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USA
28.04.2019

Tödlicher Angriff auf Synagoge: Täter nennt sich Antisemit

Nach den Schüssen in einer Synagoge in Südkalifornien ist der Schock groß.
Foto: Denis Poroy, dpa

Bei Schüssen in einer Synagoge in Kalifornien wurden zahlreiche Menschen verletzt, eine Frau starb. Präsident Donald Trump spricht von einem Hassverbrechen.

Vor fünf Jahren kamen sie nach Kalifornien, um Schutz vor den Raketen der Hamas in ihrer Heimat Sderot zu suchen. Statt Sicherheit trafen Israel Dahan und seine Familie auf den Hass eines jungen Rechtsextremisten, der am Pessachfest in der Chabad-Synagoge von Poway nahe San Diego auf die versammelte Gemeinde schoss.

Täter schießt auf Synagoge in Kalifornien - viele Verletzte, eine Tote

Als der 19-jährige Täter mit einer halb automatischen Waffe um sich feuerte, versuchte Israels Familie in Deckung zu gehen. Eine Kugel erwischte seine achtjährige Tochter, eine andere seinen Schwager. Beide überlebten den Anschlag mit Verletzungen, wie auch Rabbi Yisroel Goldstein, den ein Geschoss an der Hand traf. Eine 60-jährige Frau erlag in der Notaufnahme ihren Verletzungen.

Dahan erzählt Reportern, er habe gesehen, wie die Waffe des Täters klemmte. Vermutlich habe das sein Leben und das vieler anderer Gemeindemitglieder gerettet. Der orthodoxe Jude sagt, in seiner Heimat sei er vom Terror der Hamas bedroht gewesen. „So ist das Leben. Es kann überall passieren.“

Im Amerika Donald Trumps passieren antisemitische Verbrechen häufiger und brutaler als in der Vergangenheit. Es ist gerade einmal sechs Monate her, dass ein anderer Rechtsextremist in der Tree-of-Life-Synagoge von Pittsburgh das schlimmste Hassverbrechen gegen Juden in der Geschichte der USA verübt hatte. Damals kamen elf Menschen ums Leben.

Trump verspricht, den Antisemitismus auszutilgen

Während die halbherzige Reaktion des Präsidenten viele Juden seinerzeit enttäuschte, fand . Bei einer Kundgebung vor Anhängern in Green Bay im US-Bundesstaat Wisconsin sagte er, „das Böse des Antisemitismus und des Hasses muss kraftvoll verurteilt werden“. Er versprach der jüdischen Gemeinde, Antisemitismus auszutilgen. „Wir werden dem auf den Grund gehen.“

 

Im Fall des mutmaßlichen Täters von Poway liegen die Dinge einigermaßen klar. Der an der California State University von San Marcos eingeschriebene Student bekannte sich in einem Manifest als „Antisemit“. Als Vorbilder nannte er die Mörder von Neuseeland und Pittsburgh, Adolf Hitler und Jesus.

Zeuge: Waffe des Rechtsextremisten blockierte wohl

Sein Versuch, die Bluttat live via Facebook zu übertragen, konnte rechtzeitig verhindert werden. Die Polizei eilte kurz nach Beginn zweier Gottesdienste gegen 11.30 Uhr zu der Synagoge der chassidischen Gemeinde. Der Täter stellte sich nach einer kurzen Flucht freiwillig den Beamten einer Sondereinheit. Die Polizei versucht zu klären, ob er alleine oder mit Unterstützung anderer handelte. Der Polizeichef von San Diego County bestätigte, dass die Waffe des Rechtsextremisten Ladehemmung hatte. Dadurch sei Schlimmeres verhindert worden.

Für die „Anti Defamation League“, die Hassverbrechen dokumentiert, ist der Anschlag auf eine weitere jüdische Gemeinde „verheerend“. ADL-Chef Jonathan Greenblatt meint, es sei „herzzerbrechend eine andere Tragödie an einem Schabbat zu sehen, an dem Pessachfest genau sechs Monate nach ,Tree of Life‘“. Israel Dahan bringt das Hassverbrechen in einem Interview mit dem israelischen Rundfunk später so auf den Punkt: „Wir sind vor dem Feuer geflohen, und sind im Feuer gelandet.“

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