen gingen zur Wahl, wie das United States Elections Project mitteilte. Vor vier Jahren sah das noch anders aus – damals lag die Wahlbeteiligung bei 59,2 Prozent. Selbst Barack Obama, der erste schwarze Präsident, konnte bei seiner ersten Wahl im Jahr 2008 nur 57,1 Prozent der Wähler an die Urne locken. Zum Vergleich: In Deutschland lag die Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahl bei 76,2 Prozent. Wahlberechtigt ist in den USA jeder Bürger ab 18 Jahren, der sich für die Wahl registriert und nicht vorbestraft ist.

 

Gegen Sozialismus, gegen Abtreibung

Latinos: Sie sind eine Gruppe im Land, die schon aufgrund ihrer bloßen Größe für die Politik immer wichtiger wird. Seit den 70er Jahren hat sich der Bevölkerungsanteil von Latinos in den Vereinigten Staaten versechsfacht. Mehr als 13 Prozent aller Wahlberechtigten sind hispanischstämmig. Sie überflügeln inzwischen sowohl die Afroamerikaner (12,5 Prozent) als auch die Asiaten (4,7 Prozent). Traditionell stehen die Latinos den Demokraten nahe – doch seit 2016 ist ein Wandel zu erkennen. Der Anteil derer, die den Republikanern ihre Stimme geben, wächst. Obwohl Präsident Donald Trump immer wieder gegen Zuwanderer Stimmung machte und einen Zaun an der Grenze zu Mexiko bauen lässt, verhalfen ihm die Latinos sogar zu einem Sieg in Florida. Paradox? Nur auf den ersten Blick. Gerade die aus Kuba zugewanderten Familien blicken mit Schrecken in ihre sozialistisch regierte Heimat.

Trump schürte die Angst vor dem Gespenst „Sozialismus“, das mit Biden auch in den USA heraufziehen würde. Die Exil-Kubaner werfen den Demokraten zudem vor, unter Barack Obama einen Kuschelkurs gegenüber Havanna eingeläutet zu haben – den Trump schließlich wieder revidierte. Andere Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln vertreten traditionell konservative Werte: Sie sind vehemente Gegner liberaler Abtreibungsgesetze, gegen gleichgeschlechtliche Ehen, dafür strenggläubige Katholiken und Evangelikale. Auch die wirtschaftlichen Erfolge, die Trump vorweisen kann, sind für diese Menschen wichtig – der Grund, warum sie ihre Heimat verlassen haben, ist oft der Wunsch nach einem besseren Leben.

 

Schwarze: Sie sind so etwas wie eine Garantie für die Demokraten. 87 Prozent der Afroamerikaner haben für Biden gestimmt – und doch ist auch hier eine langsame Verschiebung wahrnehmbar. Clinton konnte sich noch 89 Prozent der schwarzen Stimmen sicher sein. Barack Obama erhielt gar die Stimmen von 95 Prozent der männlichen Schwarzen und 96 Prozent der weiblichen Schwarzen. Der amerikanische Meinungsforscher John Zogby betont, dass die afroamerikanischen Trump-Wähler vor allem Männer waren. Insgesamt hätten 18 Prozent der schwarzen Männer für Donald Trump gestimmt, erläutert er. Ein Grund dafür könnte Trumps Aussage gewesen sein, seine Justizreform habe zur Freilassung zahlreicher schwarzer Häftlinge geführt.

Hinzu käme, dass sich mehrere schwarze Hip-Hop-Stars im Wahlkampf für Trump starkgemacht hatten – offenbar überzeugte deren Unterstützung des amtierenden Präsidenten auch ihre Fans. Dem Meinungsforscher zufolge gibt es noch etwas, das das Stimmungsbild der schwarzen Männer erklärt: das wirtschaftliche Argument. „Einige männliche schwarze Wähler haben angegeben, dass es ihnen wirtschaftlich besser gehe als früher. Und dass sie das Trump zu verdanken hätten.“ Der Demokrat Barack Obama war die große Hoffnung der schwarzen Community – doch deren wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation konnte er nicht verbessern.

Eine Unterstützerin von Harris platziert vor einer Wahlkampfveranstaltung auf ihrem Fahrzeug eine Ecuadorianische und eine Flagge mit der Aufschrift der Kandidaten „Biden, Harris“.
Foto: Wilfredo Lee

Je jünger Wähler sind, desto eher stimmen sie für die Demokraten

Junge: Mehr als 60 Prozent der Erstwähler stimmten für Joe Biden. Sie sind die wichtigste Stütze für die Demokraten – je jünger Wähler sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie für die demokratische Partei abstimmen. Anders als bei vergangenen Wahlen wollten diesmal viele der Jungen ihre Stimme auch abgeben. Denn genau wie in Deutschland ist die Wahlbeteiligung der älteren Generation bislang auch in den USA deutlich höher als die der jungen Generation. Das durchschnittliche Alter eines registrierten Wählers liegt laut Pew Research bei 50 Jahren – im Jahr 1996 waren es noch 44 Jahre.

Frauen: Er gilt als Chauvinist, als sexuell übergriffig – und doch wird Donald Trump zu einem hohen Prozentsatz von Frauen gewählt. Mindestens 40 Prozent der Frauen haben sich bei dieser Präsidentschaftswahl für ihn entschieden. Das mag keine überwältigende Mehrheit sein – doch es waren mehr, als viele erwarten würden. Der Präsident hat in seiner Kampagne ganz gezielt um Frauen in den Vorstädten geworben – diese Gruppe der Mittelklasse geht häufiger zur Wahl als Männer. Schon die Umfragen vor der Wahl deuteten darauf hin, dass sie diesmal sogar noch häufiger als im Jahr 2016 ihre Stimme an Trump vergeben würden. Es waren vor allem weiße Frauen, die für den Präsidenten stimmten. Im scharfen Kontrast dazu stehen die schwarzen Frauen. Mit einer überwältigenden Mehrheit stellen sie sich auf die Seite von Joe Biden – machen insgesamt aber eine viel kleinere Wählergruppe aus als weiße Frauen.

 

Stadt/Land: Die Republikaner als Partei der ländlichen Bevölkerung? Zumindest mit Blick auf die Wählerschaft stimmt dies nicht. Biden hat in den ländlichen Gebieten und in den Vorstädten deutlich zugelegt – wenngleich er Trump nicht überholen konnte. 45 Prozent der Landbewohner stimmten für den Demokraten, 54 Prozent für den Republikaner. „Trump hat sich seine ländliche Basis gesichert, darauf hatte er auch gebaut“, sagt Meinungsforscher Zogby. Gleichzeitig habe Biden wie erwartet in den Städten gepunktet. Insgesamt seien dieses Mal etwa zwölf Millionen mehr Menschen zur Wahl gegangen als 2016. „Und das Interessante ist, dass man nicht sagen kann, dass mehr Wähler aus der Stadt oder vom Land teilgenommen haben. Diese neuen Wähler kamen aus beiden Bereichen“, sagt Zogby. Somit habe keiner der beiden Kandidaten einen besonderen Vorteil im Vergleich zu 2016.

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