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US-Wahlen 2016
27.09.2016

TV-Duell: Bei seinen Fans kann Donald Trump nicht verlieren

Trump: "Mein größter Vorteil ist mein Temperament. Ich habe ein gewinnendes Naturell. Ich weiß zu gewinnen."
Foto: Andrew Gombert (dpa)

Unser Reporter hat das TV-Duell in einer Kleinstadt inmitten von Anhängern der Republikaner beobachtet. Hillary Clinton schlägt sich gut, hat bei diesem Publikum aber keine Chance.

„2008 und 2012 habe ich Obama gewählt“, berichtet Raymond Harrison, während seine beiden ein- und zweijährigen Töchter über die Wirtshausbank krabbeln. „Er war ein Star, hat Wandel versprochen und ist intelligent“, sagt der 28-jährige Ingenieur. „Aus den gleichen Gründen unterstütze ich jetzt Donald Trump.“

Die gut hundert Trump-Fans, die sich im wohlhabenden Städtchen Potomac in Maryland zur republikanischen „Debate Watch Party“ (Fernsehduell-Party) eingefunden haben, entsprechen nicht den Klischees: Viele hier sind erfolgreich, haben höhere Abschlüsse. Es gibt Schwarze, Latinos, Asiaten, knapp die Hälfte im Raum sind Frauen. Auf zahlreichen T-Shirts steht der Hashtag #neverhillary (niemals Hillary), doch die Stimmung im gediegenen Irish Pub „Lahinch“ ist freundlich. Die Besucher sprechen gern über ihre Motive. „Ich würde mit Donald Trump gut auskommen“, sagt Harrisons 27-jährige Gattin Bianca. „Die Beleidigungen gegenüber Frauen, die man ihm vorwirft, sind aus dem Zusammenhang gerissen. Aber Hillary Clinton ist verachtenswert.“

Clinton und Trump in Umfragen Kopf an Kopf

Der 65-jährige Bauunternehmer Jeff Brown sieht im ersten Fernsehduell mit Hillary Clinton eine große Chance für Trump: „Es ist eine hervorragende Gelegenheit, Details seiner Pläne zu präsentieren. Clinton ist nicht gut in solchen Diskussionen. Er muss nur aufpassen, dass er sie nicht beschimpft.“

Bei einem Wahlkampfauftritt deutete Donald Trump am Dienstag an, dass nur Waffenfreunde seine Rivalin Hillary Clinton aufhalten könnten. Das Wahlkampfteam des Republikaners versuchte, diesen Verdacht zu zerstreuen. Trump habe lediglich gesagt, dass die Waffenfreunde in hoher Zahl in November zur Wahl gehen und geschlossen gegen Clinton und für Trump stimmen würden.
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Die provokantesten Sprüche von Donald Trump
Foto: Andrew Gombert, dpa (Symbolbild)

Die Ausgangslage beim TV-Duell hätte kaum dramatischer sein können: Die beiden Spitzenkandidaten um das mächtigste Amt der Welt liegen in fast allen Umfragen Kopf an Kopf, Donald Trump hat in mehreren wichtigen Swing States, also in den umkämpften Bundesstaaten aufgeholt.

Trump mit blauer Krawatte am Pult, Clinton im roten Kleid

Trump beginnt stark, als Moderator Lester Holt die Bühne an der Hofstra University im Bundesstaat New York schließlich freigibt. Das Publikum vor Ort ist zum Schweigen verdammt, aber die Zuschauer im „Lahinch“ jubeln, als Trump das Kernthema seiner Kampagne aufgreift, den Verlust von Jobs und die Abwanderung von Firmen ins Ausland. Ihm gelingen wirkungsvolle Attacken auf Clinton, die er als „typische Politikerin“ und „Erbin Obamas“ brandmarkt. „All diese Dinge, über die sie redet, hätte man in den letzten zehn Jahren anpacken können“, fährt er ihr mehrfach in die Parade. „Warum hat sie nichts getan?“

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Trump steht mit blauer Krawatte am Pult, Clinton im roten Kleid – eigentlich die Farben der jeweils anderen Partei. Auch sonst gibt es Anzeichen eines Rollentauschs: Trumps penetrantes Schniefen erinnert zahlreiche Social-Media-Nutzer an Clintons viel diskutierte Lungenentzündung; persönliche Angriffe gehen zunächst stärker von ihr aus als von ihm.

Allerdings liefert sie auch weit mehr inhaltliche Substanz: Ob es um die Belebung der Wirtschaft geht, um die Rassendiskussion in den USA, Cyber-Kriegsführung oder den Kampf gegen den Islamischen Staat – ihre Antworten sind differenziert und in die Zukunft gerichtet. Trump beschränkt sich darauf, Miseren zu beschreiben und nach Law and Order zu rufen. Der Abend kippt, als er ihr vorwirft, keinen ökonomischen Plan zu haben. Clinton dreht den Spieß um und sagt, Trump habe nichts Konkretes zu bieten. Es sei, wie bei seiner Strategie, den Islamischen Staat zu besiegen: Er rede von einem geheimen Plan, aber das einzige Geheimnis sei, dass er keinen Plan habe.

Clinton: "Habe mich darauf vorbereitet, Präsidentin zu sein"

Clinton beweist Humor, sie wirkt ruhig und gefasst – selbst dann, als Trump ihre E-Mail-Affäre thematisiert. Sie bezweifelt ihrerseits Trumps geschäftliche Erfolge, spekuliert über seine Gründe, entgegen der Tradition keine Steuerunterlagen zu veröffentlichen, und wirft ihm rassistische und sexistische Einstellungen vor. Der Milliardär verliert zusehends den Faden. „Wo haben Sie das her?“, fragt er Ministerin Clinton, die ihn konsequent nur Donald nennt. Zweifel an der Staatsbürgerschaft des ersten schwarzen US-Präsidenten habe nicht er gesät, behauptet Trump, obwohl es nachweislich nicht stimmt. Er wiederholt auch die bereits widerlegte Behauptung, von Anfang an gegen den Irak-Krieg gewesen zu sein. Und er fordert polizeiliche Kontrollen aufgrund von Rassemerkmalen – ein Ansinnen, das ein Gericht bereits als verfassungswidrig verboten hat.

Leonardo DiCaprio bei den Screen Actors Guild Awards in Los Angeles.
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Diese Promis unterstützen Hillary Clinton oder Donald Trump
Foto: Paul Buck (dpa)

Eine ihrer besten Szenen hat Clinton, als Trump ihr vorwirft, in den vergangenen Tagen daheim geblieben zu sein. „Mir scheint, Donald hat mich gerade dafür kritisiert, dass ich mich auf diese Debatte vorbereitet habe. Und ja, das habe ich getan“, sagt Clinton. „Wissen Sie, worauf ich mich noch vorbereitet habe? Ich habe mich darauf vorbereitet, Präsidentin zu sein. Und ich denke, das ist etwas Gutes."

Trump hat vor dem Duell darauf verzichtet, sich minutiös auf die Debatte vorzubereiten. Statt dessen erhebt er immer wieder Vorwürfe gegen Clinton. Irgendwann muss die 68-Jährige lachen: „Mir scheint, wenn der Abend vorbei ist, werde ich an allem Schuld sein, dass je passiert ist.“ Trump grantelt zurück: „Warum nicht?“

Trump zeigt mehr Schwächen als Clinton

Er betont, er wolle darauf verzichten, das Familienleben der Clintons zum Thema zu machen. Doch jeder weiß, dass er damit auf die Lewinsky-Affäre von Hillarys Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton anspielt. Als Trump behauptet, er sei nicht nur mit seinem Urteilsvermögen, sondern auch was sein Temperament betrifft Hillary Clinton überlegen, müssen selbst die Zuschauer in der Hofstra University lachen. Eines ist an diesem Abend klar geworden: Trump zeigt mehr Schwächen als Clinton, aber er redet dennoch entschlossen über sie hinweg. Seine Körpersprache wirkt dominant und dynamischer als ihre.

Auch im „Lahinch“ in Potomac wird gelacht, aber dort macht man sich keine Sorgen um Trump: „Er ist ein Troll, er macht sie fertig“, jubelt Raymond Harrison in Anspielung auf die Sitte, Online-Diskussionspartner durch Provokationen zur Weißglut zu bringen.

„Ich habe einen Mann mit scharfem Intellekt gesehen, der ohne Vorbereitung gut vorbereitet war“, sagt nach der TV-Debatte Ademola Apata, ein 39-jähriger Ex-Nigerianer, über Trump. „Er ist kein Rassist, er ist ein Genie.“

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